Author: Matthias Schumacher | Date: 8. Dezember 2011 | Please Comment!

Niemals zuvor waren so viele Menschen künstlerisch aktiv, nie zuvor versuchten so viele, mit ihrer Kreativität Geld zu verdienen. Das Prinzip Hoffnung – eine Gratwanderung. Immer nur einen Schritt am Abhang. Autoren verschenken ihre Texte im Netz, in der Hoffnung, entdeckt zu werden. Andere musizieren und drehen Videos, ohne Aussicht auf auch nur einen Cent. Phänomene wie Mina oder Justin Bieber sind eben genau das: Phänomene. Der Erfolg ist und bleibt die Ausnahme von der Regel des Scheiterns. Daran ist es oft nicht fehlende oder schlechte Leistung schuld, sondern meist die schlechte Bezahlung, die letzten Endes der Leser zu verantworten hat. Naturgemäß liegt ihm das Konsumieren näher als das freiwillige Entlohnen.

Dieser aufwendig recherchierte Artikel, der von Internetstars über den Buchmarkt bis in den Bereich Bühne und Fernsehen reicht, richtet sich an alle Künstler und Kunstkonsumenten. Dieser Artikel richtet sich demzufolge an Sie.

Mit Sicherheit wird der Leser dieses Textes kein neuer van Gogh sein und auch keinen besitzen, zum einen, weil das überragende Talent fehlen dürfte, zum anderen, weil selbst in diesen krisenhaften Tagen für den Einzelnen 189 Mio. Dollar noch immer ein gewaltiger Batzen ist. 189 Mio. Dollar – so viel hat ein Gemälde des holländischen Meisters im Juni 2011 bei einer Auktion in Paris erzielt. Freilich hat der Künstler aufgrund seines Ablebens vor 121 Jahren nichts davon. Zu Lebzeiten war Vincent van Gogh längst nicht der erfolgreichste Maler seiner Zeit. Nun, ich werde für diesen Artikel nicht 189 Mio. Dollar verlangen, ich bin gewiss kein van Gogh, aber… (dazu mehr auf Seite 3)

Wie van Gogh damals geht es heute vielen Künstler. Man versucht, sich auf dem Käufermarkt zu behaupten. Das Angebot ist groß, die Nachfrage vergleichsweise gering, die Bereitschaft, etwas mehr auszugeben, verschwindend.

Allein der Buchmarkt verheißt nichts Gutes. 96.00 Neuerscheinungen allein 2010. Über 1800 Verlage buhlen hierzulande um die Gunst des Publikums. Alle haben die besten Autoren unter Vertrag, alle Lektoren wissen, was ein Kassenschlager wird (das ist ihr Job).

In Wahrheit ist es eine Lotterie. Sichere Strategien gibt es nicht, es sei denn, es ist eine bekannte Fernsehnase oder ein Profifußballer, der sich nun auch als Autor versucht.

Auf demselben Markt, wo Clowns und neue Helden nach lukrativem Nebenverdienst streben, kämpfen Künstler (echte, sich dazu berufen fühlende) um ihre Existenz. Beim Blick ins Portemonnaie siegt beim Leser oft der Clown mit der telegenen Nase, der in den Medien Aufmerksamkeit erhalten hat, weil er sich etwa vor Jahren von einem Berufsproleten und Castingshowjuror trennte. Millionen können nicht irren. Wieviele Gedichtbände, wieviele Romane und Erzählungen bleiben ungelesen? Krawall und Muschis gehen immer, Eleganz und Tiefgang tun sich schwer, die Profiteure sind vor allem die Verlage, die natürlich das finanzielle Risiko tragen, Vorschüsse leisten und erst einmal den Einstieg ins Geschäft ermöglichen. Aber wenn von jedem Exemplar, das im Handel 10 Euro kostet, am Ende lediglich bestenfalls 80 Cent beim Autor ankommen, ist das lächerli

(An dieser Stelle beendet der Autor die Arbeit an diesem vielversprechenden Artikel, weil er daran, mag er noch so vielversprechend sein, Null Komma nichts verdient… Wann haben Sie zum letzten Mal umsonst gearbeitet? Wie kommen Sie dazu, diese ersten Zeilen zu feiern, ohne dafür etwas bezahlen zu wollen? Wenn das alle täten?! Und wie kommt der Autor dazu, diese Umsonstarbeit zu verweigern? Was, wenn das alle so machen würden?)

Dank an Jürgen Pahl… Du weißt schon.

08/12/2011

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