Author: Matthias Schumacher | Date: 19. Mai 2012 | Kommentare deaktiviert

Verstehen-Sie-Spass-1980-ARD-A in »Mal sehen, wie er darauf reagiert!« - Zum Tode von Kurt Felix

Die Schweiz hat zwei gewaltige Exportschlager in Sachen Humor und Unterhaltung hervorgebracht: Emil Steinberger und Paola und Kurt Felix.
Die beiden Letztgenannten sind zu einem Atemzug verschmolzen und wer Paola sagt, muss auch Kurt Felix sagen. Eins geworden. 29 Mal in 7 Jahren präsentierten sie gemeinsam “Verstehen Sie Spaß” und ließen Chris Howlands “Vorsicht Kamera”, ein 60er-Jahre-Format, bald vergessen. Schatten warfen die aus heutiger Sicht sehr braven Felixschen Verladen aber auch auf alles danach. Kein Versuch, Prominente und Normalbürger reinzulegen, wirkte so lange nach.

Legendär: Der Moment, wenn es zum Gau kam, wenn sich die geschickt und von langer Hand eingefädelte Situation gegen das “Opfer” richtete und Kurt Felix mit Schweizer Akzent aus dem Off den Abschuss freigab: “Mal sehen, wie er darauf reagiert.” Ist dieser Satz je so gefallen? Oder eine dieser Beam-me-up-Scotty-oder-Harry-fahr-schon-mal-den-Wagen-vor-Legenden? Man hört ihn Kurt Felix in der Erinnerung immer wieder sagen. Oder Paola. Dass Kurt Felix vor dem Sprung auf den Samstagabend neun Jahre lang ohne Paola Deutsche und Eidgenossen mit versteckter Kamera reinlegte, daran erinnern sich zumindest hierzulande nur noch die Chronisten und nun die Nachrufschreiber.

Kurt Felix ist tot. “Verstehen Sie Spaß” hat sich überlebt. Die gute alte Fernsehzeit ist längst hinüber. Über 20 Mio. Zuschauer lockten Paola und Kurt Felix vor die Apparate. Das schafft heute nur noch der Fußball. Die Fernsehlandschaft ist verödet. Viele Traumbäume wuchsen nach der Ära Felix in den TV-Himmel und wurden rasch gefällt, wenn sie nicht genug Ertrag brachten. Kurt Felix und Paola hat man immer abgenommen, dass sie ihre Show für die Menschen machten und – trotz aller Streiche - mit den Menschen und nicht gegen sie. Diese Glaubwürdigkeit, diese Artigkeit noch im Boshaften, die nicht mit Spießigkeit oder Biederkeit verwechselt werden darf, hat sie auf Augenhöhe mit dem Publikum gebracht und über alle anderen erhoben. Unerreichbar.

Wenn ein Spaßvogel in den Himmel aufsteigt, ist das nicht immer lustig.
Ade, Kurt Felix!

19/05/2012

Author: Matthias Schumacher | Date: | No Comments »

Rainbow in Ersatzverkehr mit Busen

Diese Zeilen sind jenen gewidmet, die sich durch gesellschaftlichen Druck in Beziehungen gedrängt wurden, die sie, hätten sie eine Alternative gesehen, nicht eingegangen wären. Dieser Text gehört den Männern, denen es nicht möglich schien, frei ihre Homosexualität zu leben und sich für den schweren Weg in eine heterosexuelle Partnerschaft entschieden haben – und nun, nach eingegangenen Verpflichtungen, nach der Geburt von Kindern keine andere Möglichkeit sehen, als das Rollenspiel fortzuführen. Diese Zeilen gehören jenen, die nicht aus ihrer Verantwortung fliehen, die gegen ihr Innerstes bei Ihren Partnerinnen bleiben, mag es aus Schuldgefühlen, Angst, Schwäche oder ehrlich empfundener Zuneigung sein.

In dieser Stunde denke ich an Euch, ihr seid so viele. So viele, die mit schlechtem Gewissen heimlich ihren eigentlichen sexuellen Vorlieben nachgehen. Bei denen jedes Fremdgehen ein Heimkommen ist, eine Erlösung und Hölle zugleich, und jede Erfüllung der ehelichen Pflichten lediglich ein Ersatzverkehr mit Busen.

