Author: Matthias Schumacher | Date: 11. Dezember 2010 | Please Comment!

Malte Welding hat ein Buch geschrieben. Malte… WER? Wer Malte Welding googelt, stößt früher oder später auf eine von ihm verfasste Kurz-Bio, die alles sagt, was man über den Mann wissen muss:
Vom Jurastudenten zum Autor allein durch Profiländerung bei Xing.

Obacht! Wenn Blogger Bücher schreiben, ist Vorsicht geboten. Im vergangenen Sommer legte Sascha Lobo, der wohl bekannteste deutsche Vertreter dieser sonderbaren Spezies, seinen ersten Roman vor und floppte grandios. Lobo hat sogar sein Auto im Design seines Buches anmalen lassen. Es half nichts. Das Buch lag wie Atommüll im Zwischenlager. Kein Buchhändler hätte sich vor den Zug geworfen, wenn es endlich abtransportiert worden wäre.

Fragt man Malte Welding, was er beruflich macht, sagt er schlicht:
„Ich schreibe.“ Eine Aussage, die ihn aus der Gefangenschaft der Bloggerschublade befreit. Welding ist keiner, der sich darauf zurückzieht, hin und wieder durch die sogenannte Blogosphäre zu poltern. Er will mehr und tut etwas dafür. Nun debütiert Welding mit einem Sachbuch bei Piper. Und es geht nicht mal nur ums Internet. Aber auch.

Mancher, der nun beim Genuss eines Pfefferminzbonbons erleichtert durchatmet, sollte vor dem Verzehr des nächsten Satzes vorsichtshalber zu Ende lutschen oder ausspucken. Es ist ein Sachbuch über die L-i-e-b-e!

HERR, was gibt es denn noch zu sagen – über die Liebe!? Alles!
Wenn es ein Thema gibt, das nicht ausgezutzelt ist, dann die Liebe. Sie wird wie eh und je besungen, herbeigesehnt und verflucht. Ursprung und Ende. Oder ist der Ursprung nicht doch eher der pure dreckige Sex? Sex ohne Liebe – das geht. Aber geht das auf Dauer gut? „Malte Welding schaut den Liebenskranken in die Betten, die Köpfe und Herzen und stellt die Frage: Ist die Liebe noch zu retten – sind wir noch zu retten“ heißt es im Klappentext. Welding erzählt Geschichten und springt in weiten Teilen aus dem Genre Sachbuch heraus. Das tut gut wie ein Bad in Eukalyptusöl. Tauchen wir ein:

Da ist zum Beispiel Johanna, deren letzter Freund mit ihr Schluss gemacht hat, „weil sie mehr verdient als er.“ Oder Karsten, der mehr ist als der übliche Quotenschwule in einem Heteroliebesratgeber. Karsten wurde Single, weil er sich weigerte, „in ein Glas zu wichsen.“ So wenig wie Karsten quotenschwul ist, ist Weldings Buch ein Ratgeber. Eigentlich ist das ganze Buch ein riesiger Schwindel. Es ist ja gar kein echtes Sachbuch, auch wenn Welding geschickt Tatsachen und Fakten einstreut. Die Liebe an sich ist auch keine Sache. Wie könnte sie es auch sein – so wenig greifbar, haltbar und so unbegreiflich sie ist? Malte Welding plaudert – und was er plaudert und wie er plaudert, ist durchweg unterhaltsam und intelligent. Immer wieder zum Schieflachen komisch und dann doch wie im Sachbuch – irgendwie.

Man muss nicht liebeskrank sein, um darin lesen zu können, denn Welding bedient auch gekonnt den Voyeuristen in uns. Einiges verdient gar das Gütesiegel Ü18. Und irgendwo steht sogar was über Schwarz-Gelb und DSDS. Das ist Welding! Wer schafft es sonst, in kurzer Folge über weltmeisterliches Onanieren und die amerikanische „Seifenoper Holocaust“ zu fabulieren? Der Mann lässt nichts aus. Dass der Tonfall mitunter ins Präpubertäre abgleitet, mag dem Feuilleton missfallen, die breite Masse wird er begeistern.

Männer und Frauen passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte: Warum die Liebe trotzdem glücklich macht“, ein sperriger Titel inkl. Loriot-Zitat. Überhaupt sind manche Kapitel-Überschriften in einer Weise auf humorvoll getrimmt, dass man froh ist, sie schnell hinter sich bringen zu können und sogleich Weldings Hilfestellungen im Stellungskrieg wie einen warmen Umschlag zu genießen – den kann man ab sofort mit in die U-Bahn oder ins Bett nehmen. Bett? Immer nur Bett ist langweilig!

15 Monate hat Welding an seinem Buch gearbeitet. Der Mann ist jetzt 36.
Wir werden wohl noch einiges von im hören – und lesen.

Linktipps: Malte Weldings Blog und auf amazon

11/12/10

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