Author: Matthias Schumacher | Date: 21. Juni 2010 | Please Comment!

„Der Druck ist gnadenlos“ titelt der SPIEGEL in dieser Woche und die Vermutung liegt nah, dass es sich um Tagebuchauszüge eines zölibatär lebenden Priesters handelt. Aber es ist alles viel schlimmer. Margot Käßmann hat sich nach ihrem Rücktritt im Februar nun den SPIEGEL-Redakteuren Frank Hornig und Peter Wensierski geöffnet. Offen und öffentlich, wie sie es immer tat, spricht sie über sich, nimmt mutig Bezug auf sich, sich, sich, ihr Leben und sich, und schlägt den Bogen zum Großen. Zur Kirche, zur Bundesrepublik, Afghanistan. Und sich. Nun, sagen wir so: Sie bringt sich gern ein. Über neun Seiten!

Es scheint, als sei sie nie zurückgetreten. Ihre Alkoholfahrt spielt sie nicht herunter, bittet jedoch um Verhältnismäßigkeit. Sie versteht das Sparpaket der Bundesregierung nicht und ist noch immer hart auf rot-grünem Kurs. Margot Käßmann, die gute Seele, vom Präsidenten der Synode, Jürgen Schneider, „Bischöfin der Herzen“ genannt. Und wo wir schon bei Schneider sind, sei erwähnt und bekanntgegeben, dass Käßmanns Nachfolger an der EKD-Spitze Nikolaus Schneider heißt und bislang durch vornehme Blässe glänzte. Der gefallene Engel Margot überstrahlt noch immer alles.

Käßmann äußert sich auch zum Tagesgeschehen und sagt, was die Menschen hören wollen. Wo sie aneckt, ist Politik. So war es immer. Das macht das Interview unerträglich. Viel Kritik, keine Lösungen – außer Seelsorge. Vieles was Margot Käßmann sagt, wissen wir längst, haben wir Hunderte Male gehört oder gedacht. Da ist nichts neu. Selbst wie es ihr heute geht, hätten wir uns denken können. Die Frage, wer der rätselhafte Beifahrer war, stellt der SPIEGEL nicht. Käßmann hätte sie auch nicht beantwortet und ein anderer hätte womöglich juristisch eingegriffen. Es ist nur im Suff zu ertragen!

Derweil Margot Käßmann uns mit frommen Worten segnet, geht es bei den Katholiken weiterhin drunter und drüber. Mixa, der Hardliner, der „nicht schwul“ sei, dem nur gelegentlich ein Körperteil ausschlägt, er ist wieder da, bzw. noch nicht richtig weg. Ein Hausbesetzer sei er, schrieb unlängst bild.de. Mixa zwischen Alkohol- und Erwachsenenmissbrauch, zwischen Untreue, Uneinsichtigkeit und fehlendem Unrechtsbewusstsein. Der SPIEGEL vermutet einiges. Vielleicht wissen wir demnächst Genaueres. Irgendjemand wird ihn zum Gespräch bitten und ohne jeden Skrupel alles abdrucken. Auf vielen wehrlosen Seiten arglosen Papiers… Prost Mahlzeit!

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