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	<title>Potpourri Pathétique</title>
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	<description>MATTHIAS SCHUMACHER</description>
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	<copyright>Copyright &#xA9; Matthias Schumacher 2011 </copyright>
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		<title>Potpourri Pathétique</title>
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	<itunes:author>Potpourri Pathétique</itunes:author>
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		<title>Freiheit&#8230;und? Was noch, Herr Gauck? &#8211; ODER: Im Land der Blutdackel</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 16:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Februar 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Bellevue]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Shitstorm]]></category>

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		<description><![CDATA[Da war doch noch was! Matthias Schumacher sucht zwischen Shitstorms, Blutdackeln und Gerüchten nach etwas, von dem Joachim Gauck immer wieder spricht. Nicht Freiheit! Das andere&#8230;!  Wochen der Fortbildung für den „Freiheitslehrer“, wie man Joachim Gauck in einem ZDF-Portrait nannte. Wir kennen das alle noch aus der Schulzeit. Bevor es nach den Ferien losging, mussten sich die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>Da war doch noch was! Matthias Schumacher sucht zwischen Shitstorms, Blutdackeln und Gerüchten nach etwas, von dem Joachim Gauck immer wieder spricht. Nicht Freiheit! Das andere&#8230;! </em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-17456" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/02/DJane88.jpg" alt="DJane88 in Freiheit...und? Was noch, Herr Gauck? - ODER: Im Land der Blutdackel" width="500" height="280" /></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Wochen der Fortbildung für den „Freiheitslehrer“, wie man Joachim Gauck in einem <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1573620/Der-Freiheitslehrer-Gauck-wird-Praesident"><span style="color: #000000;">ZDF-Portrait</span></a> nannte. Wir kennen das alle noch aus der Schulzeit. Bevor es nach den Ferien losging, mussten sich die Lehrer weiterbilden. Bis heute kann ich nicht sagen, ob es irgendwas gebracht hat. Das Kollegium wirkte nach Weiterbildungen jedenfalls nicht schlauer. Wahrscheinlich hatte man nur Altbekanntes wiederhohlt. Auffrischen nennt man das.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Bei Joachim Gauck dürfte es ähnlich sein. Nun kann er sich, der ungewaschen die <span style="color: #808080;"><del datetime="2012-02-22T16:23:52+00:00">Kopernikanische</del> </span></span><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" title="spiegel.de" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816280,00.html"><span style="color: #000000;">Merkelsche Wende</span></a> erleben musste, frisch machen. So wird Gauck, wenn er am 18. März als 11. Bundespräsident ins Schloss Bellevue einzieht, zwar nicht klüger, aber sauber, sortiert und gefestigt sein:<br />
„Freiheit heißt Verantwortung, Freiheit heißt Verantwortung, Freiheit heißt Verantwortung. Wir repetieren: Freiheit heißt Vera&#8230;“</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Nun kursieren etliche <a title="welt.de" href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13879697/Das-Internet-Maerchen-vom-boesen-Joachim-Gauck.html"><span style="color: #000000;">Internet-Märchen</span></a> und nicht wenige Leser und Autoren sind bereit, alles ungeprüft für wahr und richtig zu halten. Getreu dem Motto: „Irgendwas wird schon dran sein“, denn „die haben doch alle Dreck am Stecken.“ Die sonstigen Rivalen <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816668,00.html"><span style="color: #000000;">SPIEGEL ONLINE</span></a> und BILD nahmen sich gleichermaßen beherzt Themen an, die wie 1975 wirkten. Frei nach uns Udo:</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em> Weil sie als Paar zusammenleben und noch immer ohne Trauschein sind,<br />
</em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/iZO1AgURC58" frameborder="0" width="500" height="369"></iframe></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>hat man sich gestern <a href="http://www.bild.de/politik/inland/gauck-joachim/ohne-trauschein-im-schloss-bellevue-22754596.bild.html"><span style="color: #000000;">da</span></a> getroffen und dann hat man abgestimmt:</em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><img class="aligncenter size-full wp-image-17455" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/02/Joachim-Gauck-Umfrage-bild.de_.jpg" alt="Joachim-Gauck-Umfrage-bild De in Freiheit...und? Was noch, Herr Gauck? - ODER: Im Land der Blutdackel" width="385" height="281" /></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Doch es gab auch manches von zumindest zeitweiliger Substanz, die bald in sich zerfiel. Man ist wie besessen. Im Wahn. Nach Guttenberg und Wulff ist das Land im Blutrausch und viele sind zu Blutdackeln mutiert. Deutscher Schäferhund geht gar nicht! Es wird geschnüffelt bis große Vorwürfe unter lächerlichen Petitessen verschütt gehen. Jeder Schritt wird zurückverfolgt, jede Sandkastenliebe durchleuchtet: Hat Ihnen XY vielleicht mal die Buddelschippe drübergezogen?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Und falls nichts an den Vorwürfen dran ist, gilt es, dem Gehetzten und in die Ecke Getriebenen wenigstens maximal zu schaden, in die Waden zu beißen, Stöckchen zwischen die Beine zu werfen und der übrigen Wutmeute an den Bildschirmen abgenagte Knochen hinzuwerfen, besabbert vom Geifer der Entrüstung. Aus dem Kontext gerissene Zitate sind hierzu ideal. Doch ebenso wie man einen Gauck runterzitieren kann, könnte man jeden Diktator hochschreiben. Das geht ganz einfach und bedarf keinerlei Hitler-Zitate.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Die Freiheit, etwas zu veröffentlichen und zu zitieren, setzt kein Verantwortungsgefühl voraus. Jeder kann &#8211; wenn er sich am Riemen reißt &#8211; schreiben, was er will, wann er will und im Internet sogar, wohin er will. Das ist Freiheit und genauso soll es sein und bleiben. Eine innerer Geschmackskompass ist hilfreich, aber jeder verrennt sich mal. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Mancher aber hat sich von Verantwortung weitgehend frei gemacht und trägt nackte Tatsachen zur Schau, an denen solange rumgedoktort wurde, bis alle hingucken und „Skandal!<em>“</em> schreien. Und ehrlich: Wer prüft schon alles, was irgendwo geschrieben steht!? Was Schreibenden im schnelllebigen Arbeitsalltag kaum möglich ist, kann dem Konsumenten schon gar nicht zugemutet werden. Er muss sich auf etwas verlassen können. Der arglose Leser baut fatalerweise darauf, dass ihm die Wahrheit gesagt wird und die schreibende Zunft, die der Wahrheit verpflichtet ist, hat diese nach besten Wissen und Gewissen zu liefern. Wo sich nicht wie hier Literatur, Polemik und Journalismus mischen, sollte das so sein.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Es ist nicht weit von „BILD lügt!<em>“</em> zu „Alle lügen!<em>“</em><em> </em>Am Ende macht es auch keinen Unterschied, ob vorsätzlich oder nur mal so gelogen wurde, weil&#8217;s eben auch mal passiert oder man es passieren lässt, wie bei <a href="http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/was-der-zeitung-steht"><span style="color: #000000;">Reinhard Mey</span></a>:</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>„Verantwortung, Mann, wenn ich das schon hör‘!</em></span><br />
<span style="color: #000000;"> <em>Die Leute müssen halt nicht alles glauben, nur weil‘s in der Zeitung steht!</em></span><br />
<span style="color: #000000;"> <em>Na schön, so ‘ne Verwechslung kann schon mal passier‘n,</em></span><br />
<span style="color: #000000;"> <em>Da kannst du auch noch so sorgfältig recherchier‘n,</em></span><br />
