Author: Matthias Schumacher | Date: 21. März 2014 | Please Comment!

Alles in allem können Sie sich die nachfolgenden Zeilen wie 90 Prozent aller Print- und Onlinetexte getrost sparen, wenn Sie diesen einen Satz verinnerlichen und Ihren Lebtag lang nicht vergessen: „Kleine Autoren arbeiten sich hauptsächlich am Großen ab.“ Da diese Weisheit aber durch die Substantivierung am Ende mindestens zweideutig ist, sollten Sie den Rest besser doch lesen. Immerhin geht es hier um den bekanntesten Medienkritiker im Netz. Im deutschen Netz. Teilen davon. Kleinen Teilen.

Stefan Niggemeier cc flickr, republica 2014

Stefan Niggemeier hat, nachdem er sein Missfallen an Markus Lanz bis ins Groteske steigerte, nun Reinhold Beckmann entdeckt, der sich das Vergehen zu schulden kommen ließ, mit Band eine Platte rauszubringen und offen rezensierbar bei Amazon zu verkloppen. Mehr hat Kläger Niggemeier nicht in der Hand. In seiner Anklageschrift „Wie auf Amazon plötzlich ganz viele Leute für Reinhold Beckmanns Musik schwärmten“ erklärt Niggemeier weder dieses „Wie“ noch das Warum, nämlich warum Stefan Niggemeier 33 Leute – eine etwas überfüllte Schulklasse – für „ganz viele“ hält. Der ganze Artikel: ein großes Nichts. Nicht mal eine brauchbare Spekulation, keine deutlich formulierte Unterstellung, nichts Ernstzunehmendes, eben ein Nichts. Aber zählen kann er. „27 der 33 Spitzenwerter haben auf Amazon nichts rezensiert außer der fantastischen Beckmann-Platte.“ Das beeindruckt. Welch ein Beleg! Aber wofür? Sie ahnen es. Für nichts! Jeder Hinz und Kunz und Niggemeier hätte diese Rezensionen schreiben können. Vielleicht war es Markus Lanz, der den Riecher des Stefan N. kennt und von seiner eigenen Fährte ablenken wollte… auf die Spur des singenden Noch-Talkers Beckmann. Vielleicht waren es Fans, vielleicht Beckmann selbst. Ist Ihnen zu spekulativ? Zu viel „vielleicht“? Zweimal griff Niggemeier in seinem Textlein selbst in die Vielleicht-Kiste, dreimal „scheint“ ihm etwas, einmal mutmaßte er, dass Beckmanns Haussender ihn in der NDR Talk Show „anscheinend als »deutschen Van Morrison« ankündigte“. Warum der findige Akribiker Niggemeier, der immer alles genau wissen will, sich die frei im Netz verfügbare Ausgabe der Sendung nicht ansah, das weiß keiner. Man ahnt es. Im Blutrausch will man die Beute erlegen. Schnell.

Nach dem ersten, aus journalistischer Sicht miserablen und in den Augen seiner Anhänger pulitzerpreisverdächtigen Artikel (diesem Zitatehaufen über drei von Niggemeier eigenhändig hingewichsten Absätzchen), legte der Meister nun mit einem weiteren Häufchen nach. Denn inzwischen hat sich (oh Wunder) die Zahl der Rezensionen unter der Beckmann-Produktion auf Amazon mehr als verdoppelt. Da bleibt der Superjournalist am Ball. Doch wieder ist es Niggemeier schnurzpiep, um wen es sich bei den Rezensenten tatsächlich handelt, handeln könnte. Mir scheint, es waren vielleicht Niggemeier-Leser. Oder BILD-Leser. Aber mit BILD hat Niggemeier nichts gemein, gegen Springer kämpft er seit Jahren. Gegen all die Spekulationen, gegen das Unwahre, Ungenaue und Ungefähre und überhaupt gegen alles, was größer ist als er. Das ist ganz ganz vieles. Das weiß er und das scheint ihn zu wurmen. Warum einer aber so lange nahezu unkritisiert mit Schweinejournalismus dieser Machart ungeschoren davonkommt, das ist das Erfolgsgeheimnis des Stefan N.

Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass er einfach weiß, was gut und schlecht, falsch und richtig ist, sich in annähernd 400 Blogtexten niemals irrte. Und es ist ja nicht so, als würde er nur mäkeln. Jan Böhmermann findet er zum Beispiel gut, kann man grad im SZ-Magazin lesen. Joko & Klaas mag er ebenfalls. Vielleicht ist Niggemeier einfach nichts geheuer, was über 1 Million Zuschauer einfährt. Eine Million! Was für eine gigantische Zahl für jemanden, der 33 schon für ganz viel hält. Und wenn er doch mal danebenliegen sollte? Wer ist schon unfehlbar?! Jedenfalls nicht diejenigen, die seinen leierigen Singsang cool finden und den Leierkastenmann für Niggi Pop halten. Es bleibt eine Leier. Und der Mann dahinter ist gezwungen, um die Kundschaft zu halten, in öder Gleichmäßigkeit weiterzuleiern. Und das Äffchen applaudiert dazu. Folklore ist was für den kleinen Kreis.

Und nun Musik!

Anscheinend hat Beckmanns Mucke diesen Leuten gefallen. Waren mehr als 33. Wussten aber noch nicht, was Niggemeier davon hält und woran sie sich zu orientieren haben. Höflichkeitsapplaus klingt anders und Stefan Gwildis oder Stefan Waggershausen nicht besser.

Schmidt war bereits vor drei Jahren angetan.

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