Author: Matthias Schumacher | Date: 24. Mai 2015 | Please Comment!

Gottschalk by Christliches Medienmagazin pro

Wenn Deutschlands zweitliebster TV-Moderator, Thomas Gottschalk, auf des Deutschen unliebstes Kind, den Rundfunkbeitrag, trifft, kann es nur laut scheppern. Großverdiener sind uns ja per se unsympathisch. Doch wenn die Entlohnung der großen Verdienste vermeintlich ausschließlich aus dem unendlichen Gebührenfluss der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten stammt, ist das offene Fass längst zur Büchse der Pandora geworden. Wir mögen es nicht, wenn sich einer die Taschen vollschlägt. Mit Recht. Denn 17,50 Euro Gebühren im Monat sind viel. Sehr viel. Fast so viel wie 60 Cent mehr pro Tankfüllung. Oder 2 Cent mehr pro Kilowattstunde. Gefühlt jedenfalls. Da springt uns vor Wut der Knopf von der Hose.

Und wenn, wie nun ans Licht kam, einem einzigen Gottschalk nach dem Einstampfen eines erfolglosen Vorabendformats 2,7 Mio. Euro hinterher geworfen worden sein sollen, läuft die Nation Sturm und Amok. Ja, ging das denn alles mit rechten Dingen zu? Falls ja, ist es auch richtig? Moral gegen Recht. Die besondere Verantwortung Medienschaffender, die Vorbildfunktion nicht außer Acht gelassen. Mütter in Gottschalks Nachbarschaft im Berliner Prenzlauer Berg hörte man schon vereinzelt ihre Jüngsten anschreien: „Geh nicht zu fremden Leuten ins Fernsehen und lass die Finger von so viel Geld, das beult die Taschen aus!“ Aber wie voll sind Gottschalks Designertaschen denn wirklich und wie arm sind wir durch ihn geworden?

Thomas Gottschalk ist reich. Nicht so reich wie Bill Gates, aber irgendwie doch reich. Bill Gates hat aber was dafür getan. Gottschalk hingegen hat nur gelabert und sein Publikum ein Leben lang zu unterhalten versucht. Das ist recht diffus und schwer in Werte, Euro und Cent zu fassen. Da gibt es keine festen Stundensätze oder Tariflöhne. Man nimmt, was man kriegen kann. Einigen wird uns darauf, dass Thomas Gottschalk ein Vielfaches von dem besitzt, was die meisten von uns auf dem Konto haben, wenn auch kein Sehrvielfaches – wie Bill Gates. Gottschalk ist reich. Punkt. Wie reich genau, weiß nur Thomas Gottschalk. Sein Vermögen stammt aus TV- und Filmgagen, Firmenbeteiligungen, Werbeverträgen, Gala- und Event-Moderationen und wahrscheinlich aus so ziemlich allem, womit man sich seinen quasi unbezahlbaren Bekanntheitsgrad vergolden lassen kann. Dann arbeitet das Geld los, verselbstständigt sich und der Reichtum ist nur noch mit Scheidungen und Ostimmobilien aufzuhalten.

Otto Gebührenzahler sieht vor allem seinen geleisteten Zwangsbeitrag am gefühlt unermesslichen Reichtum der TV-Ikone. Tun wir mal etwas, das uns komplett gegen den Strich geht, seien wir doch mal großzügig. Nein? In der Theorie wenigstens? Okay.

Kolportiert werden 100.000 Euro pro Moderation von „Wetten dass..?“ Machte bei durchschnittlich sechs Ausgaben im Jahr, richtig, 600.000. Dann legen wir noch was drauf für weitere Formate wie „Na sowas!“ und noch einiges mehr, weil wir großzügig sein wollen. Sagen wir frei Schnauze 2 Millionen pro Jahr durch Gottschalks Tätigkeit bei den Öffentlich-Rechtlichen. Das ist hochgegriffen.

Nun machen wir es uns mildmädcheneinfach. 2 Millionen im Jahr, ganz gleich, ob Euro oder DM, ARD oder ZDF, Radio oder TV, macht geteilt durch rund¹ 40 Millionen Gebührenzahler im Jahr die stolze Summe von 0,05 Euro. Fünf Cent, die Gottschalk jeden Einzelnen von uns gekostet haben könnte. Reine Hypothese. Können ebenso gut nur 3 Cent gewesen sein. Das Ganze nehmen wir mal 30 Jahre und kommen auf stattliche 1,50 Euro. Keine 2 Euro hat uns, den einzelnen kleinen, sich immer minderwertig und machtlos fühlenden Gebührenzahler, die komplette Karriere von Thomas Gottschalk gekostet.

Doch was ist mit diesen 2,7 Mio. Euro nach dem Aus von „Gottschalk Live“? Sollen die etwa auch schon eingerechnet sein? Die Unsumme schlüge 2012 je Gebührenzahler mit erschreckenden 7 Cent zu Buche, wäre das Format laut Stellungname des WDR nicht ausschließlich durch Werbeeinnahmen finanziert worden. Viel Lärm um nichts. Aber es ist schon anrührend, wie sich Gebührenzahler um das Geld der freien Wirtschaft sorgen.

Randnote: Das gesamte Gebührenaufkommen beläuft sich derzeit auf 8,3 Milliarden Euro jährlich. In 30 Jahren sind das 249 Mrd., die bei gleichbleibendem Rundfunkbeitrag zusammenkämen. Jeder von uns wäre mit 6300 Euro dabei. Wohlgemerkt in 30 Jahren. Und ich denk mir so: Was sind dagegen die 1,50 Euro, die mich ein Thomas Gottschalk gekostet haben könnte oder ein nächster Gottschalk kosten würde? Ich sorge mich eher um die Ver(sch)wendung der restlichen 248999999998,5 Euro.

¹ Mittlerer Wert. „Das Statistische Bundesamt zählte 39 Millionen Privathaushalte, während die GEZ einen Datenbestand von 41,8 Millionen Teilnehmerkonten hat (Stand 2012, einschließlich 3,18 Millionen Konten abgemeldeter Teilnehmer).“ Quelle: Wikipedia

Fotoquelle: Christliches Medienmagazin pro (flickr) CC.20

23.05.2015

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