<span style="color: #000000;"> <em>Mann, was glauben Sie, was Tag für Tag für‘n Unfug in der Zeitung steht!“</em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Wo ist eigentlich die deutsche Gründlichkeit der Rechercheure? Wo ist sie geblieben? The answer, my friend: Es gibt sie noch.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-17495" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/02/Monumento-a-Don-Quijote-de-la-Mancha-recreando-el-Molino-de-Viento-y-Sancho-Panza.jpg" alt="Monumento-a-Don-Quijote-de-la-Mancha-recreando-el-Molino-de-Viento-y-Sancho-Panza in Freiheit...und? Was noch, Herr Gauck? - ODER: Im Land der Blutdackel" width="500" height="258" /></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Und die Aufrechten schlagen sich tapfer im Kampf mit den Windmühlen, die von den Shitstorms betrieben werden. Das Knochenmehl, das sie mahlen, das sie uns in die Augen streuen, ist unser täglich Brot. Wir verschlingen es gierig, weil es uns schmeckt, wenn es gegen <em>„</em>die da oben<em>“</em> geht, die wir auf Augenhöhe herunterbringen möchten &#8211; und dann noch etwas tiefer, damit wir drauf rumtrampeln können. Verlangen wir nicht bei allem Recht auf anständige Menschen in der Politik manchmal Übermenschliches?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Wer Schäden anrichten will, hat es im Internet &#8211; aus dem mittlerweile auch die alten Medien oft und ungeprüft zitieren -kinderleicht und kann sich sicher sein, dass ein falsches Zitat oder ein Gerücht schon irgendwo haften bleibt. Selten aber an dem, der dreist und boshaft kolportiert. Die bereitwilligen Unwissenden und Mitläufer potenzieren das Übel um ein Vielfaches. Die Eigendynamik der sogenannten <a title="wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shitstorm"><span style="color: #000000;">Shitstorms</span></a>, der Empörungswellen, könnten verheerende Auswirkungen haben. <a title="tagesspiegel.de" href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/nierenkolik-christian-wulff-in-krankenhaus-behandelt/6241736.html"><span style="color: #000000;">Vielleicht eine Nierenkolik</span></a>? Nee, nee. Dennoch:</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Warum glauben wir, dass Politiker persönliche Angriffe, die nichts mit der Causa selbst zu tun haben, einfach wegstecken können? Warum fällt es uns so schwer, einem Christian Wulff zu glauben, wenn er sagt:</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>„Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt.“ </em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Gelegentlich wird vom Stahlbad gesprochen, durch das Politiker gehen müssten, um das alles zu überstehen. Sicherlich ist es oft nur ein Bad aus Drachenblut, wie es Siegfried im Nibelungenlied nahm. Da war doch dieses Lindenblatt, das sich zwischen seine Achseln legte und ihn verwundbar machte. Es ist manchen zur Gewohnheit geworden, eben diese Stelle zu suchen, hineinzustechen und zu bohren und weiterzubohren, selbst wenn der andere längst am Boden liegt.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><img class="aligncenter size-full wp-image-17496" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/02/Nibelungenlied_manuscript-k.jpg" alt="Nibelungenlied Manuscript-k in Freiheit...und? Was noch, Herr Gauck? - ODER: Im Land der Blutdackel" width="313" height="425" /></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Bei aller berechtigten Kritik, aller verständlichen Wut, der Enttäuschung &#8211; nichts rechtfertigt Auswüchse wie es sie in den vergangenen Monaten bei uns gab. Immer schneller wird der Boden der Tatsachen verlassen und das Gegenüber, dem man in der Regel noch niemals wirklich gegenüber stand, aufs Schlachtfeld gezerrt und ohne jedes Maß verprügelt. Man könnte meinen, irgendwer habe die Revolution ausgerufen und bereits den Guillotinenbausatz „Adieu: liberté, égalité, fraternité“ bestellt. Von responsabilité (Verantwortung) steht da aber auch nichts!</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Natürlich kann man abstruse Thesen und Gerüchte widerlegen, aber Google vergisst sie nicht. Und man muss schon schneller sein als jene, die sich im Irrglauben, die Welt von anderen Sichtweisen befreien zu müssen, in fremde Websites hacken. Dialog unerwünscht. Bei Widerworten gibt&#8217;s aufs Maul!</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Das Recht zur freien Meinungsäußerung ist aber nicht nur einer Gruppe vorbehalten, es ist jedermanns gutes Recht. Blutdackel verpassen anderen gern Maulkörbe. Selbst wenn sich Gauck auf die Seite von Thilo Sarrazin geschlagen hätte, wie es ihm z.B. vorgeworfen wurde, so wäre es ein Akt der Meinungsfreiheit gewesen. Man darf in diesem Land anderer Meinung sein. Das erstaunt immer wieder und erzürnt viele. Man darf auch Falsches verbreiten, wenn man damit keinen Straftatbestand erfüllt. Verkürzte Zitate sind keine Straftat und wenn sie es wären, man würde sie nicht ahnden, denn wer ahndet, wird gehackt oder tritt damit den nächsten Shitstorm los.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Den Scheißestürmern geht es <em>auch</em> um die Wahrheit. Nicht zu unterschätzen: Die Lust an der Macht, der Spaßfaktor, und die Verlockung, Politik zum eigenen Vorteil zu machen, dem Dackeldasein zu entkommen und in die Königspudelklasse aufzusteigen. So stürmt man vor allem gegen politische Gegner. Fälle, in denen gegen eigene Leute gestormed wurde, sind selten. Genau da liegt der Bluthund begraben, man ist auf einem Augen blind und hackt seinem Bruder keines aus, als wäre man unter Engeln.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Sie wollten einen Gott und bekommen einen Gauck.</span></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-17501" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/02/Joachim-Gauck-by-Michael-Lucan-2.jpg" alt="Joachim-Gauck-by-Michael-Lucan-2 in Freiheit...und? Was noch, Herr Gauck? - ODER: Im Land der Blutdackel" width="500" height="385" /></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Gauck wird kommen, zu präsidieren und zu reden, zu reden und zu reden. Wir werden eine ordnungsgemäße Wahl erleben, dann wird es ernst, und wenn wir kurz den Ton abstellen, werden wir keinen Unterschied zu einer Gedenkfeier anlässlich eines Amoklaufs feststellen. Trostlos und Grau in Grau wird alles sein. Dabei gäbe es einiges zu feiern, an diesem 18. März: 164 Jahre Märzrevolution und den 22. Jahrestag der ersten freien Volkskammerwahlen in der DDR. Daran wird Gauck erinnern und wir schalten den Ton gleich wieder an, denn wir wollen ja hören, was der kluge Mann aus dem Osten zu sagen hat, dass er sich geehrt fühlt, er, der zwei Diktaturen erlebte, dass ausgerechnet er, heute, hier&#8230; Es darf uns feierlich zumute werden. Und wenn er dann von Freiheit spricht, die wir doch haben und leben, nicken wir vielleicht und vielleicht nicken wir ein, weil wir das alles schon von ihm kennen.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Zwischenapplaus klatscht uns wach. Schon wieder redet er von der Freiheit. Den Teil mit der Verantwortung haben wir verschlafen. Mal wieder.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #999999;"><strong>♺</strong></span></p>
<pre style="text-align: right;"><span style="color: #999999;"><strong></strong>22/02/2012</span></pre>
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		<title>»Gerhard Richter Panorama« in Berlin</title>
		<link>http://matthias-schumacher.com/2012/02/09/gerhard-richter-80-geburtstag-panorama-in-berlin-neue-nationalgalerie/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 12:14:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Februar 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Richter]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Malerei]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Nationalgalerie]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Bild und weniger als 1000 Wörter: Matthias Schumacher über den Maler, Fotografen und Bildhauer Gerhard Richter und eine der beachtenswertesten Ausstellungen 2012. Gerhard Richter Lesende, 1994 72 x 102 cm, Öl auf Leinwand San Francisco Museum of Modern Art © Gerhard Richter, 2012 . Hätte die Werbung ihn nicht 1921 erfunden, müsste es diesen Satz spätestens seit [...]]]></description>
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<p style="text-align: left;"><em>Ein Bild und weniger als 1000 Wörter: Matthias Schumacher über den Maler, Fotografen und Bildhauer Gerhard Richter und eine der beachtenswertesten Ausstellungen 2012.</em></p>
<p style="text-align: left;"><img class="alignnone size-full wp-image-17370" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/02/Gerhard-Richter-Lesende.jpg" alt="Gerhard-Richter-Lesende in »Gerhard Richter Panorama« in Berlin" width="500" height="350" /></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #999999;"><em>Gerhard Richter Lesende, 1994 72 x 102 cm, </em><em>Öl auf Leinwand San Francisco<br />
Museum of Modern Art </em><em>© Gerhard Richter, 2012</em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><span style="color: #ffffff;">.</span><br />
