Author: Matthias Schumacher | Date: 7. Februar 2013 | Please Comment!

white man by tr23

Mit deutscher Gründlichkeit kehrte der weiße Mann dieser Tage zurück.
Er schlägt Schneisen in den Sprachdschungel – immer auf der Suche nach unberührten, reinen Wörtern. Er missioniert und indoktriniert im Namen der Political Correctness. Zum Wohle von Frau und Kind und zum eigenen Wohl. Der weiße Mann will nicht schlecht sein, er weiß, wie schlecht etliche seiner Vorfahren waren. Er will besser sein. Er meint es gut.

Er radiert seit Jahren in Kinderbüchern und passt die Sprache von einst seiner Sprache an. Ein legitimer und zwingender Austausch, wie er findet. Bücher aber sind Dokumente ihrer Zeit und jede Reinwaschung im Nachhinein ist nur eines: Geschichtsfälschung. Der deutsche weiße Mann von heute kolonialisiert nicht mehr Völker irgendwo auf Welt, er verbiegt und unterdrückt die eigene Heimat, die eigene Kultur. Er schmirgelt ihre Ecken und Kanten weg bis alles nur noch aalglatt flutscht und sich niemand mehr daran stoßen kann.

Der weiße Mann, der gute weiße Mann, versklavt keine Schwarzen mehr, er versklavt seine Sprache. Sie kann sich nicht wehren, sie macht es ihm leicht. Und gerade jene, die Vergangenheit nicht schönen wollen, watscht er als Geschichtsvergessene ab. Dabei fragt der weiße Mann nicht die Betroffenen. Er setzt sich nicht etwa mit Schwarzen in Talkshows, lädt sie nicht zum Interview, sucht nicht das Gespräch, er meint, alles zu wissen und sich auszukennen. Er fühlt sich schwarz. Und darum ist er stellvertretend empört, wenn sich Weiße schwarz anmalen, empört aus Überzeugung, dass es immer falsch ist und er glaubt, jeder Schwarze sieht es so. Für den schwarzen weißen Mann ist alles schwarz und weiß.

Sämtliche großen Artikel über Schauspieler, Karnevalisten und Journalisten, die auf Schwarz gemacht haben, alle Proteste stammen aus weißer Feder. Überall meint der weiße Mann, Blackfacing in schlechter US-amerikanischer Tradition zu erkennen. Übereifrig ist er, der weiße Mann, fast so, als wolle er dem Schwarzen wieder einen Schritt voraus sein. Er hat viel gutzumachen und mancher Versuch wirkt verzweifelt.

Das Gestern wird nicht besser, wenn wir die Sprache einsperren. Das Heute leidet nicht, wenn in einer aufgeklärten Gesellschaft Bücher existieren, die offenbaren, wie früher geschrieben und gedacht wurde. Wir müssen mit der Vergangenheit leben. Und was käme denn nach den Büchern? Die Gemälde, die Musik? Allein was heute entsteht, wohin wir gehen, entscheiden wir. 

Wenn Du etwas aus der Geschichte gelernt haben solltest, dann dass Unfreiheit nie zum Ziel führt!

Lass die Sprache frei, weißer Mann! (Und weiße Frau!)

07/02/2013

Comments are closed.