Author: Matthias Schumacher | Date: 10. November 2010 | Please Comment!

Draufsitzen, drunterliegen, im Stehen? Oder soll’s vielleicht lieber ein Keks sein? Lieber nicht, Kekse krümeln. Und wenn, wie traditionell vom Mann erzwungen, die Frau bei der Missionarstellung unten liegt, unten liegen muss, dann piekt es und das ist Folter, menschenverachtend, und weiß die Teufelin! Eben diese hat kürzlich Familien-, Frauen- und Gedönsministerin Kristina Schröder verbal bestiegen, an den alten Zöpfen nuckelnd. Ein wilder Ritt durch die Medienrepublik – gleichauf mit Castoren und pöpelnden Rollstuhlfahrern. Kristina Schröder auf Alice Schwarzer. Was da durchknallt, ist nicht die Schallmauer.

Platz Nr. 26 im Sitzungssaal 1 des Mannheimer Landgerichts – für Augenblicke verwaist. Kachelmann wird die zornige Alte nicht vermissen. Allein Justitia, die Standfeste, hält verbundenen Auges die Wacht, unbeeindruckt vom neuen schlanken, rasierten Regenmacher. Seit Wochen muss sie sich nun anhören, dass Sadomaso Frauen Spaß machen soll. Doch Frauen haben weder in der Küche Spaß am Messerchen noch an der Kehle.

Wissen Sie, wer den Keks nach Deutschland brachte? Es war Hermann Bahlsen. Ein Mann! Natürlich ein Mann. Alice Schwarzer, die staubtrockene, dröge, längst abgelaufene Feministin hätte es gewusst. Männer schenken Frauen Kekse, auf dass sie dick und unansehnlich werden, unattraktiv für andere Männer und letztendlich für sie selbst. Dann lachen sich Casanovas wie Jopie Heesters irgendein Simonchen an und befüllen es mit Pralinchen, die übrigens vom Koch eines Herzogs von Praslin erfunden wurden. Einem Mann, wie zu erwarten war.

Wer das alles weiß, muss nicht mehr wissen, um zu verstehen. Man(n) weiß ja, dass es mit Alice Schwarzer beim kleinsten Krümchen durchgeht. Das Feld des Feminismus muss sauber bleiben, nicht umsonst hat sie es bis auf Stöckchenhöhe abgegrast. So springt sie jahrein, jahraus über jedes, das man ihr hinhält – wie einst als Fohlen.

Kristina Schröder kündigt im SPIEGEL-Interview an, den Schwerpunkt ihrer Arbeit künftig bei den Junghengsten zu setzen. Alice Schwarzer tritt aus:

… das Klischee, die Überzahl weiblicher Erzieher und Lehrer sei schuld an der Misere der „armen Jungen“. Denen wollen Sie sich jetzt mit Ihrem Ministerium vorrangig widmen. Sie gehen dabei so weit, feministischen Pädagoginnen zu unterstellen, sie würden „Jungs bewusst vernachlässigen“, was „unmoralisch“ sei. Es ist diese Unterstellung, Frau Schröder, bei diesen Frauen, die einen sehr harten, sehr engagierten Job machen, die unmoralisch ist!

Und tritt nach:

„Schuld“ ist eher ein verunsichertes Verständnis von „Männlichkeit“, eine Männerrolle, bei der es als uncool gilt, zu lernen, und als cool, zu pöbeln – und Pornos zu konsumieren.

Dass vorpubertäre Erst-, Zweit- und Drittklässler lieber Pornos konsumieren und pöpeln als zu lernen, dürfte als gemeinhin bekannt gelten. Wer von uns kann sich nicht an diese Tage zwischen Unlust und Wollust Tage erinnern, meine Herren? Wie beiläufig verteidigt Schwarzer die aktuelle Stammtischkultur in Deutschland und spricht Schröder die Eignung als Familienministerin ab und das Recht der späten Geburt zu. Alice Schwarzer neigt dazu, jedem, der nicht ihrer Meinung ist, allerlei abzusprechen und abzuquatschen. Eine Oralkastratorin erster Klasse.

Neben den üblichen Stutenbissigkeiten erfahren wir auch Interna aus dem Privatleben des Kaltbluts Kristina, dessen Pony für die Rassegäulin Alice auf den Prüfstand gehört. Dass die Ministerin unlängst Kalbsbäckchen am heimischen Herd zubereitete, war ein bislang gut gehütetes Geheimnis. „Das ist echt aufwendig, die muss man zweieinhalb Stunden in Rotwein schmoren lassen“, gesteht Schröder, als habe sie ihre Handteller als Kochplatte genutzt. Ebenso interessant für die Spiegel-Redakteure René Pfister und Markus Feldenkirchen: Kohl-Poster, Abi-Zeitungen und die Wahl des Familiennamens bei der Hochzeit. Da menschelt’s im Gestüt!

Alles weitere: vernachlässigbar bis irrelevant. Fast! Der eigentliche Skandal steckt oft nicht in den großen Passagen, sondern im Detail, das hier in Gestalt eines unscheinbaren „Warum“ daherkommt. Schröder über einige Schwarzers Bücher, die sie allesamt „sehr pointiert und lesenswert“ fand. Aber, aber:

Etliche Thesen gingen mir dann aber doch zu weit: zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch.

SPIEGEL: Warum?

Kristina Schröder: Es ist absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird. Das würde bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht fortbestehen könnte.

Wer fragt da? Der Mann, der Unterwerfer, der Journalist?
Und wo bleibt die Frage nach der Lust, nach dem Spaß? „Wie hätten Sie ’s denn gern, Frau Ministerin? Keks gefällig?“

Wurden wir nicht einmal zwei Monate nach dem Tod Oswalt Kolles wieder zu Fortpflanzungsmaschinen zurückgestuft? Vom Begatter bis zum Bestatter? Sex macht Spaß, Selbstbefriedigung macht Spaß. Unterwerfung kann Spaß machen, fragen Sie mal Kachelmann. Enthaltsamkeit macht Spaß. Fragen Sie den Papst! Als echter Kerl möchte man ausrufen: „Die Schwarzers und Schröders gehen einem ganz gewaltig auf den Sack!“ Aber wir „armen Jungen“ haben ja nicht nur Pornos geguckt, sondern auch unsere Hausaufgaben gemacht, also: auf den Keks.

Foto: mannih2001

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