Hätte die Werbung ihn nicht 1921 erfunden, müsste es diesen Satz spätestens seit Gerhard Richter geben. „One Look is Worth A Thousand Words“, woraus bald „ein Bild sagt mehr als Tausend Worte“ wurde. Dass einige Print- und Onlinemedien den Künstler zu dessen 80. Geburtstag dennoch mit weit mehr Wörtern ehren, ist in Richters Fall verzeihlich und verständlich, denn ein Journalist ist kein Maler und kann mit seinem Schwarz auf Weiß kaum beschreiben, was ein Gerhard Richter mit allem Licht und aller Farbe dieser Welt erschafft.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Sein Name ist Superlativ, Prädikat, Marke. Wie Picasso, Mozart, Dali, Chaplin, Warhol bis hin zu einem Michael Jackson. Meister ihres Fachs. Jeder weiß, wofür sie stehen und dass auch bei extremen Wandlungen immer ein Kern bleibt. Vieles bewegt, auch wenn wir es nicht verstehen, wenn wir nicht wissen <em>wie</em>, manchmal nur ahnen <em>was</em> &#8211; oder es einfach nur schön ist, verwirrt, verwundert. Sobald es berührt, ist es Kunst. Ums Verstehen geht es nicht. Kunst soll anregen, nicht belehren, keine Fakten schaffen, sondern Räume, die uns einladen, die ein Angebot sind; Wege, Tore, Schlüssel- und Schlupflöcher nach Überall oder Nirgendwo &#8230;</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">&#8230; oder nach Dresden, Düsseldorf, New York oder zu den vielen anderen Stationen im Leben eines Kreativen, dem das Museum of Modern Art vor zehn Jahren eine bildgewaltige Ausstellung widmete; der die Südquerfenster des Kölner Doms neu gestaltete, dessen Arbeiten auf Auktionen bis zu 15 Mio. Euro erzielen, der den Fotorealismus beherrscht und das romantische Zitat nicht scheut, der so viel kann, probiert hat und dabei immer Gerhard Richter blieb, indes andere ihren Kern für den Kommerz bis zur Unkenntlichkeit zerschmolzen.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Vom 12. Februar bis zum 13. Mai zeigt die Neue Nationalgalerie Berlin das <strong>Gerhard Richter Panorama </strong>mit rund 140 Gemälden und 5 Skulpturen aus dem Œuvres des Künstlers, erstmals umrahmt durch die Version I seiner abstrakten Arbeit <em>4900 Farben</em>. Beachtenswert, spektakulär und nicht nur für ausgewiesene Kunstfreunde. Zeitgleich präsentiert die Alte Nationalgalerie den Zyklus <strong>18. Oktober 1977</strong> mit 15 eindringlichen Bildern zum Deutschen Herbst, darunter das Werk <em>Decke</em>, das ursprünglich die in ihrer Gefängniszelle erhängte RAF-Terroristin Gudrun Ensslin zeigte, aber später von Richter mit weißer Farbe übermalt und hierdurch zur Decke des Vergessens wurde.<br />
Starke Symbolik eines großen Meisters.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Deutschland feiert ihn, einen von uns. Mancher ist kurz davor, das Wörtchen Stolz in den Mund zu nehmen. Die Kanzlerin hat ihn empfangen, der Bundestagspräsident und so ziemlich jeder, der Wert darauf legt, etwas zu sagen und Gehör zu finden, gratulierte druckreif. Man umgibt sich gern mit diesem Künstler von internationalem Ruf und genießt es, mit ihm im einem Zug genannt zu werden. Das ist gut, weise, so soll es sein. Gerhard Richter brachte es vor einigen Jahren auf den Punkt: «Nachdem es keine Priester und Philosophen mehr gibt, sind die Künstler die wichtigsten Leute auf der Welt.»</span></p>
<p><span style="color: #999999;"><strong>♺</strong></span></p>
<p><strong>Linktipp</strong>: <a href="http://www.gerhardrichterinberlin.org">www.gerhardrichterinberlin.org</a></p>
<pre style="text-align: right;"><span style="color: #999999;"> 09/02/2012</span></pre>
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		</item>
		<item>
		<title>TV-Premiere von &#8220;Gottschalk Live&#8221; &#8211; Einer flog übers Wohnzimmer</title>
		<link>http://matthias-schumacher.com/2012/01/24/thomas-gottschalk-live-einer-flog-ubers-wohnzimmer/</link>
		<comments>http://matthias-schumacher.com/2012/01/24/thomas-gottschalk-live-einer-flog-ubers-wohnzimmer/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 15:05:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Januar 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Gottschalk]]></category>

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		<description><![CDATA[Während Berlin noch einen Nachfolger für Marx und Engels (Bronze, 385 cm) am gleichnamigen Forum sucht, hat am gestrigen Abend Thomas Gottschalk (Entertainer, 192 cm) geradezu darum gebettelt, als neues Mahnmal für gescheiterte Visionen in die Geschichte eingehen zu dürfen. Eine teils tiefenpsychologische Analyse von Matthias Schumacher.   Der amerikanische Weg, ein deutscher Albtraum Heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Während Berlin noch einen Nachfolger für Marx und Engels (Bronze, 385 cm) am gleichnamigen Forum sucht, hat am gestrigen Abend Thomas Gottschalk (Entertainer, 192 cm) geradezu darum gebettelt, als neues Mahnmal für gescheiterte Visionen in die Geschichte eingehen zu dürfen.<em><br />
Eine teils tiefenpsychologische Analyse von Matthias Schumacher.</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-17143" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/01/Gottschalk-live-Screenshot-ARD.de_.jpg" alt="Gottschalk-live-Screenshot-ARD De in TV-Premiere von Gottschalk Live - Einer flog übers Wohnzimmer" width="500" height="296" /> </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong style="text-align: left;">Der amerikanische Weg, ein deutscher Albtraum</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Heute analysieren Medienexperten und Journalisten, was da alles schief lief an diesem Montagabend, doch das Gesehene gehört in die Hände des Psychologen. Als familiär vorgeprägter Laie übernehme ich diesen Part sehr gern und unentgeltlich. Nachdem mein Großvater aus dem Zweiten Weltkrieg und amerikanischer Gefangenschaft heimgekehrt war, warf er sich auf Familienfeiern nach ein paar Gläsern Schnaps hinters Sofa und fühlte sich wieder im Krieg. Wenn Thomas Gottschalk von Malibu nach Deutschland kommt, hebt er ab und fühlt sich in seinem Wohnzimmer-Studio wie Letterman mit Flüüüügeln. Übermoderator im Himmel über Berlin und TV-Deutschland &#8211; inklusive WLAN.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Nun hat Gottschalk nicht etwa mit dieser kleinen Macke, sondern allein mit seinem Namen zehnmal mehr Zuschauer vor die Bildschirme gelockt als Harald Schmidt (dem anderen mit Morbus Letterman). Vorschusslorbeeren von 4,34 Millionen Neugierigen. Eine Zahl, die nichts sagt. Enscheidend für die Zukunft des Formats werden die nächsten Wochen sein. Eine Bewährungsfrist, die ihm gewährt werden muss und heutzutage viel zu selten gewährt wird. Wochen, in denen Thomas Gottschalk in sich gehen und mental allmählich in Deutschland eintrudeln sollte.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Die heftig kritisierten drei Werbepausen in den letzten Minuten vor der Unterbrechung für das <em>Wetter im Ersten</em> hätten kaum ein Problem dargestellt, wenn nicht jener Gottschalk, der ein Letterman oder Jay Leno des Vorabends sein will, von den Commercial Breaks sichtlich überrascht worden wäre und sie ohne jede Eleganz, Charme und Witz anmoderiert hätte. So schlecht kann das wirklich nur unser Thommy! Der Deutsche, insbesondere der ARD-Zuschauer, hat seine Sehgewohnheiten, doch kann man nahezu alles verkaufen, wenn man es nur appetitlich genug anrichtet. Gottschalk aber hat sich auf unappetitlichste Weise hingerichtet.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Auf Du und Du mit Knäckebrot</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Mit gespielter Leichtigkeit ist es dem gealterten Lockenkopf gelungen, das Entertainer-Qualitätssiegel &#8220;Das kann nicht jeder&#8221; in eine undefinierbare Masse zu verwandeln, bei deren Anblick der Zuschauer aufseufzt &#8220;Das könnte ich auch&#8221;. Das Todesurteil jeder Entertainerkompetenz. Social Media wurde versprochen, Sozialphobie geliefert. Ein einziger Facebook-User hat es mit einer lächerlichen Frage an Michael &#8220;Bully&#8221; Herbig in die Sendung geschafft. Soll das die versprochene Interaktion sein? Gottschalk sendete, was von den Zuschauern zurückkam, lief ins Leere.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Gottschalk wirkt fern seines Publikum, zu Hause im Medienzirkus, &#8220;mit den Stars auf Du und Du&#8221;, was man ihm im Grunde nicht vorwerfen darf. Wer über zwei Jahrzehnte Europas größte Liveshow moderierte, kennt eben Nicolas Cage und Vater Klum, Gottschalk daraus einen Strick zu drehen, wäre als würde man einem Backshopbetreiber vorwerfen, seinen Tiefkühlbrötchenlieferanten zu kennen.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Geliefert wurde aber nur Knäckebrot. Dröges noch dazu. Nun wissen wir seit der Premiere von &#8220;Gottschalk Live&#8221;, dass der 61jährige bei Heidi und Seal zu Hause war und letzterer ihn brav &#8220;Herr Gottschalk&#8221; nannte. Gut zwei Stunden später verriet uns Brigitte Nielsen im Dschungelcamp, dass sie einen One Night Stand mit Sean Penn und eine Affäre mit Arnold Schwarzenegger hatte. Wer wohl beim Zuschauer mehr Oho und Aha herausgekitzelte? Brigitte oder Thommy?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Das muss ja nicht sein</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Gleich zu Beginn versprach der Pilawa-Vorgänger, es werde bei &#8220;Gottschalk Live&#8221; nicht gekocht: &#8220;Das muss ja nicht sein.&#8221; Am Ende fragte sich die ganze Fernsehnation, ob denn &#8220;Gottschalk Live&#8221; sein müsse. Vielleicht hätte es Gottschalk besser zu Gesicht gestanden, das Fernsehen hinter sich zu lassen und nur gelegentlich in einer Talkshow aufzuschlagen, um dort den Vorwurf loszuwerden &#8220;Ich hatte damals noch 12, 13, 14 Millionen Zuschauer. Das schafft ja heute keiner mehr!&#8221; Dafür ist es zu spät. Sollte dieses Experiment im Ersten komplett in die Hose gehen, bleibt ihm aber immer noch das Gottschalk-Forum unweit des Roten Rathaus. Da könnte er von seinem Studio am Gendarmenmarkt aus zu Fuß hingehen und sich in Bronze gießen lassen, falls er aber so weitermacht wie am ersten Abend, wohl eher teeren und federn.</span></p>
<div class="mceTemp" style="text-align: left;">
<dl id="attachment_17142" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-full wp-image-17142 alignleft" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/01/Marx-Engels-Forum.jpg" alt="Marx-Engels-Forum in TV-Premiere von Gottschalk Live - Einer flog übers Wohnzimmer" width="500" height="385" /></dt>
