Author: Matthias Schumacher | Date: 19. Mai 2012 | Please Comment!

Die Schweiz hat zwei gewaltige Exportschlager in Sachen Humor und Unterhaltung hervorgebracht: Emil Steinberger und Paola und Kurt Felix.
Die beiden Letztgenannten sind zu einem Atemzug verschmolzen und wer Paola sagt, muss auch Kurt Felix sagen. Eins geworden. 29 Mal in 7 Jahren präsentierten sie gemeinsam „Verstehen Sie Spaß“ und ließen Chris Howlands „Vorsicht Kamera“, ein 60er-Jahre-Format, bald vergessen. Schatten warfen die aus heutiger Sicht sehr braven Felixschen Verladen aber auch auf alles danach. Kein Versuch, Prominente und Normalbürger reinzulegen, blieb so lange und so positiv im kollektiven Gedächtnis der Fernsehnation haften.

Legendär: Der Moment, wenn es zum Gau kam, wenn sich die geschickt und von langer Hand eingefädelte Situation gegen das „Opfer“ richtete und Kurt Felix mit Schweizer Akzent aus dem Off den Abschuss freigab: „Mal sehen, wie er darauf reagiert.“ Ist dieser Satz je so gefallen? Oder eine dieser Beam-me-up-Scotty-oder-Harry-fahr-schon-mal-den-Wagen-vor-Legenden? Man hört ihn Kurt Felix in der Erinnerung immer wieder sagen. Oder Paola. Dass Kurt Felix vor dem Sprung auf den Samstagabend neun Jahre lang ohne Paola Deutsche und Eidgenossen mit versteckter Kamera reinlegte, daran erinnern sich zumindest hierzulande nur noch die Chronisten und nun die Nachrufschreiber.

Kurt Felix ist tot. „Verstehen Sie Spaß“ hat sich überlebt. Die gute alte Fernsehzeit ist längst hinüber. 20 Mio. Zuschauer lockten Paola und Kurt Felix vor die Apparate. Das schafft heute nur noch der Fußball. Die TV-Plantagen sind verödet. Viele Traumquotenbäume erstickten nach der Ära Felix bereits im Keim oder wurden rasch gefällt, wenn sie nicht genug Ertrag brachten.
Kurt Felix und Paola hat man immer abgenommen, dass sie ihre Show für die Menschen machten und – trotz aller Streiche – mit ihnen und nicht gegen sie. Diese Glaubwürdigkeit, diese Artigkeit noch im Boshaften, die nicht mit Spießigkeit oder Biederkeit verwechselt werden darf, hat sie auf Augenhöhe mit dem Publikum gebracht und über alle anderen erhoben. Unerreichbar.

Wenn ein Spaßvogel in den Himmel aufsteigt, ist das nicht immer lustig.
Ade, Kurt Felix!

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