Author: Matthias Schumacher | Date: 13. Oktober 2018 | Kommentare deaktiviert für Verkantetes Genie [Mehr in Kürze]

Das neue eBook von Matthias Schumacher

Matthias Schumacher _ Cover _ eBook _ Verkantetes Genie

Matthias Schumacher gewährt einen kurzen Blick in seine geheime Schublade. 47 eckige Gedanken und knackige Wahrheiten, mal zugespitzt und mal gewitzt. Hohn und Reflexion. Fünf Minuten Aha, Oho und Hoho.
Aber Vorsicht! Es könnte sich in Ihren Gehirnwindungen etwas verkanten und hängenbleiben von diesen Ansichten eines verkanteten Genies.

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Author: Matthias Schumacher | Date: 11. Juli 2017 | Kommentare deaktiviert für Sulke und ein Quickie vor Eu-Ro-Pa

Der hängt nicht kopfüber in die Arena. Der wechselt nicht für jeden Titel die Klamotten. Keine Hupfdohlen, keine Windmaschine. Stephan Sulke macht’s für heutige Verhältnisse live weit spektakulärer: Er sitzt da, spielt, singt. Und ohne erkennbare Regelmäßigkeit bringt er ein neues Album raus.

2017: „Liebe ist nichts für Anfänger“. 

Acht Jahre sind seit der letzten Produktion vergangen und Sulke, inzwischen 73, klingt wie Sulke ’76. 1976, als es nach Erfolgen in Frankreich und in den USA auch in Deutschland steil bergauf gehen sollte.
Der Wiedererkennungswert ist beachtlich.

Sulke präsentierte sich hierzulande technisch nie als größter Sänger. Das hätte kaum gepasst. Eher ein bisschen nölig, ein bisschen vernuschelt und gehaucht, was er besonders in seinen Balladen gepflegt und kultiviert hat. Mit glattgebügeltem Up-tempo-Mainstream hätte er bequem brave Mitklatscher um sich scharen können. Auf die hatte er es aber nie abgesehen. Sondern auf jene, die wie er auf den Massengeschmack pfeifen und – natürlich – die Liebesgequälten. Angeknackste Herzen kriegt Sulke mit angeknackster Rauchstimmlage, die sich beispielhaft im Song „Ich geb mein Herz nie mehr“ wie ein Tenorsaxophon durch die Notenlinien schlängelt.

Dass er aber Gängiges nicht verlernt hat, beweist er mit dem Vier-Minuten-Quickie „Zwei Fremde in einem fremden Haus“. Radiotauglicher Seitensprung-Deutschpop, der sich nicht verstecken muss. Ein One-Night-Stand mit 73? So what? Why not? Kein Scherz. Auch wenn Sulke nicht immer alles wirklich ernst meint. 

Hier verspielt, dort traurig, da leicht – oder leicht traurig. Der neue alte Sulke ist wie das Leben. Und die Liebe, die wir zu kennen glauben und von der uns Sulke singt, gelingt nicht immer. „Man liebt und entliebt sich // Man hasst und vergibt sich // Und wieder verliebt man sich neu“. Eben: „Liebe ist nichts für Anfänger“.

Momentaufnahmen. Episoden. Keine langen Stories. Angerissenes und Skizzen. Beobachtungen. Witziges und Gewitztes wie in „Ich bin so traurig, Mann oh Mann“. Menschlich große Gefühle in musikalisch kleiner Besetzung. Sulke singt, wie er es sieht, nicht nur in „Eu-Ro-Pa“. Ja, Sulke macht nicht nur in Liebe, er macht sich auch Gedanken. Die sind nicht immer wohltemperiert.

Liebe ist nichts für Anfänger“ ist nicht das Alterswerk eines Künstlers, der auf Bedeutendes und bessere Zeiten zurückschaut. Es ist ein facettenreiches Album im Hier und Jetzt, in das Sulke die gesamte Bandbreite seines Könnens gepackt hat. Sympathisch echt und erdig eingespielt. Gut für alle, die sich gern den vollen Stephan mit „ph“ geben, nicht schlecht für jene, die als Nachbarn mithören müssen, wenn man als Ü40er das „Edelmetallalter“ etwas lauter mitträllert: „Silbersträhnen in den Haaren // Gold, um Zähne zu bewahren…“

Sulke bleibt sein eigenes Genre. Was Sulke macht wie Sulke, kann nur Sulke. Und so sitzt er eben nicht zwischen den Stühlen, sondern – ja – hängt eben doch von der Decke in die Arena, schaut, was da abgeht, und lässt die Löwen nach ihm schnappen. Kommen ja nicht an ihn ran.