<dd class="wp-caption-dd"><span style="color: #000000;">Die ersten haben sich bereits abgewendet.</span></dd>
</dl>
</div>
<p><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<pre style="text-align: right;"> <span style="color: #999999;">24/01/2012</span></pre>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Zum 100. Todestag von Georg Heym: Das Geheul eines Kulturpessimisten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 13:18:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Januar 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Dschungelcamp]]></category>
		<category><![CDATA[Expressionismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauentausch]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Heym]]></category>
		<category><![CDATA[Ich bin ein Star holt mich hier raus]]></category>
		<category><![CDATA[RTL]]></category>
		<category><![CDATA[Zietlow]]></category>

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		<description><![CDATA[Matthias Schumacher gedenkt des Lyrikers Georg Heym und sorgt sich um die Sprachkultur außerhalb des Dschungelcamps. Geheul eines Kulturpessimisten vom Gipfel der Literatur bis in die Niederung der Hämorrhoidalleiden. Ertrunken. Die Nachricht muss die Berliner Künstlerszene wie ein Schlag getroffen haben. Vor 100 Jahren starb einer der bedeutendsten Vertreter des aufblühenden literarischen Expressionismus, Georg Heym, im Alter von [...]]]></description>
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<p><em>Matthias Schumacher gedenkt des Lyrikers Georg Heym und sorgt sich um die Sprachkultur außerhalb des Dschungelcamps. Geheul eines Kulturpessimisten vom Gipfel der Literatur bis in die Niederung der Hämorrhoidalleiden.</em></p>
<p style="text-align: left;"><img class="alignright size-medium wp-image-16742" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/01/Georg_Heym-217x300.jpg" alt="Georg Heym-217x300 in Zum 100. Todestag von Georg Heym: Das Geheul eines Kulturpessimisten" width="190" height="265" /><span style="color: #000000;">Ertrunken. Die Nachricht muss die Berliner Künstlerszene wie ein Schlag getroffen haben. Vor 100 Jahren starb einer der bedeutendsten Vertreter des aufblühenden literarischen Expressionismus, Georg Heym, im Alter von 24 Jahren.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">„Beim Eislaufen auf der Havel brach er ein und ertrank mit seinem Feunde, dem Lyriker cand. phil. Ernst Balcke, am 16. Januar 1912, nachmittags, bei Schwanenwerder; sein Grab ist auf dem Friedhof der Luisengemeinde in Charlottenburg“. So beschreiben die Herausgeber des im Mai 1912 postum erschienenen Gedichtbandes „Umbra Vitae – Nachgelassene Gedichte“ sachlich die Umstände seines Todes.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Georg Heym war der Erste einer Reihe viel zu früh verstorbener Dichter, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine literarische Zeitenwende eingeläutet haben. Er selbst verunglückte, bevor sich eine Nation zweieinhalb Jahre später selbst ins Unglück stürzte und neben Millionen anderen auch viele junge hoffnungsvolle Künstler mit sich riß. Alfred Lichtenstein, Georg Trakl, Robert Jentzsch… Auch Georg Heym hatte sich für eine Offizierslaufbahn entschieden, die Bewilligung seines Eintritts erreichte Berlin allerdings erst nach seinem Tode. Es war nicht sein erster Versuch, diesen Weg einzuschlagen, vielleicht hätte ihm eine frühere Zusage das Leben gerettet. Vorerst. Heym prägt die Lyriker bis heute.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Literatur 2012 &#8211; Von Schnappschüssen zum Grunzen</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Was aber prägt jene, die keine Dichter sind? Was ist ein Jahrhundert nach Georg Heym stilbildend für unsere Sprache? Viele der heutigen Schriftsteller kennzeichnet, genauso zu schreiben, wie ihre Leser sprechen. Literarische Schnappschüsse kommen gut an. Nur sind Schnappschüsse nichts für die Ewigkeit. Nach Jahren wirken sie in der Regel peinlich und man entledigt sich ihrer möglichst unauffällig. Billy Wilder, der Stilikone des Films, wird das Gebot „Du sollst nicht langweilen“ zugeschrieben. Die meisten Autoren folgen diesem Satz. Ungezählte auf die gleiche langweilige Art. Man hat sich auf das Mittelmaß geeinigt. Das tut jedem gleich weh. Mit der Langeweile ist es auch schwierig: Den Intellektuellen langweilt das Platte, den Plattköpfen das Intellektuelle.<br />
Die goldene Mitte ist oft aus Blech.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Auswüchse vorauseilender Niveauabsenkung, von der man sich höhere Auflagen verspricht. Mancher könnte auch anders, aber weder &#8220;könnte&#8221; noch &#8220;anders&#8221; schreibt man große Erfolgschancen zu. Zahllose Romane erwecken den Eindruck, jeder hätte sie schreiben können. Womöglich versucht sich deshalb auch bald jeder als Romanschriftsteller. Doch einem Volk hinterherzuschreiben, das zwischen Geschwätzigkeit und Maulfaulheit schwankt, bringt Literatur und Sprache kaum weiter &#8211; und die Gesellschaft schon gar nicht. Würden wir uns fortan nur noch mit drei Grunztönen verständigen, so liefe die Literatur mit Quieken diesem Trend nach. Vorreiterrolle rückwärts.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Ursachenforschung zwischen <em>Sprachpanschern</em> und <em>Frauentausch</em></strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Voran bringt auch kein <em>Verein Deutsche Sprache</em>, der sich ausgerechnet das Bewahren auf die Fahne geschrieben hat und mit Akribie und Verbissenheit gegen <em>Sprachpanscher</em> zu Felde zieht. Ein Irrsinn wie das Bewahrenwollen der Natur, ohne ihr Luft und Raum für natürlichen Wandel, Sterben und Wiedergeburt zu lassen. Die Sprache wird ihren Beschützern was husten. Man kann sie nicht einsperren. Das haben schon ganz andere versucht. In Diktaturen verzieht sie sich zwischen die Zeilen und sagt dort oft mehr als schwarz auf weiß. Die ehemaligen DDR-Bürger waren Meister im Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Ein Pfund, das sie in der Meinungsfreiheit bald verloren.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Wenn der <em>Auskunftsschalter</em> jetzt <em>Servicepoint</em> heißt, wird es die deutsche Sprache überleben. Es ist vielmehr die Summe der negativen äußeren Einflüsse, die ihr zuschaffen macht, das stete Nagen und Vernachlässigen &#8211; bis sie auf den Kern des Allernotwendigsten geschrumpft ist. Hier ein überflüssiger Anglizismus, da ein bisschen Dativ statt Genitiv, <em>„da werden Sie geholfen“, </em>vielerorts konsequente Kleinschreibung, dort ein Smiley statt ausformulierter Ironie und überall ganz viel Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Angenommen, wir wären nicht dumm und faul, und der <em>Frauentausch</em>-Mutti gelänge es, jede Anspielung der Dschungelcamp-Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zieltlow in ihrer Tiefe und Doppeldeutigkeit zu erfassen, es stünde alles zum Besten. Aber es steht schlecht außerhalb des Camps. Wirklich gut stand es nie&#8230;</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Als Japan im Januar 1932 Shanghai angriff, identifizierte der österreichischer Schriftsteller Karl Kraus das Grundübel in fehlenden Kommas: „<em>Hätten die Leute, die dazu verpflichtet sind, immer darauf geachtet, dass die Beistriche am richtigen Platz stehen, so würde Shanghai nicht brennen.“</em> Wem ein Komma egal ist, dem ist bald alles und jeder egal, wer sprachlich verroht, wird zum Barbar. Verwahrloste Sprache als Symptom.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Und man kann es ruhig aussprechen: Hätten die Dschungelcamper in ihrem Leben besser auf Kommastellungen geachtet, sie wären heute nicht, wo sie sind. Im Fernsehen, beim RTL, vielen zum Ge-, doch einigen zum Missfallen, wie einem Bild.de-User mit dem Pseudonym <em>katholisch</em>, der sich in einem seiner Kommentare wünscht, dass in Deutschland die heilige katholische Kirche „regiert<em>“,</em> und in einem weiteren urteilt:</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>Der niveaulose TV-Konsum vieler Menschen in Deutschland (z.B. &#8220;Das Dschungelcamp&#8221;, &#8220;DSDS&#8221;, &#8220;Bauer sucht Frau&#8221;, &#8220;Schwiegertochter gesucht&#8221;, &#8220;Schwer verliebt&#8221;, &#8220;Frauentausch&#8221; etc.) zeigt deutlich, wie tief unsere Gesellschaft mittlerweile gesunken ist. Die Menschen empfinden offenbar große Freude daran, wenn Menschen öffentlich gedemütigt und bloßgestellt werden. Dieses Voyeurismus-TV ist unchristlich und menschenunwürdig! Noch vor wenigen Jahren hätten sich die Leute geschämt, solche oberpeinlichen und niveaulosen Trash-Formate anzuschauen&#8230;..Mittlerweile jedoch entsprechen diese &#8211; leider! &#8211; der medialen Normalität. Es ist schlecht bestellt um unsere Gesellschaft, die ihre Werte und ihr Bildungsniveau immer weiter abschafft! Armes Land! </em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Apropos!