Author: Matthias Schumacher | Date: 7. Juni 2012 | Please Comment!

Es geht schon wieder los. Es wird sortiert. Gauck relativiert Wulff. Auf geht’s! Nächste Runde! Oder ist sie schon wieder vorbei? Also was nun? Gehört das zu Deutschland? Das auch? Was ist damit? Die Endlosdebatte gehört auf jeden Fall zu Deutschland, sonst würde uns was fehlen. Wir tasten uns regelmäßig ab, um zu schauen, ob noch alles dran oder gar was zu viel ist. Haben wir noch alle Tassen im Schrank? Was hat der Koran da zu suchen?
Wo einordnen?

Ob sich Deutschland abschafft oder nicht. Ob wir eine Leitkultur haben oder brauchen. Mehr Zuwanderung? Wenn Zuwanderung, dann durch wen und wieviel? Euro ja, Euro nein? Mindestlohn? Steuern rauf? Steuern runter? Stammzellenforschung? Sterbehilfe? Vorratsdatenspeicherung. CO2? Tja, NPD-Verbot? Ja, nein, ähm. Bahnhof oben, Bahnhof unten? Überlandleitungen? Kohlekraftwerke? Atomkraft? Nein danke? Ja vorerst!
Wie lang ist vorerst?

Und natürlich: Die Endlagerfrage. Die endloseste aller Debatten.

Anne Will, Günther Jauch, Plasberg, Maischberger, Friedman, KLIPP & KLAR, 3nach9. Jetzt alle: Let’s talk about! Und dann noch mal von vorn! Gern hitzig, aber nur solange man damit bei seiner Klientel punkten kann. Und wie das eben so ist in Talk-Shows, man geht selten schlauer raus als rein. Der Gewinn ist bestenfalls der Unterhaltungswert. Drängende Probleme bleiben ungelöst, weil die Positionen verhärtet sind oder weil sich manches schlicht nicht ändern lässt. Nicht ohne Mehrheiten, nicht ohne Geld, nicht ohne das Verfassungsgericht, ohne Europa, ohne das Volk vorher auszutauschen. Das weiß man oft schon, wenn es erneut losgeht. Aber man kann doch wenigstens mal wieder drüber sprechen! Man wird ja wohl noch sagen dürfen…

„Lassen Sie mich doch mal bitte ausreden.“ Und: „Dürfte ich vielleicht auch noch was sagen!“ Alle dürfen. Wir sollen Spaß beim Vermehren der gewonnenen Einsichten haben. Welche Einsichten? Die Zeit drängt, aber „wie immer, wenn es spannend wird, muss man aufhören.“ Dann ist Sendepause und alle Fragen sind offen. Es darf aber weiterdiskutiert werden, in den Foren, Blogs und Gästebüchern. Alle machen mit, aber keiner macht was. Macht ja nichts! Hauptsache Meinungsfreiheit. Im Rahmen der Netiquette. „Blödmann“ geht nicht. Fortschritt aufhalten, geht immer. Deutscher geht’s nimmer.

Wir sind diskursorientiert, aber nicht entscheidungsfreudig. Nichts geht uns schnell genug. Aber es soll bitte erst losgehen, wenn jeder zu Wort gekommen, das letzte Gegengutachten geschrieben, der letzte Demonstrant freiwillig gegangen und die letzte Maus aus freien Stücken ins Naturschutzgebiet übersiedelt ist. Wir sind auch emotionaler als wir es wahrhaben wollen. Alles geht uns gleich an die Volksseele. Darf man Volksseele sagen? Ist das nicht so ein Begriff von damals? Ich sage bald gar nichts mehr! Wer nichts sagt, sagt nichts Falsches, wer nichts anfasst, kann nichts fallenlassen. Alles auf Sicherheit! Alles wie gehabt. Bloß kein Risiko! Was wir haben, haben wir.
Nur wer etwas einsetzt, kann gewinnen.
 Sollen die anderen zuerst was einsetzen!

Kein guter Boden für mutige Schritte auf neuen Wegen. Aber Garanten dafür, dass wir uns auch in Zukunft noch sehr oft sehr viel reden hören werden.

07/06/2012

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