Author: Matthias Schumacher | Date: 17. April 2011 | Please Comment!

Kant.
Der Königsberger Philosoph, Ethiker, Aufklärer hat am 22. April Geburtstag.
Und selbst die hauptschulgebildeten jugendlichen AufsaugerInnen dieses Artikels haben aus dem Titel gelesen, es ist der 287te. Wie haben sie ihm entgegengefiebert!

Immanuel Kant

Denn wenn sie auch in überfüllten Klassen baufälliger Schulen verwaltet werden und wegen Lehrermangel und -mängel, null Bock und DSDS nichts lernen, außer Kiffen, Amoklauf oder Handyvideos zu drehen, indes mit der freien Hand die Jahrgangsschwuchtel vermöbelt wird, so sind sie doch allesamt gut, mündig und bereit, etwas für sich und damit für uns alle zu tun, sich zu formen durch Bildung, unbändigen Willen und nimmermüde Bereitschaft, die ein wackerer Tropfen ist, der die Mühlsteine um ihre Hälse höhlt, auf dass sie dereinst von ihnen fallen und die so Befreiten wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft werden, aber Individuen bleiben, die alle Fesseln der Stände und der Herkunft von sich geworfen haben und sich von nichts und niemandem das Denken abnehmen oder vorschreiben lassen, weder von Maschinen noch Menschenmaschinen – Denken ist das Plaisir unserer Jugend und kein Funk, Fernsehen oder Internet erfreut sie wie das Feuerwerk der Synapsen; deutsche Schüler eifern Kant nach – Kant las, Kant las Bücher (aus Papier), Kant hatte kein WLAN, keinen Kabelanschluss und hat doch die Welt verändert.

Allein dem Einsatz der sieben Generationen, die physisch und philosophisch Kant folgten, haben wir es zu verdanken, dass jeder, ausnahmslos jeder in diesem Lande Schachtelsätze mit 170 Wörtern problemlos verstehen kann. Denn der Anspruch, die Güte dessen, was uns umgibt und in uns ist, wurde stets und ständig gehoben. Unsere Köpfe sind gefüllter als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Heute haben alle was im Oberstübchen. All unser Wissen ist nützlich und wir verstehen, es zu unser aller Wohl und Vorteil einzusetzen.

Wir verstehen, weil wir verstehen wollen. Wir sind darin frei. Wir glauben, was ist, und verhalten uns zu dem. Wir glauben aber nicht alles, was man uns erzählt, glauben nur, was wir denken, und prüfen unsere Standpunkte, fragen unentwegt, ob sich unsere Erkenntnisse um unseren Verstand drehen oder doch vielmehr umgekehrt, sind jederzeit zum Kopernikanischen Wenden bereit. Unser Wille ist frei und wir sind fähig und willens, ihm Grenzen zu setzen, da wo die Moral endet. So sind wir! Durch Kant.

Kant ist einer unserer Größten. Kant & Bohlen – unser philosophisches Duett.

Wir wissen: Kant hat unsere Welt verändert (wie Dieter Bohlen) und wir finden es mega, dass das Internet so groß ist, dass da sämtliche Werke des großen Meisters reinpassen tun – und die von Dieter Bohlen. So zum Beispiel Kants Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ aus dem September 1784, erschienen im Dezember desselben Jahres in der „Berlinischen Monatsschrift“. Aber wem sage ich das!? Kant beschreibt darin eine Geisteshaltung, wie man sie sich heutzutage nicht einmal mehr im Traume vorstellen kann:

Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt der für mich die Diät beurtheilt, u.s.w. so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.

Ist es nicht unglaublich!? Kantlob sind wir weiter.

Kant hat die Welt tatsächlich verändert. Unlängst hüpfte im KiK eine Gruppe muslimischer Kinder an mir vorüber, den Kategorischen Imperativ singend.
Einen glücklichen Moment später blitzte bei einer in den Dessous wühlenden Burkaträgerin ein Stück Handgelenk mit dem eingeritzten Konterfei unseres verehrten Jubilars hervor. Überwältigt riet ich ihr zum 3er-Pack Strings für 3,99. Kant hat Teile der Welt verändert. Der schäbige Rest liegt bei uns.
Na herzliche Gratulation!

17/04/11

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