<strong></strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Medien 2.0 &#8211; Wie wir ärmer werden und reicher würden</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Gerade die Auswirkungen des Zusammenspiels von Medien und Internet muss fatal genannt werden. Fatal, nicht weil es ein Zusammenspiel gibt, sondern weil es falsch angegangen wird und fatale Auswirkungen hat. Die Anpassung des Zeitungsstils an den Stil, der in sozialen Netzwerken wie Facebook gepflegt wird, schreitet schnell voran. Man möchte den schnellen Klick &#8211; und so glaubt man, sich anpassen zu müssen, an die, die klicken sollen. Das funktioniert einigermaßen. Wer aber den Facebookstil unterbietet, wird von noch mehr Menschen verstanden. Die Versuchung ist groß.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Auf der Strecke bleibt die Sprache. Nicht wenige Zeitungsartikel (Print wie Online, denn der Stil bleibt ja nicht im Netz) lesen sich heute wie Kommentare in sozialen Netzwerken. Sätze sind auf SMS- sprich Tweetlänge zu beschränken. Man schreibt auch hier, wie die Menschen reden. Alle sollen es auf Anhieb verstehen, alle sollen klicken. Der Kommerz bestimmt, wie wir sprechen.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Irgendwann, es ist noch gar nicht lange her, haben die Journalisten, Autoren, Dichter, Schriftsteller die Elfenbeintürme verlassen. Wer hätte gedacht, dass man so schnell im Erdgeschoss landen kann! Augenhöhe mit dem Leser. Das Fernsehen ist schon im Keller. Das Radio dudelt brav die größten Hits.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Was hindert uns, ein höheres Niveau im Schriftlichen als in der Alltagssprache anzustreben? Wir könnten, wären viele nicht zu dumm und zu faul, beides haben. 1+1 macht 2. Wären wir nicht reicher?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Man muss kein Fatalist und Kulturpessimist sein, um sich zu sorgen und missmutigen Blickes in die Zukunft unserer Sprache zu schauen. Es genügt ein waches Auge und ein bisschen Menschenkenntnis.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Mit Hämorrhoiden ins nächste Jahrhundert</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Georg Heyms Grab wurde 1942 nach Ablauf der Liegefrist eingeebnet und vor drei Jahren von einem kleinen Verehrerkreis wieder hergestellt. Niemand kann sagen, wie nachfolgende Generationen die Hämorrhoidengeschichten einer Charlotte Roche einordnen und ob sich Menschen zusammenfinden werden, die der großen Bestsellerschreiberin 100 Jahre nach ihrem Tode gedenken. Hämorrhoiden sind allemal ein zeitloses Problem. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Jeder Autor muss für sich allein über den eigenen Anspruch entscheiden, muss wissen, was er will und was er der Nachwelt hinterlassen möchte. Doch lasst Euch sagen, Ihr Gefälligkeitsautoren, mit Banknoten kann man sich kein Ticket zur Unsterblichkeit kaufen!</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Linktipp:<br />
</strong>Georg Heym im <a title="gutenberg.spiegel.de" href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/273" target="_blank">Projekt Gutenberg</a> - u.a. mit seinem letzten Gedicht <em><a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/2980/53">Die Messe</a></em>, das er am Tag vor seinem Tod verfasste.</span></p>
<pre style="text-align: right;"><span style="color: #999999;">16/01/2012</span></pre>
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		<title>Machtwechsel</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 17:44:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Januar 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst hat die Presse so lange mit Volkes Meinung auf Politiker eingedroschen, bis die Politiker sie annahmen. Nun drischt die Presse so lange mit ihrer Meinung über Politiker aufs Volk ein, bis das Volk sie übernimmt. ♺ 07/01/2012]]></description>
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<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Erst hat die Presse so lange mit Volkes Meinung auf Politiker eingedroschen, bis die Politiker sie annahmen.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Nun drischt die Presse so lange mit ihrer Meinung über Politiker aufs Volk ein, bis das Volk sie übernimmt.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺<br />
</span></p>
<pre style="text-align: center;"><span style="color: #999999; text-align: right;">07/01/2012</span></pre>
<p style="text-align: center;">
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		<title>WULFF-SHOW IM QUOTENHOCH oder EINE FRAU WIE BETTINA</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 14:12:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Januar 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Deppendorf]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Schausten]]></category>
		<category><![CDATA[Wulff]]></category>

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		<description><![CDATA[Über 11 Mio. Menschen sahen am Mittwochabend die neue Show mit Christian Wulff, dem menschlichsten Menschen von allen, der bisher weder als gewiefter Fragensteller, noch als geschickter Anrufbeantworterbesprecher in Erscheinung getreten war. Damit schlägt der amtierende Bundespräsident die zu Recht vergessene Präsidentengattin-Kochshow &#8220;Zu Gast bei Christiane Herzog&#8221;. Lang haben die Anstalten keine ernsthaften Versuche einer [...]]]></description>
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<p><img class="alignnone size-full wp-image-16450" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2012/01/Bundespräsident-Wulff1.jpg" alt="Bundespr Sident-Wulff1 in WULFF-SHOW IM QUOTENHOCH oder EINE FRAU WIE BETTINA" width="500" height="268" /></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Über 11 Mio. Menschen sahen am Mittwochabend die neue Show mit Christian Wulff, dem menschlichsten Menschen von allen, der bisher weder als gewiefter Fragensteller, noch als geschickter Anrufbeantworterbesprecher in Erscheinung getreten war. Damit schlägt der amtierende Bundespräsident die zu Recht vergessene Präsidentengattin-Kochshow &#8220;Zu Gast bei Christiane Herzog&#8221;. Lang haben die Anstalten keine ernsthaften Versuche einer Unterhaltungssendung rund ums Schloß Bellevue mehr gewagt, umso mutiger nun dieser Schritt und umso überraschender der Erfolg des Steinzeitformats.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Der von Wulff mit dem Staatsfernsehen (<a title="stefan-niggemeier.de" href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wie-die-privatsender-einmal-fast-ihrer-informationspflicht-nachgekommen-waeren/">unter Ausschluss der Privaten</a>) erreichte Marktanteil betrug beachtliche 33,9 Prozent. In der relevanten Zielgruppe der 14- bis 49jährigen waren es 17,6 Prozent. Die Pilotfolge &#8220;Weihnachtsansprache&#8221;, die Wulff zwar vor Publikum, aber stocksteif am Teleprompter klebend und ohne Gesprächspartner bestritt, sahen am 25. Dezember lediglich 7 Millionen Zuschauer. Die Sender reagierten zügig, entfernten die abwesend wirkenden &#8220;Bürger&#8221; und deren quäkenden Bürgerbabys und engagierten für die erste reguläre Sendung zwei am Boden der Tatsache festgeketteten Klappmaulpuppen als Sidekicks, die sich als eloquente Stichwortgeber bewährten:</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Bettina Schausten und Ulrich Deppendorf.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Namensgebung und Gebaren erinnerten freilich an einen Herrn (Uli) von Bödefeld oder Graf Zahl &#8211; mit einem Schuss Waldorf und Statler. Dennoch dürfte sich der nach seinen Fehlgriffen mit Manuel Andrack und Oliver Pocher angeschlagene Harald Schmidt bereits nach diesen ferngesteuerten Strohpuppen verzehren, die gleichermaßen gekonnt Kompetenz und mit dem Kugelschreiber spielen. Allerdings merkte man den beiden noch zu oft an, dass sie ihr Wissen allein aus den Medien hatten, zeitweise wirkten sie sehr behäbig. Hier darf eine Kooperation mit den Kinderkanal unter fachlicher Anleitung durch Bernd das Brot angeregt werden.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Deppendorf, der dem TV-Publikum über die Jahrtausende ans Herz gewachsen ist und vor allem durch seine innere und äußere Schnauzbärtigkeit bekannt wurde, ist trotz notorischer Emotionslosigkeit ein Volltreffer, über den Wikipedia ungewöhnlich Relevantes weiß: &#8220;Er mag klassische Musik, spielt gerne Tennis und reist gern.&#8221;</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Bettina Schausten, die Politbarometerbalkendiagrammversteherin, <a title="sueddeutsche.de" href="http://www.sueddeutsche.de/medien/wulff-im-zdf-sommerinterview-hinter-ihm-die-see-1.1121811" target="_blank"><span style="color: #000000;">die offenbar auch gern reist und auf Steuer- und Gebührenzahlerkosten im letzten Sommer mindestens einen Tag mit Christian Wulff auf Norderney verbrachte</span></a>. Bei der bislang ungeklärten Übernachtungsfrage lief Wulff zu beinah gottschalkscher Spontaneität auf. Noch zuvor beklagte Gastgeber Wulff die Freiheit des Pöbels im Internet &#8220;was da über meine Frau (Bettina) alles verbreitet wird an Fantasien.&#8221; Nun erfuhr die Öffentlichkeit durch das unfreie Fernsehen, was Bettina (Schausten) für eine Frau ist. Sie ist keine, die sich für eine Nacht bezahlen lässt, sondern eine, die für eine Nacht bezahlt. 150 Euro.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/d2IymCuxmjQ" frameborder="0" width="500" height="284"></iframe></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Niemand hätte bis zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass sie Freunde hat. Besonders hervorgetan hat sich Schausten allerdings durch die Schöpfung eines neuen <a title="wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pleonasmus" target="_blank"><span style="color: #000000;">Pleonasmus</span></a> (nasser Regen, alter Greis, großer Riese), als sie von &#8220;scheibchenweiser Salamitaktik&#8221; sprach, was das Feuilleton bei der Rezension dieser hervorragenden Sendung bislang ungewürdigt ließ.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Man muss den Verantwortlichen gratulieren. Sie haben Christian Wulff zum Singen gebracht. Leider war es die alte Leier. Womöglich gar die Wahrheit. Ging es um die Wahrheit oder um ein Spektakel, eine Show, eine <em>Vor</em>führung?<br />