Ich denke an die Versteckten und Latenten. Keiner macht es sich leicht.

Ich denke auch an die, die noch jung sind und ihr Leben leben, frei und fern der Orte, in denen sie aufgewachsen sind. Denke an die, die sie selbst sind und wenn sie auf ihre Eltern treffen, von Freundinnen berichten oder schweigen, die Nachfragen der Verwandtschaft geduldig ertragen, um ihre Eltern nicht in Verlegenheit zu bringen. Ich kenne das. Ich fühle mit Euch.

Ich kann Euch nichts raten, nur wissen lassen, Ihr seid nicht allein. Vielleicht wird es eines Tages ein neues Denken geben. Es ist noch fern und nur in den Großstädten auf einem guten Weg. Euch, die Ihr in Eurem Leben, in Euren Partnerschaften verwurzelt, verhaftet, eingeschlossen seid, einem Leben, auf das alle bauen und auf das Ihr alles gebaut habt, Euch wird dieses Denken kaum helfen. Vielleicht Euren Kindern. Seid offener als Eure Eltern und die, die Eure Auswege versperrten. Seid für Eure Kinder stärker als Ihr es wart! Das neue Denken muss bei Euch beginnen und weitergetragen werden, für nächste Generationen. Damit nicht auch eines Tages für sie der letzte Zug abgefahren ist und nur ein Ersatzverkehr mit Busen bleibt.

19/05/2012

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Retusche des Homosexuellenbildes

Author: Matthias Schumacher | Date: 13. Mai 2012 | No Comments »

597px-Bundesarchiv Bild 183-S75801 Berlin Blick Auf Die Zerst Rte Stadt in Getroffen

Die Geschichte einer Begegnung in den Trümmern Berlins. Jetzt lesen >>>

Author: Matthias Schumacher | Date: 11. Mai 2012 | No Comments »

www.wir-sind-die-urheber.de

Matthias-Schumacher Wir Sind Die Urheber in Ich bin der Urheber!

 

Es ist nicht die erste Aktion von Autoren und Künstlern, die sich für das Urheberrecht einsetzen. Aber es ist die erste, die bundesweit wahrgenommen wird. Ich habe unterschrieben. Und ich habe aus tiefster Überzeugung unterschrieben. Es sind schon lang alle Argumente ausgetauscht und Erklärungen überflüssig. Hier galt und gilt es, Farbe zu bekennen. Welch ein gewaltiges Podium wurde in den vergangenen Monaten denen geboten, die das Urheberrecht verändern oder abschaffen wollen! Wie wenig kamen die zu Wort, die es stützen, stärken und in ihren Grundfesten erhalten wollen, weil es sinnvoll und nützlich ist, weil es sich bewährt hat und eine Errungenschaft darstellt. Sicher, nichts ist für die Ewigkeit, alles ist im Wandel. Aber solange die Frage “Wovon soll der Künstler, der Autor am Ende des Tages leben?” unbeantwortet im Raum steht, ist das Urheberrecht wie wir es in Deutschland derzeit haben und Verwertungsrechte nicht die schlechteste Lösung. Vielleicht kommen wir nun endlich dahin, dass Urheber, Nutzer und Urheberrechtsgegner ins Gespräch kommen und sich vielleicht annähern und verstehen können. Und Lösungen finden. Ein Argument wie “Das Urheberrecht in seiner Form wurde von der digitalen Wirklichkeit überholt” ist inakzeptabel. Ganz einfach, weil es falsch ist und lediglich eine Aussage, die meint, dass etwas, nur weil es geht, richtig ist oder mit der Zeit zwingend richtig werden muss. Würden morgen alle zu morden beginnen und sich daraus eine Gewohnheit ergeben, weil die Behörden mit der Strafverfolgung nicht mehr nachkämen und selber morden würden, wäre es dann richtig? Polemik? Schauen Sie mal, was die Gegenseite an Argumenten zu bieten hat und wie wenige Antworten.
Wir haben das Urheberrecht. Wir sind die Urheber.

