Author: Matthias Schumacher | Date: 9. Februar 2011 | Please Comment!

 

Feldpostille Nr. 1

Freund und Feind!

Kaum habe ich meinen Posten als Kriegsberichter an der Somme bezogen, ereilen mich Nachrichten von Umstürzen in der Heimat. Die Kolportage boomt. Deutschland soll wieder einen Diktator bekommen. Führende Mächte sagen Ja. Der Diktator sagt Nein. Wer glaubt einem Diktator? Wer sich wie ich mit „Hurra!“ einige Zeit Wilhelm Zwo verschrieben hat und das Treiben der Demokraten mit gemischtem Gefühl am Rande betrachtet, kann die Planspiele nur befürworten.

Hört die Glocken! Das endgültige Ende der Monarchie wird eingeläutet. Da hilft kein Hochzeitsgebimmel bei den Tommys. Ich erinnere: ’88! Das Einkaiserjahr. Bei der Europaschlacht auf heimischem Rasen trugen wir damals kurz vor Toresschluss eine Niederlage davon. Gegen die Oranjes! Der Kaiser konnte sein Land nicht mal im eigenen Land zum finalen Kampf führen. Im Folgemonat gründeten Rebellen den „Mehr Demokratie! e.V.“

Die deutsche Monarchie liegt mehr denn je am Boden, ja, der alte Geist ist nur noch ein Aushilfsgespenst nach Art eines Frédéric Prinz von Anhalt. Und dieser Freiherr zu Guttenberg: Schnöder Diener der schnöden Demokratie von des schnöden Volkes Gnaden vergeht sich am stolzen Heer. Von den Prinzen, die mit scheußlichem Singsang alles und jeden in Angst und Schrecken versetzen, möchte ich schweigen. Die zunehmend enttäuschenden öffentlichen Auftritte des Königs von Mallorca – nicht mehr als ein allerletztes Aufbäumen. Hört Ihr? Ist es das Sterbeglöckchen oder nur die Rückkopplung der Karaokemaschine?

Danken wir der roten Gesine für die Wiederbelebung der Systemfrage.
Was bliebt, wenn die Demokratie klappert und die Monarchie rostet?
Wie bekommt die Sache wieder Schwung? Diktatur des Proletariats?
Warum den Umweg übers Volk nehmen?

Ich liege in diesen Stunden inmitten der Trümmer Seiner Majestet.
In schwersten Gefechten zwischen Unlust und Unrast. Hier im 1914 geht es himmelhoch her, doch die Kost ist trocken. Die Entwicklung daheim gibt mir Kraft, alles zu überstehen. An der Westfront schien man Feuer und Flamme.
An der Nahost-Front warnte man, sich die Finger zu verbrennen. Die kühle Absage des Diktators passt nicht ins Bild. Vielleicht besteht noch Hoffnung.

Es ist nicht viel, was bis hier durchdrang. Sein Name, Husni Mubarak, hat einen guten Klang. Ein tüchtiger Mensch, wie es heißt. 30 Jahre war er für sein Volk da, hat es unermüdlich gelenkt und gehängt. In keiner westlichen Demokratie wurde in den vergangenen Jahrzehnten so entschlossen für die Freiheit gekämpft wie dieser Tage im fernen Ägypten. Dank Husni.

Ja, er ist Ausländer. Doch der Fachkräftemangel ist eklatant. Diktatoren gibt es nicht wie Sand in den Augen. Wir haben aus unseren Missgriffen gelernt. Ägypten ist auch nicht Österreich! Heute wissen wir, dass es nicht gutgehen kann, wenn man arme Schlucker an die Macht hievt. Mit Mubarak hätten wir einen, der niemandem die Halbfettmargarine vom Biobackwerk kratzen müsste, um einigermaßen standesgemäß über die Runden zu kommen. Die Kröten, die wir schlucken, könnte er uns vergolden.

Mindestens 40 Milliarden US-Dollar sollen die Mubaraks gespart haben. Spare Dich reich durch Not, so hast Du nach Deiner Zeit! 40 Mrd. Dollar entsprechen rund 29,5 Mrd. Euro. Bei einem Durchschnittspreis von 5 Mio. Euro für einen Kilometer Autobahn könnte Mubarak uns stolze 5891 km durch Wälder, Wiesen und Auen hauen. Nach den letzten Schlaglochwintern ein drängender Aspekt. Das halbe deutsche Autobahnnetz könnte der Pharao ersetzen, falls es uns einmal abhanden kommen sollte. Diktatoren zu Sponsoren! Eine romantische Vorstellung.

Apropos Romantik: Wie ich hörte, sollte er in Heidelberg residieren. Heidelberg, oh Heidelberg! Du Wahlkreis des Niebels! Furchtbare fruchtbare Gespräche über Entwicklungshilfe und den Umgang mit den Ärmsten böten sich an. Heidelberg, Du Heimstatt des gewaltigsten leeren Fasses. Perle! Du. Du, Du! Dich nannte Goethe „etwas Ideales“, Hölderlin liebte Dich, Heine kam nicht um Dich herum, Jean Paul durchschritt Dich. Eichendorff. Schlink, Böll… all die Großen und Größten und Übergrößen waren da. Und Husni Mubarak hat während eines Klinikaufenthalt im vergangenen Jahr sein Herz in Dir verloren. Vielleicht auch schon früher. Irgendwo. Wer nicht mit dem Herzen regiert und den Verstand ignoriert, dem bleibt oft nur die harte Hand. Doch was, wenn die zur leeren Hand wird? Wenn die Ägypter ihn zur Kasse bitten, wer zahlt dann die Irrenanstalt? Und wer befreit uns aus ihr?

Was haben wir nur wieder angerichtet?! In einer Presseerklärung des Universitätsklinikum Heidelberg vom 15.03.2010 heißt es über Mubarak:
„Er bewegt sich gut und wird immer mobiler“.

Mobilmachungen sind nicht unser Ding. Mobilfunk nicht seines.

„Wir bedanken uns für das Angebot aus Deutschland, aber der Präsident braucht keine medizinische Behandlung“ lässt er nun verlauten und wir gehen leer aus. Kein Husni. Keine Milliarden. Keine Vielweiberei. Kachelmann hätte einen verdammt guten Frauenminister abgegeben! Statt Demos für Freiheit weiterhin Demos gegen Bahnhöfe. Keine Stabilität und alles bricht zusammen.

Wie bin ich froh, im Krieg zu sein!

Gruß
ms

PS: Wie geht es Nofretete?
PPS: Hat man ihr linkes Auge gefunden?

09/02/2011

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