Worum ging es noch gleich? War was?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Solch ein Präsidentenjodeln ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik, nur zu erreichen, wenn zwei ganz ganz exklusiv unser Staatsoberhaupt bei <span style="color: #808080;"><del datetime="2012-01-05T20:11:50+00:00">den Eiern</del></span> der Ehre packen &#8211; und nicht etwa, wenn ganz Mediendeutschland tagelang darauf eindrischt. Nicht zu vergleichen mit der Causa Walter Scheel. Der trällerte &#8220;Hoch auf dem gelben Wagen&#8221; bevor er ins Amt der Ämter geriet. Wessen Wagen das war, wer ihn bezahlte und warum, ob er damit Fahrerflucht beging und wer neben ihm saß, dazu schweigt Scheel bis heute. Droht hier die nächste Krise der FDP?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Auch wenn von Wulff, Schausten und Deppendorf inhaltlich wenig Neues geboten wurde, war es doch beste Unterhaltung zur Primetime. Noch ein bisschen Musik, mehr flotte Sprüche &#8211; und Bohlen kann sich warm anziehen. Schade, dass die Öffentlich-Rechtlichen kein Telefonvoting für die Wulff-Show vorgesehen hatten. Angesichts der anderen beiden Kandidaten käme Christian, der präsidiale Kermit, der Froschkönig, garantiert in die Top 3-Show. Er würde ja auch ständig für sich selbst anrufen. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Aber auch <a title="focus.de" href="http://www.focus.de/politik/deutschland/umfrage-der-ard-nach-fernsehinterview-mehr-als-die-haelfte-der-deutschen-will-wulff-eine-zweite-chance-geben_aid_699852.html" target="_blank">die Mehrheit der Bevölkerung steht noch immer hinter ihm</a>, <strong>obwohl</strong> Kai Diekmann und die übrigen BILD-Macher offensichtlich einmal erleben wollen, wie es sich anfühlt, einen Bundespräsidenten zu stürzen. Sie arbeiten wacker daran. Und wenn er stürzt? Fällt er durch BILD oder über die eigene Ungeschicklichkeit, Dummheit, Dreistigkeit? Womit könnten wir besser leben?</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Den permanent unzufriedenen und immer lauter werdenenden Stimmen, die nach diesem &#8220;Interview&#8221; mehr fordern, sei zugerufen: Es war doch nur Fernsehen, nur Kasperltheater! Sie sollten besser der Frage nachgehen, woher die Million kam, die das ZDF am selben Abend <a title="zdf.de" href="http://million.zdf.de/ZDFde/inhalt/22/0,1872,8108374,00.html?dr=1"><span style="color: #000000;">retten lassen</span></a> wollte.</span></p>
<p><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #999999;">05/01/2012<br />
(mit Updates)</span></p>
<p style="text-align: left;">
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		<title>Johannes Heesters &#8211; Profi bis zuletzt</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 20:12:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dezember 2011]]></category>
		<category><![CDATA[gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Heesters]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit 108 geht man leise. Doch ein Profi wie Johannes Heesters geht trotzdem mit einem Knall. Der muss sitzen. Auf den Punkt. Einer wie Heesters geht nicht, bevor die TV-Jahresrückblicke abgedreht und versendet sind, wo man ihn doch nur zusammen mit all den anderen großen Toten des Jahres in einer Minute durchgehechelt hätte. 108 Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-16386 aligncenter" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2011/12/Johannes-Heesters.jpg" alt="Johannes-Heesters in Johannes Heesters - Profi bis zuletzt" width="360" height="450" /></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Mit 108 geht man leise. Doch ein Profi wie Johannes Heesters geht trotzdem mit einem Knall. Der muss sitzen. Auf den Punkt. Einer wie Heesters geht nicht, bevor die TV-Jahresrückblicke abgedreht und versendet sind, wo man ihn doch nur zusammen mit all den anderen großen Toten des Jahres in einer Minute durchgehechelt hätte. 108 Jahre in drei Bildern, ein paar Tönen.<br />
Nichts für eine Ausnahmeerscheinung!</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Einer wie Jopie geht für sich, kündigt sein Fortgehen zaghaft an, damit die Journaille all die längst verfassten Nachrufe noch mal aufpolieren kann &#8211; und dann lässt er sie zappeln, baut Spannung auf.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Und wenn er geht, dann an einem Tag wie diesem. Einem Heiligen Abend, wo sonst nicht viel passiert auf der Welt. Wo die Medien froh sind über jede Meldung, die zwar wichtig ist, aber nicht so viel Arbeit macht. Wo die Notbesetzung Fertiges aus der Schublade ziehen kann und nur eine Zeile wie <a href="http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,764613,00.html"><span style="color: #000000;">Spiegel Online</span></a> darunter setzen muss, um Aktualität zu schaffen: &#8221;Am Heiligen Abend starb Johannes Heesters im Alter von 108 Jahren in Starnberg.&#8221; An einem solchen Abend hat er, der Star, die Bühne für sich allein.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">So ist das Geschäft. Das kannte Johannes Heesters wie kein Zweiter. Das hat sich rumgesprochen. Bis nach ganz oben. Vielleicht stand in der Einladungs-SMS: &#8220;Am 24./25.12. feiert mein lieber Sohn mal wieder Geburtstag. Partytime! Wie gehabt im Himmel. Jopie tritt auf. LG Gott :-)&#8221; Viel Vergnügen!<br />
</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;"><br />
<span style="color: #999999;">♺♺</span></span></p>
<p style="text-align: left;">
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		<title>BEIWERK DES JAHRES</title>
		<link>http://matthias-schumacher.com/2011/12/22/matthias-schumacher-2011-beiwerk-des-jahres/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 12:43:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dezember 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Rückblick aufs Jahr &#8211; Blick ins Notizbuch&#8230; Bloß kein Jahresrückblick! (13 Notizen aus 12 Monaten. In aller Kürze.) ♺♺ ♺ Kunst ist, sich ohne jeden Background in den Vordergrund zu spielen. ♺ Mehrheitsfähigkeit ist meist ein verhältnismäßig rasch schwindendes Vergnügen. ♺ Als Bergsteiger sehe ich mit Staunen, wie viele zum Gipfel möchten, ohne etwas dafür [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p style="text-align: center;"><em><img src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2011/04/blogbi.jpg" alt="Blogbi in BEIWERK DES JAHRES" width="500" height="138" /><span style="color: #000000;">Rückblick aufs Jahr &#8211; Blick ins Notizbuch&#8230; Bloß kein Jahresrückblick!</span></em></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;"><em>(13 Notizen aus 12 Monaten. In aller Kürze.)</em></span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺♺</span><br />
<span style="color: #999999;"> ♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Kunst ist, sich ohne jeden Background in den Vordergrund zu spielen.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Mehrheitsfähigkeit ist meist ein verhältnismäßig rasch schwindendes Vergnügen.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Als Bergsteiger sehe ich mit Staunen, wie viele zum Gipfel möchten, ohne etwas dafür tun zu wollen &#8211; und wie viele schon dort sind, ohne jemals etwas dafür getan zu haben</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Auch mit sicheren Rezepten kann man sich die Finger verbrennen.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Wer die Karre zum laufen bringen will, muss manchmal das Rad neu erfinden.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Die Midlife Crisis beginnt, wenn du hoffst, noch zu erleben, wie deine Haare ergrauen &#8211; und dann noch Haare zu haben.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Künstler arbeiten, um den Tod zu überleben.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Aktionismus schafft nie Beständiges.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Manche müssen erst zurücktreten, damit man erfährt, dass sie regierten.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Ein breiteres Publikum erreicht man nicht mit höherem Niveau.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Wo draufsteht »das geht uns alle an«, ist oft was drin, das keinen interessiert.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Wenn das Ehepaar Tyrannosaurus vor 65 Mio. Jahren seinen Kindern Atommüll hinterlassen hätte, wären mindestens 80.000 Tyrannosaurier-</span><br />
