Author: Matthias Schumacher | Date: 11. Juli 2017 | Please Comment!

Der hängt nicht kopfüber in die Arena. Der wechselt nicht für jeden Titel die Klamotten. Keine Hupfdohlen, keine Windmaschine. Stephan Sulke macht’s für heutige Verhältnisse live weit spektakulärer: Er sitzt da, spielt, singt. Und ohne erkennbare Regelmäßigkeit bringt er ein neues Album raus.

2017: „Liebe ist nichts für Anfänger“. 

Acht Jahre sind seit der letzten Produktion vergangen und Sulke, inzwischen 73, klingt wie Sulke ’76. 1976, als es nach Erfolgen in Frankreich und in den USA auch in Deutschland steil bergauf gehen sollte.
Der Wiedererkennungswert ist beachtlich.

Sulke präsentierte sich hierzulande technisch nie als größter Sänger. Das hätte kaum gepasst. Eher ein bisschen nölig, ein bisschen vernuschelt und gehaucht, was er besonders in seinen Balladen gepflegt und kultiviert hat. Mit glattgebügeltem Up-tempo-Mainstream hätte er bequem brave Mitklatscher um sich scharen können. Auf die hatte er es aber nie abgesehen. Sondern auf jene, die wie er auf den Massengeschmack pfeifen und – natürlich – die Liebesgequälten. Angeknackste Herzen kriegt Sulke mit angeknackster Rauchstimmlage, die sich beispielhaft im Song „Ich geb mein Herz nie mehr“ wie ein Tenorsaxophon durch die Notenlinien schlängelt.

Dass er aber Gängiges nicht verlernt hat, beweist er mit dem Vier-Minuten-Quickie „Zwei Fremde in einem fremden Haus“. Radiotauglicher Seitensprung-Deutschpop, der sich nicht verstecken muss. Ein One-Night-Stand mit 73? So what? Why not? Kein Scherz. Auch wenn Sulke nicht immer alles wirklich ernst meint. 

Hier verspielt, dort traurig, da leicht – oder leicht traurig. Der neue alte Sulke ist wie das Leben. Und die Liebe, die wir zu kennen glauben und von der uns Sulke singt, gelingt nicht immer. „Man liebt und entliebt sich // Man hasst und vergibt sich // Und wieder verliebt man sich neu“. Eben: „Liebe ist nichts für Anfänger“.

Momentaufnahmen. Episoden. Keine langen Stories. Angerissenes und Skizzen. Beobachtungen. Witziges und Gewitztes wie in „Ich bin so traurig, Mann oh Mann“. Menschlich große Gefühle in musikalisch kleiner Besetzung. Sulke singt, wie er es sieht, nicht nur in „Eu-Ro-Pa“. Ja, Sulke macht nicht nur in Liebe, er macht sich auch Gedanken. Die sind nicht immer wohltemperiert.

Liebe ist nichts für Anfänger“ ist nicht das Alterswerk eines Künstlers, der auf Bedeutendes und bessere Zeiten zurückschaut. Es ist ein facettenreiches Album im Hier und Jetzt, in das Sulke die gesamte Bandbreite seines Könnens gepackt hat. Sympathisch echt und erdig eingespielt. Gut für alle, die sich gern den vollen Stephan mit „ph“ geben, nicht schlecht für jene, die als Nachbarn mithören müssen, wenn man als Ü40er das „Edelmetallalter“ etwas lauter mitträllert: „Silbersträhnen in den Haaren // Gold, um Zähne zu bewahren…“

Sulke bleibt sein eigenes Genre. Was Sulke macht wie Sulke, kann nur Sulke. Und so sitzt er eben nicht zwischen den Stühlen, sondern – ja – hängt eben doch von der Decke in die Arena, schaut, was da abgeht, und lässt die Löwen nach ihm schnappen. Kommen ja nicht an ihn ran.

„Liebe ist nichts für Anfänger“ ist erschienen bei staatsakt.
und überall erhältlich.

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Rückblick:
Das exklusive Interview von Matthias Schumacher mit Stephan Sulke (2010).

Verfasst am 11.VII.2017.
© Matthias Schumacher

 

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