Author: Matthias Schumacher | Date: 4. Januar 2021 | Please Comment!


Manchmal, selten genug, meint man als Künstler, ganz nah dran an dem zu sein, was die meisten gemeinhin Realität nennen. Dann deckt sich das Werk des Künstlers mit den Beobachtungen und Erfahrungen des Publikums. Ein Idealfall. Manchmal aber, was kaum vorkommt, geschieht irgendetwas, das das Werk im Lauf der Zeit oder ganz plötzlich noch wahrhaftiger werden lässt. Dann darf man fast von einem Wunder sprechen. Aber um Jahre vorher etwas zu beschreiben, das den meisten eines Tages viel zu wahr ist, bedarf es leider oft einer Krise oder Katastrophe.
So ist es mit meinem Gedicht »Dahinter« geschehen. Es war nie eine Dystopie, es war und ist eine Beschreibung des vermeintlich Kleinen.
»Die Straßen sind leer, // als wäre dort nie jemand gewesen«, schrieb ich vor bereits 15 Jahren. Und schon muss ich heute nichts mehr erläutern. Jetzt im Corona-Lockdown-Winter ist es draußen noch menschenleerer als sonst in der kalten Jahreszeit und wir wissen noch weniger, welche Schicksale sich hinter den Fassaden und Fenstern abspielen.
Ich habe mein Gedicht nun eingesprochen. Nicht nur, um es herzuzeigen und hörbar zu machen, vielmehr um ein Band mit jenen zu knüpfen, die gerade jetzt allein zu Hause sind, niemanden haben oder niemanden besuchen oder empfangen können.


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Foto: Thomas Kohler (flickr) (CC BY 2.0)

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