<span style="color: #000000;">Generationen mit der Lagerung beschäftigt gewesen. 1 Mio. Jahre!</span><br />
<span style="color: #000000;">Seit 64. Mio Jahren gibt es keine Tyrannosaurier mehr.</span><br />
<span style="color: #000000;">Und wenn das Ehepaar Mensch heute..?</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Niemand hat sein eigenes Leben.<br />
</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">♺♺♺ </span></p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;"><span style="color: #999999;">© Matthias Schumacher, 2011</span></p>
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		<title>Was DER SPIEGEL falsch machte</title>
		<link>http://matthias-schumacher.com/2011/12/18/christian-wullff-spiegel-der-falsche-praesidentwas-der-spiegel-falsch-machte/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 13:35:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dezember 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>

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		<description><![CDATA[Links das Original (kauf ich nicht). Rechts mein Vorschlag (besser). Christian Wulff, der falsche Bundespräsident? Ach was?! Freuen Sie sich auf die Ausgabe nach Weihnachten, wenn DER SPIEGEL titeln wird: »Heiligabend in diesem Jahr am 24. Dezember!« Vielleicht sogar als Eilmeldung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p style="padding-left: 30px; text-align: center;"><span><span style="color: #ffffff;"><img class="size-full wp-image-16234 alignleft" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2011/12/titel-spiegel-11.jpg" alt="Titel-spiegel-11 in Was DER SPIEGEL falsch machte" width="211" height="278" /><img class="alignleft size-full wp-image-16235" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2011/12/Spiegel-Satire-Matthias-Schumacher-Ronald-Becher.jpg" alt="Spiegel-Satire-Matthias-Schumacher-Ronald-Becher in Was DER SPIEGEL falsch machte" width="221" height="278" /><br />
</span></span><span style="color: #000000;">Links das Original (kauf ich nicht). Rechts mein Vorschlag (besser).</span><br />
<span style="color: #000000;"> Christian Wulff, der falsche Bundespräsident? Ach was?! Freuen Sie sich auf die Ausgabe nach Weihnachten, wenn DER SPIEGEL titeln wird:</span><br />
<span style="color: #000000;"> »Heiligabend in diesem Jahr am 24. Dezember!«</span><br />
<span style="color: #000000;"> Vielleicht sogar als Eilmeldung.</span></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Weiße Weste dringend gesucht!</title>
		<link>http://matthias-schumacher.com/2011/12/15/weisse-weste-dringend-gesucht-1/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 15:48:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dezember 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Lindner]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
		<category><![CDATA[Gottschalk]]></category>
		<category><![CDATA[Oskar Lafontaine]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Döring]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Rösler]]></category>

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		<description><![CDATA[In Tagen der kippelnden Chefsessel steht Matthias Schumacher bereit, doch bei der Suche nach der notwendigen weißen Weste stößt er auf fast vergessene Leichen und muss sich nicht nur den Traum von Boni und Lustreisen abschminken&#8230; Wenn SPIEGEL und BILD ins gleiche Horn stoßen, gilt es, sich flink zu ducken. Dann fliegt Geschirr und rollen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
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<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>In Tagen der kippelnden Chefsessel steht Matthias Schumacher bereit, doch bei der Suche nach der notwendigen weißen Weste stößt er auf fast vergessene Leichen und muss sich nicht nur den Traum von Boni und Lustreisen abschminken&#8230;</em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><img class="size-full wp-image-16070 alignleft" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2011/12/WhiteDupioniSilkVestForMichaelShade-by-Abraxas3d.jpg" alt="WhiteDupioniSilkVestForMichaelShade-by-Abraxas3d in Weiße Weste dringend gesucht!" width="223" height="270" /></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Wenn SPIEGEL und BILD ins gleiche Horn stoßen, gilt es, sich flink zu ducken. Dann fliegt Geschirr und rollen Köpfe. Niemand weiß, wer der Nächste ist. Im Moment hat unser Bundespräsident Christian Wulff ein kleines Problem in Höhe von 500.000 Euro. Wie gut, dass es den nicht mehr lange gibt, den Euro. Bei der FDP hat sich eben Christian Lindner selbst umgekegelt. Nachrücker Patrick Döring zerbrach einen Spiegel. Sieben Jahre Pech! Philipp Rösler wankt. Guido Westerwelle wird in China bereits als Uhrpendel nachgefräst &#8211; drei Fabriken weiter Oskar Lafontaine als Kuckuck, der seinen hochroten Schädel immer rausstreckt, wenn ihn keiner sehen will. Ob Sigmar Gabriel ewig das knuddelige SPD-Maskottchen bleiben darf, wenn Steinbrück Kanzler ist? Bundestrainer stehen immer auf der Abschussliste und Josef Ackermanns Schreibtisch soll unlängst gefilzt worden sein, außerdem bekommt er neuerdings brisante Post. Gottschalks Stelle beim ZDF ist noch immer vakant.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Es ist Zeit, sich zu rüsten. Kann sein, dass wir schon bald ran müssen.<br />
Prüfen Sie ihre Vergangenheit und verschiffen Sie etwaige Stolperfallen unter falschem Namen nach Übersee!</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Vor einigen Tagen stieg ich dorthin, wo (hinter Stahltüren, dicken Schlössern und von Kampfhunden bewacht) ein Großteil meiner dunkelsten Vergangenheit lagert: In den Keller zu den Bücher-, Kram- und Mottenkisten mit den peinlichen Fotoalben und all den verdrängten Corpora Delicti, die nie ans Tageslicht kommen dürfen. Wie der Plastikeisbär, den ich im Alter von 5 Jahren aus dem Kindergarten mitgehen ließ, oder die Klassenarbeiten, die ich Urkundenfälscher anstelle meiner Eltern unterschrieb. Meine allzu offenherzigen Liebesbriefe mit den Zitaten aus fremden Gedichten (ohne Quellenangabe) sind noch immer im Umlauf. Bunga Bunga wäre weniger brisant.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Rechts in den regalen: meine politische Vergangenheit. Ich war links, mit 17 etwa. War mir entfallen. Vor dem 1. Mai klebte ich sogar ein Plakat an eine mobile Toilette. Definitiv Sachbeschädigung. Definitiv verjährt. Dennoch problematisch, weil ich nicht überzeugt und lediglich Mitläufer war. Nie sitzblockierte ich, nie war ich beim Schottern, nie habe ich Wurfanker gebaut. Also keine Aufstiegschancen bei den Grünen oder Linken.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Ich taste mich zu einem Kleidersack. Ein EDEKA-Kittel mit hartnäckigen Blut(wurst)flecken und einem Namensschild, dessen rostige Anstecknadel sich hastig unter meinen Daumennagel schiebt. Düstere Erinnerungen. Mehr als einmal habe ich Gemüse unter Non-Food eingebont und damit die Bilanz verfälscht. Alte Kontoauszüge. Holla! Eine unbezahlte Rechnung, datiert im August &#8217;98. Eine Turnhose aus der Teenagerzeit kommt zum Vorschein&#8230; Wann habe ich die gebraucht? Als einer, der beim Fußball immer als Letzter gewählt wurde, zog ich meine Konsequenzen und schwänzte in den letzten Jahren den Sportunterricht komplett. Etliche Male machte ich blau und simulierte bei diversen Ärzten schwerstes Magen-, Kopf und/oder Gliedergrimmen. Ist das nicht Krankenkassenbetrug? Wie ich mich vor der Bundeswehr drückte, ohne den Zivildienst ableisten zu müssen, darf nie jemand erfahren. Ich würde standrechtlich erschossen! Für eine Karriere auf dem Finanzsektor, auf den Fußball- oder Schlachtfeldern nicht gerade Empfehlungen.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Studium. Große Scheine. Kleine Scheine. Ich habe sie nicht alle beisammen! Ade, Du mein lieb Nachtstudio, mein Philosophisches Quartett!<br />
