Author: Matthias Schumacher | Date: 4. März 2021 | Please Comment!

Matthias Schumacher

Ich habe lange mit mir gerungen. Ich hatte es längst für mich beschlossen. Ich war inkonsequent. Ich bin schwach. Millionen Besucher durchstöberten in den vergangenen Jahren die Inhalte dieser Website, an denen ich tage-, manchmal wochen- oder monatelang gearbeitet habe. Millionen Besuchern stand und steht sie gratis zur Verfügung. Immer wieder fragte ich mich „Wieso mache ich das überhaupt?“

Man investiert ja nicht nur Zeit, man investiert über die Jahre auch nicht wenig Geld; und man investiert Zeit, die man hätte nutzen können, um an Projekten zu arbeiten, von denen man hätte leben können. Von dieser Website und all den vielen Lesern kann ich nicht leben. Diese Seite war immer ein Ausstallungsraum, eine Galerie, in der ich zeigte, was ich als Autor leisten kann.

Aber es war auch immer frustrierend, dass meine Werke zwar vielbeachtet, aber kaum als kommerzielles Produkt verstanden wurden. Und das muss jedes Werk sein: ein Produkt (jedenfalls wenn man nicht vor die Hunde gehen will).

Mein Fehler.

Ich hätte auf die Bremse treten können. Doch man möchte schließlich zeigen, was man kann, und man will geliebt werden. Liebe kann man nicht kaufen, aber man konnte und kann manches kaufen, das ich mit Liebe angefertigt habe.

Jede Liebesbeziehung ist de facto am Ende, wenn man feststellt: Der eine nimmt nur, der andere gibt nur. Dieser Zustand hat sich hier manifestiert. Das geht so nicht weiter. Es ist kein Liebesentzug, ich mag mein Publikum natürlich und freue mich tief drinnen auch, wenn etwas nur gratis konsumiert wird. Es ist immer ein kleiner Tod, wenn man für erbrachte Leistungen nicht entlohnt wird. Ja, Sie haben recht, ich hätte es ja nicht machen müssen. Wäre man als Künstler nur nicht oft so irrational und auf Bestätigung und Liebensbekundungen angewiesen – sei es auch nur in der Form eines anonymen Klicks in irgendeiner Websitestatistik. 

Wäre es somit nicht der richtige Weg, einfach weiterzumachen, sich wenigstens etwas zu freuen und sich nicht so anzustellen?

Nein! Nicht für mich. Auf diese vergiftete Freunde, an der man nach und nach innerlich verblutet, kann ich gut verzichten.

Ich möchte meine Zeit, meine Kreativität, meine guten Ideen nicht weiterhin verschenken. Hier und da ein kleines Geschenk, das bekanntlich die Freundschaft erhält: gerne. Doch sich selbst und alles, was einem heilig ist, wieder und wieder zu verschenken, ist kein Lebens- und schon gar kein Geschäftsmodell.

Ich bin leider nicht allein mit diesem Problem, nicht allein mit der Frage: Lieber gratis stattfinden als gar nicht? Ist das der Weg? Wäre ich die Ausnahme, so hätte ich stillschweigend meine Schlüsse gezogen und niemandem wäre aufgefallen, dass diese Website einen langsamen Tod stirbt. Ausnahme? Von wegen! Es scheint die Regel zu werden. Es ist erschreckend, wie viele gute Leute, Talente, namhafte Künstler sich – während ich einen Ausweg suche – genau in dieses Dilemma hineinbegeben. Freiwillig. Ausgerechnet jetzt!

Künstler nagen vielerorts am Hungertuch, wechseln in andere, kunstferne und kunstfeindliche Berufe, weil Staatshilfen ausbleiben. Und anstatt nach Wegen zu suchen, Geld mit der Kunst zu verdienen, mit der Kunst Geld zum Überleben ranzuschaffen, um die Miete zahlen zu können und die Kinder zu versorgen, anstatt Lukratives zu tun, gibt man gratis Livekonzerte, Lesungen und was nicht noch alles. Man ist eben nett und will geliebt werden, man ist dumm und über den gesunden Menschenverstand hinaus opferbereit. Und das Publikum nimmt. Es ist die Umsonstkultur ja gewohnt und diese wird auf selbstlose, nahezu heroische Weise bedient, ja zelebriert. Sogar das Bundesverdienstkreuz soll es schon für gestreamte Gratis-Konzerte in der Pandemie gegeben haben. Mit Verlaub, Herr Präsident, das widert mich an!

Ich mag mich jetzt nicht in Vorwürfen ergehen, da wäre ich selbst eh der beste Adressat. Ich unterstelle aber jedem mindestens eine fatale Gedankenlosigkeit, wenn er etwas als selbstverständlich gratis hinnimmt, das hart erarbeitet wurde. Und ein bisschen Bequemlichkeit und Geiz wird schon auch dabei sein. Nichts ist umsonst auf dieser Welt, und gerade das Schöne, das unsere Seelen zusammenhält, bezahlt der Künstler mit Schweiß, Herzblut und mancher Entbehrung. Das sollte dem Publikum etwas wert sein.

Doch bevor ich hier zur allgemeinen Publikumsbeschimpfung ansetze, bevor ich mit allem und jedem abrechne und am Ende doch nur die fette Null steht, sage ich:

Hashtag #KeineZeileGratis

… und gelegentlich, selten, sehr selten ein Präsent …

So geht’s weiter.
Nur so!

Kurzum: Ich höre auf. Sie werden von mir hören!

Herzlichst,
Matthias Schumacher
alias Hans Heilner



				
					
				
				

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