Author: Matthias Schumacher | Date: 19. Mai 2012 | Please Comment!

Diese Zeilen sind jenen gewidmet, die durch gesellschaftlichen Druck in Beziehungen gedrängt wurden, die sie, hätten sie eine Alternative gesehen, nicht eingegangen wären. Dieser Text gehört den Männern, denen es nicht möglich schien, frei ihre Homosexualität zu leben und sich für den schweren Weg in eine heterosexuelle Partnerschaft entschieden haben – und nun, nach eingegangenen Verpflichtungen, nach der Geburt von Kindern keine andere Möglichkeit sehen, als das Rollenspiel fortzuführen. Diese Zeilen gehören jenen, die nicht aus ihrer Verantwortung fliehen, die gegen ihr Innerstes bei Ihren Partnerinnen bleiben, mag es aus Schuldgefühlen, Angst, Schwäche oder ehrlich empfundener Zuneigung sein.

In dieser Stunde denke ich an Euch, ihr seid so viele. So viele, die mit schlechtem Gewissen heimlich ihren eigentlichen sexuellen Vorlieben nachgehen. Bei denen jedes Fremdgehen ein Heimkommen ist, eine Erlösung und Hölle zugleich, und jede Erfüllung der ehelichen Pflichten lediglich ein Ersatzverkehr mit Busen.

Ich denke an die Versteckten und Latenten. Keiner macht es sich leicht.

Ich denke auch an die, die noch jung sind und ihr Leben leben, frei und fern der Orte, in denen sie aufgewachsen sind. Denke an die, die sie selbst sind und wenn sie auf ihre Eltern treffen, von Freundinnen berichten oder schweigen, die Nachfragen der Verwandtschaft geduldig ertragen, um ihre Eltern nicht in Verlegenheit zu bringen. Ich kenne das. Ich fühle mit Euch.

Ich kann Euch nichts raten, nur wissen lassen, Ihr seid nicht allein. Vielleicht wird es eines Tages ein neues Denken geben. Es ist noch fern und nur in den Großstädten auf einem guten Weg. Euch, die Ihr in Eurem Leben, in Euren Partnerschaften verwurzelt, verhaftet, eingeschlossen seid, einem Leben, auf das alle bauen und auf das Ihr alles gebaut habt, Euch wird dieses Denken kaum helfen. Vielleicht Euren Kindern. Seid offener als Eure Eltern und die, die Eure Auswege versperrten. Seid für Eure Kinder stärker als Ihr es wart! Das neue Denken muss bei Euch beginnen und weitergetragen werden, für nächste Generationen. Damit nicht auch eines Tages für sie der letzte Zug abgefahren ist und nur ein Ersatzverkehr mit Busen bleibt.

19/05/2012

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