Author: Matthias Schumacher | Date: 25. Juli 2019 | Please Comment!

Die Schreiberstube eingetauscht gegen dies auf meinem Schoß, denn wer fortwährend in sich lauscht, dem schrumpft die Welt zum Kloß. Da tut man gut hinauszufahrn, ein Kloßründchen zu drehn, mittendrin in Menschenscharn das Menschliche zu sehn.
Der geht. Der steht. Der hat kein Bein. Ach, dieser ist ja eine Frau! Und jener würd gern eine sein. Und das da weiß noch nicht genau.
Wie wenig ist doch wahr die Welt, wie vieles Illusion! Und daß da keiner runterfällt, grenzt an ein Wunder schon. Die Welt ist voller Flausen, sie reizt das Füllhorn aus, und man erkennt mit Grausen: Sie ist ein Kartenhaus.
Was brennt, kann nicht bestehen, man hat es oft gesehn. Was stürmt, das wird verwehen, was mitschwimmt, untergehn.
Was hat auf dieser Erde denn dauerhaft Bestand? Wo reicht der Menschenherde die Ewigkeit die Hand? Ein Kloß, der wird verspeist, so will es die Natur – und wenn man ihn bereist, so ist das keine Kur!

Verfasst am 15./16.VI.2004 in Berlin.
© Matthias Schumacher

Comments are closed.