Author: Matthias Schumacher | Date: 29. Oktober 2009 | Please Comment!

Berlin hat zwei Probleme: Die Unterschicht und Tempelhof. Die eine ist ständig voll, der andere steht leer. Beide kosten Geld. Viel Geld. Unser schönes Geld! Seit Jahren sucht Berlin nach Lösungen. Gemeinnützige Arbeit, Ratten fangen und nun das Betreuungsgeld. Für Tempelhof sind Messen, Messen und Messen im Gespräch. Wie wäre es mit einem Erfolgsmodell, das sich nicht nur in Brasilien und Ecuador bewährt hat? Slums. Für Berlin: Ein zentrales Slum auf dem Flughafengelände in Tempelhof. Und alle Sorgen flögen dahin.

In der Hauptstadt sind derzeit weit über eine halbe Million Menschen auf Hartz IV angewiesen. Und fast jeder wohnt woanders. Ein zentraler Anlaufpunkt für die Behörden würde Kosten und Arbeit sparen. Sozial- und Jugendamt, sowie die Polizei wüßten immer sofort, wo Schmarotzer, Schulschwänzer, prügelnde Eltern, Integrationsunwillige und jugendliche Gewalttäter zu finden sind. Vorteile, die klar auf der Hand liegen.

Die taz hat gestern errechnet, daß der Fughafen Berlin-Tempelhof 3,4 Mio. Quadratmeter Fläche umfaßt. Jedem Berliner könnte folglich ein Quadratmeter zugeteilt werden. Was ja gar nicht notwendig ist. Denn trotz aller Bemühungen hat es der rot-rote Senat unter der Regentschaft von Klaus Wowereit noch nicht geschafft, die gesamte Bevölkerung zu Arbeitslosen zu machen. Auf jeden Hartz-IV-Empfänger entfielen somit fast 6 Quadratmeter Flughafen. Sehr üppig. Die derzeitige Gesetzgebung sieht 45 Quadratmeter für die erste Person vor. Wer braucht einen solchen Palast?

Ein typischer Hartz-IV-Haushalt besteht grob geschätzt aus mindestens 7 Personen. Diese würden dann auf über 40 Quadratmetern leben dürfen. Natürlich staatlich finanziert. Im Gegenzug würden in Neukölln, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Kreuzberg geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen frei, um die sich der gierige Berliner Immobilienmarkt reißen würde. Leerstand – in Berlin ein Fremdwort. Die Wohnräume würden binnen weniger Tage an zahlungskräftige Manager und Heuschrecken jeder Art vermietet, die hier in einer zunehmend sauberen Stadt gern investierten. Zur Sauberkeit etwas später mehr.

Da es keinem Senat und keiner Bundesregierung gelungen ist, sämtliche Hartz-IV-Empfänger wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern, kann man davon ausgehen, daß dies schlicht unmöglich ist. Folglich ist gefördertes Rumhängen und Saufen die einzige Alternative. Die Würde des Menschen bleibt auf diese Weise unantastbar.

Um konservative und neoliberale Kräfte in dieser Republik zu beruhigen, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß Slum-Bewohner für gewöhnlich ganze Tage damit zubringen, Müll zu sammeln und sich davon zu ernähren. Dies wird auch in Berlin geschehen. Voraussetzung hierfür ist, daß die Pläne von FDP-Mann Martin Lindner, der nun im Bundestag seine Ziele weiterverfolgt, schnellstmöglich umgesetzt werden. Im Juli forderte Lindner, die Hartz-IV-Regelsätze um 30% zu kürzen, wenn deren Bezieher bezahlte, gemeinnützige Arbeit ablehnten. Daß dies ein für Leistungsbezieher übliches Verhalten ist, sollte jedem fleißigen Bürger hinlänglich bekannt sein.

Die Kürzung des ALG II führte zu einer direkten Entlastung der Berliner Stadtreinigung, die seit Jahren vollkommen überfordert scheint. Die Umsiedlung der Leistungsbezieher, die einen besonders hohen Verschmutzungsgrad haben, hätte somit einen doppelt positiven Effekt: Einst auf Straßen und Gehwegen Entsorgtes würde aufgeklaubt und im Winter verheizt. Eine Verschönerung des Stadtbildes wäre die unmittelbare Folge.

Darum: Slums For Germany! Slums entlasten die Kassen und fördern das sozialverträgliche Frühableben. Einsamkeit und explodierende Pflegekosten im hohen Alter sind nahezu ausgeschlossen. Jung und Mittelalt verbringen auf engstem Raum viel Zeit miteinander, was dem CDU-Bild einer Großfamilie im traditionellen Sinne entspricht.

Sie sehen, es ist an alles gedacht. Sie halten das für Satire?
Vielleicht ist es Ihre Zukunft.

Fotomontage: Matthias Schumacher
unter Verwendung von
mckaysavage (flickr)

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