Geburtsvorbereitungen knapp vor Christi – Riechst Du, wie die Zeichen stehen?
Author: Matthias Schumacher | Date: 21. Oktober 2011 | Please Comment!
Diesmal wollen wir alles richtig machen. Noch ist es nicht soweit, noch ist unsere westliche Welt nicht gerüstet für Jesus 2.0, der sich gewiss via Twitter ankündigen wird. Eben hat er Steve Jobs zu sich gerufen, um mit ihm an einer eigenen App zu basteln. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Zeichen stehen auf Zeichen. Da liegt was in der Luft. Die SPIEGEL-Bestsellerliste – immer ein Stall der Vorboten – ganz vorn »Der Traum der Hebamme« und »Schmitz’ Mama«. In der Kategorie Hardcover gibt die frisch auferstandene Gaby Köster unserer Ahnung den Rest. Gewissheit breitet sich aus. Bald, schon bald…
Noch ist der Krippenplatz nicht garantiert. Noch nicht sicher, ob Papa Josef, der sich sein Leben lang als Zimmermann auf dem Bau verdingen wird, mit 65 in Rente gehen kann.
Wir zimmern derzeit das Himmelreich auf Erden. Und wir fangen nicht etwa unten in den Slums, sondern ganz oben an – in den Vorstandsetagen der Dax-Unternehmen. Bevor Jesus kommt, muss die Sache mit der Frauenquote durch sein. Wo sonst sollte Maria arbeiten? Sicher wird ihr Eva Herman dann gleich einen geharnischten Brief schreiben: »Sie Rabenmutter Gottes!« Alice Schwarzer wird dagegen halten, nebenbei empfiehlt sie sich damit beim Schöpfer als BILD-Berichterstatterin fürs Jüngste Gericht, wo der Atem der Gerechtigkeit nicht mehr nach Testosteron müffelt.
Und was, wenn Gott selbst in den Vorstand drängt? Erzbischof Zollitsch erklärte Anfang Oktober auf Spiegel Online, Gott sei weder Frau noch Mann. Haben das Kristina Schröder und Ursula von der Leyen bedacht? Ach Ursula, die gewiefte Christin, die durch erhöhte Schlagzahl versuchte, das Jesuskind selbst zu gebären. Wenn es auch nicht gelang, eins für jeden Tag, den der Herrgott schuf – immerhin — Ein wichtiger Beitrag…
…denn als Rudi Carrell 1975 anstimmte »Liebling, die Deutschen sterben aus«, stand es nicht gut um uns, da lebten zwischen Rhein und Neiße nur 78 Mio. Menschen. Heute sind wir schon vier Millionen mehr. Auch Dank Ursula. Die Weltbevölkerung stieg in diesen 36 Jahren um drei Milliarden.
Am 31. Oktober machen wir die statistische siebte Milliarde voll. Kein Messias dabei. Wir lassen nichts unversucht und schnackseln weiter. Jährlich werden 79 Millionen Menschen geboren. Jährlich verhungern 30 Millionen. Aber kein Heiland!
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mahnt. Man solle nicht so viele gute Lebensmittel wegwerfen. Und Ilse Aigner nickt, wie bei Jauch, als der zitierte, es sei genug für alle da, aber ungerecht verteilt. Auch noch im Jahre 2050, wenn wir 10 Milliarden sind? Alle nachhaltig und ökologisch einwandfrei ernährbar? Vielleicht haben wir uns da verrechnet. Es riecht ein bisschen danach. Riechen Sie das auch?
Ja, wenn man nur nicht alles nach dem Mindeshaltbarkeitsdatum wegwerfen würde, das würde schon helfen. Würde es? Selbst gegen totalitäre Regierungen, die die Bevölkerung nur als notwendiges Übel zur Bereicherung des Regimes betrachten?
