Author: Matthias Schumacher | Date: 10. März 2011 | Please Comment!

Am Anfang war Berlin. Dann Berlin, immer wieder Berlin. Für viele hat Klaus Hoffmann, der Ur-Berliner und Sänger, der als Schauspieler begann, längst einen Kultstatus erreicht, der irgendwo zwischen Juhnke und der Knef liegt.
Mit Hildegard Knef, war er befreundet, für Harald Juhnke hat er einige Lieder geschrieben. Und da war noch Plenzdorfs leidender junger W., den er spielte, im Film. Fernsehpreise. Brel-Interpret. Berliner. Das ist es, was man so über Klaus Hoffmann zu lesen bekommt. Ein Intermezzo aus gegebenem Anlass.

In diesem Monat wird er 60, dieser Klaus Hoffmann, der immer etwas anders war – – vielleicht, weil er immer mehr als andere versucht hat, er selbst zu sein. Klaus Hoffmann, der jede Uniformität verachtet und Geschichten singt, die, wie er selbst sagt, „die meisten ja kennen“. Authentisch und glaubwürdig. Nicht von Dingen, singt er, sondern von sich. Und wenn’s gelogen ist? Was soll’s!? Hoffmann ist ein Gaukler, der keinen Hehl daraus macht. Erfundenes ist ja nicht gleich gelogen. Und wenn er von der Mutter und vom Vater singt, wofür er geliebt und gemieden wurde, dann ist er dafür doppelt wahr.

Gestern stellte er gemeinsam mit der Journalistin Ute Büsing in Berlin seinen Roman „Phillip und die Frauen“ vor. Darin flieht der Rilke-Rezitator Phillip Kaufmann aus Berlin nach Sylt. Sein 60. Geburtstag steht an und mit ihm all die Fragen, die auf jeden früher oder später einstürmen. Die Lebensbilanz will gezogen werden. Inventur.
60, das ist eine Zäsur.

Klaus Hoffmanns Musikerkollege und langjähriger Freund Reinhard Mey sang sich selbst bereits zum 50. „nun, auch ein großer Optimist, weiß, dass dies nicht die Halbzeit ist.“ Und 60? Der Klappentext berichtet von einem „Mann vor der Schwelle des Alters“. Vielleicht gewagt, in einer Zeit, wo die gefühlte Midlife Crisis schon manch 30jährigen aus der Bahn wirft. „Schwelle des Alters“…

… gewagt? Nein, nur wahr. Und so ist manches wahr in diesem Buch, in dem der Protagonist herausfindet, dass die Frauen sein Glück und Unglück waren, „indem sie ihn liebten, hassten, herausforderten.“ Und es ist nicht nur dort wahr, wo er „vögelt“, ohne den Namen der Gevögelten zu kennen. Biographische Bezüge, Monologe, Betrachtungen gleich neben Fiktion – und mittendrin, wenn Hoffmann uns die Wahrheit zurechtgaukelt.

In zwei Jahren will Klaus Hoffmann sein wahres Leben in Buchform vorlegen. Lange habe er sich davor gedrückt, verrät er, und neue Musik wolle er machen, seinen Phillip Kaufmann will der Beckett-Bewunderer Hoffmann auf die Bühne holen und Konzerte geben. Hoffmann ist immer irgendwie irgendwo unterwegs – auf einer Tour, in einem Lied, einem Roman.

Zum Ende, vor der obligatorischen Signierrunde, griff Hoffmann an diesem Abend zur Gitarre, um aus seinem aktuellen Album „Das süße Leben“ den Titel „Nochmal von vorn“ vorzutragen. Nochmal? Das wird nichts. Oder doch?
Wer weiß?!

In jedem Fall besteht Hoffnung auf weitere Jahre Hoffmann, denn wenn Ende März u.a. Hannes Wader, Hermann van Veen, Romy Haag und (natürlich) Reinhard Mey in einem großen Konzert im Berliner Friedrichstadtpalast seinen Geburtstag feiern als ob es kein Morgen gäbe, so ist es lediglich der 60.
Klaus Hoffmann hat die Schwelle des Alters noch nicht betreten.

Linktipp: Klaus-Hoffmann.com

10/03/11

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