Author: Matthias Schumacher | Date: 21. Dezember 2012 | Please Comment!

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Mit der Arche Noah ist es nicht weit nach Hollywood. Doch niemals geht man so ganz unter. To be continued. In etlichen Endzeitszenarien sind es einige wenige, die das Leben nach der Apokalypse fortsetzen, auf dass eine neue, eine bessere Welt entstehe. Utopia. Leider eines, das sich nach neuerlichem Verschleiß ebenso abgenutzt zeigt wie das zuvor untergegangene. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal und dann geht es wieder los…

Allein im Jahr 2000 war der Weltuntergang unter anderem für den 11. Januar,  17. März, 5. Mai und 31. Mai vorhergesagt. Nach Chr. insgesamt weit über 100 mal. Bislang folgenlos bzw. ohne Erfolg. Denn es geschähe uns ja recht. Wir haben „carpe diem“  gründlich missverstanden, leiden unter kollektiven Durchschlafproblemen wegen eines Christian W. und dessen Gemahlin, die keine Escortlady war. Mancher arbeitete über Jahre an Gurkenverordnungen für die EU. Carpe diem? Hat nicht, wer seinen Tag auf diese Weise verschleudert, den Jüngsten verdient? Zumal die Lust der Deutschen am Untergang schon fast sprichwörtlich ist und man nicht nur uns, sondern allen nachfolgenden Generationen einen Gefallen täte, wenn es nicht ausgerechnet wir sind, die der Meteorit, der Schlag oder was auch immer verfehlt. 

Nachdem sich die Maya offensichtlich verrechnet haben, werden wir uns gedulden müssen, auf alte Schriften oder neue Blockbuster zurückgreifen oder der Piratenpartei beim Sinken zusehen, um diesen gänsehautprickelnden Schauder erleben zu können. Abtauchen, Wegsein, Auferstehung. Eins nach dem anderen! Sicher ist: Die Welt endet nun laut Isaac Newton entweder im Jahre 2060 – oder aber, wie Bede der Ehrwürdige prophezeite, erst 2076, wenn nach muslimischem Kalender die „große Woche“ rum ist. Wir werden es erleben. Oh doch, wir werden! Denken Sie bloß nicht: Nach mir die Sintflut!

Noah musste 600 Jahre auf seine erste Sintflut warten und zeugte 100 Jahre zuvor noch voller Zuversicht drei Söhne. Welch ein Gottvertrauen! „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Das hat Luther übrigens nie gesagt. Hat sich irgendwer ausgedacht, in den Neunzehnvierzigern. Bricht jetzt deswegen für Sie eine Welt zusammen? Was Luther aber vorhergesagte, war der Weltuntergang. Und zwar für 1532, 1538 und ’41.

Nach Luthers Apokalypsen hat sich die Menschheit bis heute vervierzehnfacht. Überall auf der Welt wächst die Bevölkerung. Allein in Deutschland geht sie zurück. Was nur bedeuten kann: Wir stecken mittendrin – im Weltuntergang. Vielleicht sind wir die wenigen, die 2060 mit geschätzten 60 Millionen Deutschen eine bessere Welt errichten… Allmachtsphantasien können wir so gut wie Untergang.

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Linktipp: Jakob van Hoddis „Weltende
(Gedicht, 1911, läutete die Zeitenwende zum Frühexpressionismus ein)

 

21/12/2012

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