Menschen haben heute ein sehr unterschiedliches Verfalldatum. Während wir in Deutschland gute Chancen haben, 80 Jahre alt zu werden, bevor man uns entsorgt, werden die Swasi im Süden Afrikas bestenfalls 31.
Wir Deutschen werden wirklich weniger, drohen auszusterben. Na und!?
Wenn weltweit die 10. Milliarde erreicht sein wird, werden hierzulande nur noch 74 Millionen leben. Okay.
Wenn wir uns schon so schwer tun mit der Verteilung der angeblich ausreichenden Nahrungsmittel, warum verteilen wir nicht die Menschen, die verteilt werden wollen? Wenn wir weniger werden, werden Plätze frei, gewaltige Löcher in den Sozial-, Steuer- und Rentenkassen drohen uns aufzufressen. Die Welt ist voller Menschen. Wir zeugen aber lieber unsere eigenen Kinder, geben Milliarden aus, damit der Deutsche zur Paarung schreitet. Denn: Kinder sind unsere Zukunft. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Das stimmt und stinkt trotzdem.
Liebling, das Boot ist voll.
Dass viele der größten Probleme unserer Zeit auf die Überbevölkerung, dieses eine und eigentliche Problem zurückzuführen sind, will uns nicht bewusst werden. Alles hat damit zu tun. Die Überbevölkerung, die Versorgung der Menschheit und zugleich der Schutz der Erde sind DIE Herausforderungen der kommenden Jahre. Die Zahl der Menschen entscheidet letztlich über alles. Auch über Kopfbahnhöfe, Flugrouten, Autobahnen. Denn wenn die Menschheit wächst, brauchen wir Raum und Mittel zur Fortbewegung, zu Versorgung, zum Wohnen, zum Ackerbau…
Wenn wir am 31. Oktober die 7. Milliarde feiern, werden wir innehalten, denken, dann geht’s weiter wie bisher. Mäßigung ist nicht unser Ding. Sehen wir es realistisch, diejenigen, die heute auf die Straße gehen, gehen vor allem für eines: für sich. Alles soll so bleiben oder man will mehr. Mehr für alle ist gut – wenn es einige wenige nichts kostet. Haben Sie schon einmal Transparente mit »Wir wollen den Gürtel enger schnallen« gesehen?
Wer früher stirbt, ist schneller bei Gott. Wen Gott liebt, den holt er jung. Wahrscheinlich werden wir immer älter, weil er uns einfach nicht leiden kann. Unser Leben stinkt zum Himmel. Gott weiß also bestens Bescheid.
Zensus. Überprüfung, ob die Zahlen stimmen. Volkszählung. »Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Stadt.« Es schien ein wenig wie damals, vor dieser Heiligen Nacht. Doch nichts! Wiesenhof meldete keine Zweckentfremdung seiner Ställe. So lockt man Jesus aber auch nicht vom Kreuz herab! Der Retter ist fern, die Heilige Nacht 2011 wird kommen – und was da so süß riecht, sind nicht die mit Lebkuchen vollgestopften Supermarktregale, es sind Kinderleichen. Der Duft der großen weiten Welt.
Ist das jedem klar? Vieles liegt noch im Nebel, aber er lichtet sich. Was am Himmel sichtbar wird, könnte der Abendstern sein – oder ein herabstürzender Satellit. Nur nicht kirre machen lassen! Noch gehen manche auf die Straßen und wissen nicht, wo sie hinführt. Fragen. Fragen ohne Antworten. Wer übernimmt »Wetten dass..?« nach Gottschalk? Kerkeling kann alles, sagt man. BILD und Bunte verbreiten, es sei alles offen. Im Dezember will das ZDF die frohe Botschaft verkünden, bei jemenitischem Weihrauch, Myrrhe aus Somalia und Gold aus Swasiland. Es stehen Zeichen. Überall. Man muss sie nur zu riechen wissen.
Riechen Sie das? Ist das Schwefel?
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Foto: weisserstier/
Matthias Schumacher
20/10/2011
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