Author: Matthias Schumacher | Date: 4. Januar 2011 | Please Comment!

Als ich Ihnen, der großen Dichterin, vor fünf Jahren meinen schüchternen Brief schrieb, war nicht mit Antwort zu rechnen. Sie antworteten. Vier Briefe gingen hin und her. Briefe, die für Sie gewiss nur Rundbriefcharakter hatten. Doch ich zählte fortan zum Kreis der Adressaten Ihrer Lebenszeichen. Das bedeutete mir viel. Sie berichteten von Persönlichem, von Alter und Krankheit – in einer Klarheit und Eindringlichkeit, die ich noch nicht wagte. Ich war in meinen Worten bis dahin selten so weit zu mir und zur Wahrheit hinausgeschwommen – und wenn, nur unbeobachtet. Ästhetik und Fassade bestimmte mein Schreiben.

Sie ließen mich an Ihrer »zerfallenden Existenz« teilhaben, schrieben im Bett liegend: »Habe noch keine richtige Technik gefunden dafür […] Ich muß und will aber eine Möglichkeit finden, so zu schreiben.« Den Grundton Ihrer Zeilen bestimmte »das Gefühl befristeter Zeit«. Dieser »Generalbass« ist heute verstummt. Ihre Worte werden weiter klingen. Unter dem Eindruck Ihrer Verse schrieb ich manch eigenes Gedicht. Vielleicht meine wahrsten.
Danke für Ihre Wahrheiten. Adieu!

04/01/11

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