„Liebe ist nichts für Anfänger“ ist erschienen bei staatsakt.
und überall erhältlich.

Stephan Sulke Website
Stephan Sulke auf Facebook
 

 

Rückblick:
Das exklusive Interview von Matthias Schumacher mit Stephan Sulke (2010).

Verfasst am 11.VII.2017.
© Matthias Schumacher

 

Author: Matthias Schumacher | Date: 9. Juli 2017 | Kommentare deaktiviert für Befreiung

Das Glück, es droht nicht mehr,
Es ist – eingetreten kurz nach dir,
Und eingetreten ist die Tür,
Die ich in mir verriegelt hielt.

Im eignen Kerker nicht mehr Herr
Zu sein, durch Fremde im Revier,
Ist eine ungeübte Kür,
Die auf Befreiung zielt.

Du warfst die Mauern übers Meer,
Nahmst Dach und Nacht von mir.
Verrate dir zum Dank dafür:
Ich hab die Ketten nur gespielt.

 

 

Foto: darkday (flickr), CC 2.0
Gedicht verfasst am 02. August 2013.
Erschienen im Dezember 2013 in 
»NACHLASS« (Infos zum eBook).
© Matthias Schumacher

 

Author: Matthias Schumacher | Date: 28. Juni 2017 | Kommentare deaktiviert für „Wenn die geschichtliche Stunde es zulässt“ – Kommentar zur Ehe für alle –

Wenn die geschichtliche Stunde es zulässt, wird der Deutsche Bundestag an diesem Freitag den Weg für die Ehe für alle freimachen. Es ist an der Zeit, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und zeitgemäß zu handeln. 17 Jahre nachdem es die Niederlande als erstes Land der Welt vormachten. 17 Jahre!

Verlorene Jahre.

Statt mit unseren niederländischen Nachbarn gleichzuziehen, einigte sich die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder im Jahr 2001 auf das Lebenspartnerschaftsgesetz. Das war immerhin etwas. Das war weit mehr als unter einem Kanzler Kohl je denkbar gewesen wäre. Das war nicht genug. Und so kam auch mehr. Aber bis zum heutigen Tag nicht alles.

Doch alles muss hier das Mindeste sein.

Es geht nicht um ein paar Euro, die man verschmerzen könnte. Es geht nicht um den Begriff Ehe. Es geht um Recht und Gerechtigkeit. Und Liebe. Liebe, ein Begriff der sich weder im Bürgerlichen Gesetzbuch noch im Grundgesetz findet. Ein Gefühl, das weite Teile unseres Handelns bestimmt, das vieles leichter und erträglicher macht. Ein Gefühl, das, wenn es gleichgeschlechtliche Partner für einander empfinden, kein Gefühl zweiter Klasse mehr sein darf.

Wer in Windeseile Gesetze gegen Hass durchpeitscht, darf sich Gesetzen für die Liebe nicht entgegenstellen. Der Gesetzgeber ist groß und stark im Einschränken von Freiheiten. Wenn es aber darum geht, Freiheiten einzuräumen, zögert und zaudert er mitunter Jahre und manchmal Jahrzehnte.

Mit der Ehe für alle geht Deutschland einen Schritt nach vorn. Die deutliche Mehrheit der Menschen im bevölkerungsstärksten Land Europas ist längst dafür bereit gewesen. Nun wird der Volkswille geltendes Recht. Und Deutschland wird gerechter und moderner, kommt im Heute an. Heute, das ist eben nicht nur Atomausstieg und Industrie 4.0, es ist auch die Ehe für alle als selbstverständlicher Bestandteil einer weltgewandten und offenen Gesellschaft. Und es schadet hier einmal gar nicht, wenn wir uns aufs Podest stellen und sagen: „Ihr Österreicher, Slowenen und Slowaken, Ungarn… seht her und folgt uns!“

Helmut Kohls Ausspruch von der Einheit der Nation, von der geschichtlichen Stunde, er sollte allen ein Wegweiser auch in der Frage der vollständigen Gleichstellung Homosexueller sein. Der Mantel der Geschichte trägt in dieser Woche alle Farben des Regenbogens. So nah war er nie zuvor. Wer da nicht zugreift, muss schon blöd oder böswillig sein.

Und wenn wir am Freitag nun ein letztes Stück alte Bundesrepublik hinter uns lassen und wenn Helmut Kohl am Samstag seine letzte Ruhe findet, gehen wir durch blühende Landschaften in eine neue Zeit.

Ja, es darf uns feierlich zumute sein.

Verfasst am 27. und 28.VI.2017.
© Matthias Schumacher