Author: Matthias Schumacher | Date: 21. Oktober 2010 | Please Comment!

Wenn Spiegel Online über ein „Staatsaffärchen“ berichtet und sich dabei auf Sport Bild beruft, muss auch mindestens etwas Affiges vorgefallen sein.
Theo Zwanziger soll jedenfalls affenartig „getobt“ haben. „Der DFB darf sich nicht von der Politik instrumentalisieren lassen“, wird sein Präsident in der
Nordwest Zeitung zitert. Und er hat ja so recht. Ein Einwurf.

Screenshot spiegel.de/dpa

Wo kämen wir hin, wenn eine Kanzlerin im grünen Blazer ungestraft so mir nichts, dir nichts und mitten in der Integrationsdebatte die deutsche Nationalelf in der Kabine heimsucht und sogar einem halbnackten türkischstämmigen Spieler wie Mesut Özil etwas Delikates wie etwa die Hand schüttelt? Händeschütteln ist ein hochpolitischer Akt, der sagen will: „Schön, dass Du da bist!“ – in diesen Wochen ein Affront gegen alle Ungeschüttelten- und gerührten. Händeschütteln geht nicht. Überhaupt ist es ratsam, nur noch mit spitzen Fingern, behandschuht und auf leisen Sohlen durchs Land zu streifen, wo selbst das stille Vor-sich-hin-Treiben in einem bayrischen Bach tagelang für Schlagzeilen sorgen kann.

Mutti kennt das Land wie kein Zweiter und griff zwecks Schadensbegrenzung sogleich beherzt zum Telefon. Ein Entschuldigungszettel hätte wahrlich kaum genügt. Der Zorn des Theo ist legendär.

Nicht auszudenken, wie wir vor dem schäbigen Rest der Welt dastünden, hätte die Kanzlerin unsere Jungs im Mannschaftsbus begleitet und sie auf einer deutschen Autobahn in ähnliche Fummeleien verwickelt – im grünen Blazer. Autobahn geht gar nicht, wie wir wissen. Von grünen Blazern ganz zu schweigen.

Wir sind nur knapp an einem neuen Zeitalter der Kniefälle vorbeigeschlittert. Seit der Lewinsky-Affäre hat das Auf-die-Knie-Gehen im Politikbetrieb einen spermatösen Beigeschmack, der nicht jedem mundet. Angela Merkel vor Theo Zwanziger? Der öffentliche Kniefall einer Frau vor einem Mann hätte eine enorme Signalwirkung gen Orient. Seht, der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland – er ist Deutschland! Die Welt ist voller Fettnäpfe, die darauf warten, bekniet zu werden.

Fußball muss unpolitisch sein und bleiben. Der Sport darf ebensowenig für politische Zwecke benutzt werden wie die Vergabe der Nobelpreise – dort gilt diese güldene Regel wenigstens noch. Zeichen kann man woanders setzen. Niemand darf instrumentalisieren oder instrumentalisiert werden. Zumindest nicht ohne Begleitung des DFB-Chefs, im grünen Blazer und auch nicht im ro… Ausnahmen bestätigen die Merkel!

Angenommen, es handelt sich hier gar nicht um die Beschmutzung des Nationalheiligtums Fußball durch eine Machtpolitikerin, sondern angesichts der notorischen Saunaleidenschaft unserer Kanzlerin vielmehr um einen Fall von Macht der Gewohnheit, Männer in Handtüchern um sich zu scharen…
Das Gleiche in Rot:

Screenshot t-online.de/team.dfb.de

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