Mein Vertrag mit der Verwertungsgesellschaft. Ich mag meine Urheberrechte. Lebewohl Piratenpartei!</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Verzweifelte Suche&#8230; Ein Nikki mit Biene Maja, ihr Schöpfer Waldemar Bonsels soll Antisemit gewesen sein; Badehosen mit Löchern an delikaten Stellen. Heino-Kassette, Flippers-Single, Enthaarungscreme. Was hat das Nackfoto aus Säuglingstagen da zu suchen? Das gehört eingeäschert! Wenn das Oliver Geissen oder Beckmann in die Pfoten bekämen, hielten sie es glatt in die Kamera. Ich falle beinah über einen Stapel vergilbter Schmuddelheftchen aus Jugendtagen, die ich damals noch gar nicht besitzen durfte. Gern würde ich kurz darin blättern, um zu erfahren, was mich an diesem frauenverachtenden Schund so ungeheuer faszinierte, doch irgendwas ist mir damals wohl ausgelaufen und hat die Seiten verklebt.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Grauenhaftes Zeug &#8211; alles. Doch ich bin ein wenig beruhigt. Scheint noch alles da zu sein, wo ich&#8217;s vor Jahren zwischenlagerte. Ein geeignetes Endlager habe ich nie gefunden. Alles komplett, puh. Nur keine weiße Weste. Überall Schmutz und Schuld. Ich greife nach irgendwas, um mir die Hände abzuwischen, eine rote Socke, nein ein Halstuch. Meine DDR-Vergangenheit, Urkunden, Bilder vom Pioniertreffen, ich vor einer Thälmann-Büste und neben Marx und Engels. Im Gruppenrat war ich, im Freundschaftsrat. Agitator. Vielleicht könnte ich ja doch noch Bundeskanzlerin werden.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Ich ekle mich vor mir selbst.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Licht aus, nichts wie weg, Tür zu! Ich lasse den Mief der Vergangenheit hinter mir. Ja, ich habe gesündigt und vieles niemals gebeichtet, so wird auch nie für mich in Rom weißer Rauch aufsteigen. Ich bin raus aus der Nummer, aus allen Nummer, wo es schöne Sümmchen, Pensionen, Boni und Lustreisen gibt.<br />
Die Jobs mit den weißen Westen sollten eh besser andere machen.</span><br />
<span style="color: #000000;"> Wie wär&#8217;s mit Ihnen?</span></p>
<p><span style="color: #999999;">♺</span></p>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #999999;">14.+15./12/2011<br />
<span style="color: #ffffff;">. </span></span></p>
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]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Der an den Nippeln zieht &#8211; Mike Krüger zum 60. Geburtstag</title>
		<link>http://matthias-schumacher.com/2011/12/14/mike-krueger-60-geburtstag-der-an-den-nippeln-zieht/</link>
		<comments>http://matthias-schumacher.com/2011/12/14/mike-krueger-60-geburtstag-der-an-den-nippeln-zieht/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 14:24:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schumacher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dezember 2011]]></category>
		<category><![CDATA[60]]></category>
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		<description><![CDATA[Der in Ulm &#8220;auf der Durchreise&#8221; geborene Michael Friedrich Wilhelm Krüger steckte in den letzten 36 Jahren seine Nase in nahezu alle Medienbereiche und hat damit tiefe Spuren und Eindrücke hinterlassen. Ein Lobgesang mit Interpretationen von Matthias Schumacher&#8230; Immer wenn Mike Krüger in der RTL-Comedyrunde &#8220;7 Tage, 7 Köpfe&#8221; von seiner &#8220;fürchterlichen Kindheit&#8221; berichtete, musste ich [...]]]></description>
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<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><em>Der in Ulm &#8220;auf der Durchreise&#8221; geborene Michael Friedrich Wilhelm Krüger steckte in den letzten 36 Jahren seine Nase in nahezu alle Medienbereiche und hat damit tiefe Spuren und Eindrücke hinterlassen.<br />
Ein Lobgesang mit Interpretationen von Matthias Schumacher&#8230;</em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><img class="alignnone size-full wp-image-16141" src="http://matthias-schumacher.com/wp-content/uploads/2011/12/Mike-Krüger-Der-Nippel-1980-Foto-Matthias-Schumacher.jpg" alt="Mike-Kr Ger-Der-Nippel-1980-Foto-Matthias-Schumacher in Der an den Nippeln zieht - Mike Krüger zum 60. Geburtstag" width="500" height="375" /></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Immer wenn Mike Krüger in der RTL-Comedyrunde &#8220;7 Tage, 7 Köpfe&#8221; von seiner &#8220;fürchterlichen Kindheit&#8221; berichtete, musste ich an meine eigene denken. Es war im April 1980 als Mamas Nuckel im Mund abrupt durch Krügers &#8220;Nippel&#8221; im Ohr ersetzt wurde. Ein frühkindliches Trauma. Unter schwersten Symptomen des Saugentzugs leidend, erkannte ich in Anbetracht Krügers ulkig verkleideter Gesellschaftskritik: Das Leben ist voller Widrigkeiten und selbst politisch, wenn es noch so verblödelt daherkommt und dir eine lange Nase macht.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Liedermacher mit Lachnummern</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Bis heute kann kein Deutscher über 35 am Nippel einer Fischkonserve ziehen, ohne vorher eine Lasche und die Kurbel zu suchen, mit der er nach oben gedreht werden muss, bis ein Pfeil erscheint, welcher abschließend zum Draufdrücken auffordert. Mike Krüger hat Deutschland eine Allzweckanleitung fürs Leben geschenkt und sich damit um eine Nation verdient gemacht, die seinen &#8220;Nippel&#8221; verehrt und ganze 26 Wochen in den Single-Charts hielt. Und eben darum ist der, den wir heute feiern, nicht als Blödelbarde, sondern als Liedermacher zu behandeln.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Immer wieder sang er den Menschen aus den Herzen und versteckte seine Botschaften – mehr oder weniger geschickt – in scheinbaren Lachnummern. 1983: &#8220;Freiheit für Grönland&#8221;, ein &#8220;intellektuelles Protestlied&#8221;, wie Krüger es selbst vor Publikum ankündigte. 1984 fordert er in &#8220;Schweine nach Beirut&#8221; unterschwellig zu Hilfslieferungen in den bürgerkriegsgebeutelte Libanon auf und brachte uns sogar den islamischen Teil der Bevölkerung näher: &#8220;Du solltest bringen Schafe, wir hier nix essen Schwein&#8221;.  Ein besonderes Glanzstück servierte Mike Krüger 1986. In seinem &#8220;Spiegelei&#8221; führte er mit der verallgemeinernden Unterstellung &#8220;wir essen so gerne&#8221; sowohl den Papst, den Kaiser von China, Erich Honecker und ganz normale Werktätige an einem (Ess)Tisch zusammen. Vor Gott und beim Spiegelei sind alle gleich.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Schauspieler mit dem Riecher für Brisantes</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Zwischen Fassbinders und Schlöndorffs Filmen steht ebenbürtig &#8220;Piratensender Powerplay&#8221;, in dem Krüger und Gottschalk 1982 als Mike und Tommy den &#8220;bescheuerten&#8221; öfffentlich-rechtlichen Rundfunk aufs Korn nahmen und damit harsche Kritik am herrschenden System übten. Zum ersten Mal wurde Piraterie in der breiten Öffentlichkeit im Zusammenhang mit Medien wahrgenommen. Ein Vierteljahrhundert vor der Gründung der Piratenpartei Deutschland! Es folgten weitere Filme, deren Anspruch und Güte sich mit diesem Frühwerk ohne Weiteres messen lassen können.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Bekannte Fernsehnase </strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Immer wieder holte ihn das Fernsehen und immer wieder schickte es ihn wieder fort. So präsentierte Krüger ab 1986 in der ARD die Samstagabendshow &#8220;Vier gegen Willi&#8221;. Bis zur Absetzung des kontrovers diskutierten Formats im Jahr 1989 bot er dort, was man danach nur noch in ähnlicher Form bei den Privaten zu sehen bekam. Was damals als Bloßstellung der Kandidaten angeprangert wurde, war nur ein Vorgeschmack dessen, was uns hart machen sollte und inzwischen langweilt. Wer zu diesen Zeiten einen Goldhamster besaß und ihn nicht Willi nannte, konnte nur im Tal der Ahnungslosen leben. Die Sendung hatte aber auch ungewollt aufklärerisches Potenzial, denn der zu &#8220;Fünf gegen Willi&#8221; umformulierte Titel sorgte, untermalt von eindeutigen Gesten, auf deutschen Schulhöfen gerade unter pubertären männlichen Teenagern für Lachkrämpfe und manches Oho oder Aha.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Während Rudi Carrell in seiner eigenen Show im Ersten ab 1988 Menschen zusammenführte, war nach jeder &#8220;Vier gegen Willi&#8221;-Folge nicht sicher, ob nicht bald eine Scheidung ins von Krüger leergeräumte Haus der Kandidatenfamilien stehen würde. 1995 holte Carrell, der niemals das Auto eines Kandidaten verschrottet hätte, den ehemaligen Architekturstudenten zu RTL. Krüger behauptete sich als tragende Säule des dreiviertelrunden Komikerstammtischs &#8220;7 Tage, 7 Köpfe&#8221;. Neun Jahre lang stützte er, der während seiner Betonbauerlehrer am neuen Hamburger Elbtunnel mitwirkte, Brücken zwischen Deutschland und Holland, die selbst mit dem Wohnwagen befahrbar sind.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><strong>Langer Zinken, langer Atem</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Krüger ist noch immer gut im Geschäft und regelmäßig im Rateteam der SWR-Sendung &#8220;Sag die Wahrheit&#8221; zu sehen. 2010 erschien die DVD zu seinem letzten Bühnenprogramm &#8220;Is&#8217; das Kunst, oder kann das weg?&#8221; Wenn das keine Gesellschaftskritik ist! Und die Formulierung vom &#8220;letzten Bühnenprogramm&#8221; soll und darf hier nicht als Karriere- oder Lebensende verstanden werden. Obwohl wir ihn gar nicht verdient haben, sind uns noch viele Jahre Krüger zu wünschen. Und Mike Krüger wünschen wir &#8211; dieses Wortspiel muss erlaubt sein – dass er noch lange nicht abnippelt.</span></p>
<p style="text-align: left;"><strong> <iframe src="http://www.youtube.com/embed/mOympMtG5Dk?rel=0" frameborder="0" width="500" height="369"></iframe></strong></p>
<pre style="text-align: right;"><span style="color: #999999;">14/12/2011</span></pre>
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