Matthias Schumacher
(seit 2006 Wahrnehmungsberechtigter der VG Wort)

Author: Matthias Schumacher | Date: | No Comments »

Konstantin-Wecker in Der 280-Euro-Wecker

Wie kürzlich in einem Artikel erwähnt, verlost die GEMA derzeit in einer Kampagne pro Urheberrecht u.a. ein exklusives Privatkonzert mit dem Liedermacher, Schauspieler, Autor, Kapitalismus-, Kriegs-; Banken-, Gesellschafts-; Westerwelle-, Stuttgart-21-, Schäuble-, Gerd Schröder-, Merkel- kurz: Allroundkritiker Konstantin Wecker. Wecker und die GEMA: 
Ein Traumpaar. Eine Symbiose. Nehmen, geben, sich ergänzen. Nichts dagegen zu sagen!

Es ist beruhigend, wenn ein Quälgeist eine Lampe à la Aladin gefunden hat, in der er sich zu Hause fühlt. Und immer, wenn sich irgendwer an irgendwas in diesem Lande reibt, erscheint Dschinn Konstantin mit Getön und Gebraus, das einiges einspielt und von der GEMA ordnungsgemäß verwertet wird. Man liebt sich dafür. Wobei Wecker die GEMA künftig etwas mehr zu brauchen scheint, als die vielleicht ihn:

Wie der 64jährige nun dem Mannheimer Morgen in einem vielzitierten Interview öffentlich anvertraute, habe er seine Rente eingereicht, “heraus kamen 280 Euro.” Gäbe es da nicht die GEMA! “Ohne die GEMA hätte ich also keine Altersversorgung.” Gott schütze die GEMA! Und dann gibt er der Piratenpartei noch eins mit, weil die ihm diese 280 Euro durch Urheberrechtslockerung nehmen will. Darauf läuft seine Aussage sinngemäß hinaus. Und der Unmut ist verständlich. Überhaupt diese Piratenpartei: “Ich habe noch keine Ahnung, wie ich die Partei einschätzen soll. Wird das eine neue FDP oder wollen die sich sozialen Themen widmen?” Wecker stehe auf der Seite der GEMA, sagt er. Also auf der Seite der FDP. Das sagt er aber nicht, denn die ist unsozial. Wes Tantiemen ich krieg, von dem lass ich mich verlosen! 

Einer wie Wecker, der über 40 Alben produzierte (16 Chartplatzierungen), der an 16 Musicals arbeitete, der mehr als 40 Film- und Fernsehmusiken und 23 Bücher schrieb und in 50 Filmen spielte, muss eine arme Sau sein. Nicht zu vergessen, all die Fernsehtermine und Konzerte, wo man ihm Geld (pfui!) auf das Konto einer Bank (pfui!) überwies. Eine private Rentenvericherung bei einem dieser Versicherungskonzerne? (Pfui, pfui, pfui!) Eigenverantwortung ist eh viel zu FDP, unsozial und oberpfui!

Wünschen wir ihm alles Gute und dass ihn im Alter weder Geldsorgen noch Nackenschmerzen plagen. Doch wo sollte er sonst all den Zaster bunkern, wenn nicht unterm Kopfkissen? Man kann ja in diesem System niemandem trauen!

PS: Die Liste der Wecker-Produkte wurde Wikipedia entnommen. In Wahrheit hat der Künstler noch viel mehr gearbeitet und sein Kissen liegt noch viel höher. PPS: Gibt Leute, die gar nichts von der GEMA bekommen!

11/05/2012

Author: Matthias Schumacher | Date: 10. Mai 2012 | No Comments »

Schreibzeit-2012-Matthias-Schumacher in Meine neuen und neuen alten Gedichte

In den vergangenen Wochen habe ich nach und nach neue und neue alte Gedichte veröffentlicht, die allerdings nicht auf der Startseite erschienen sind. Es ist Lyrik, die entweder neu geschrieben, überarbeitet oder vollendet wurde – wie mein »Erstes Bild«, das für einige Tage den Titel Phönix trug. Nach sechs Jahren immer wieder unterbrochener Arbeit an seinen 20 Zeilen kam es im Feuer der Begeisterung zu gefährlichen Funkenschlägen. Da dies Gedicht aber in den ersten beiden Zeilen eine Schwarzweiß-Fotografie aus meinen frühsten Kindertagen beschreibt und darauf aufbaut, bekam es seinen ursprünglichen Namen zurück, obwohl mir Phönix noch immer bedeutsamer, beeindruckender, irgendwie eleganter erscheint >>>

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Fast ein Klassiker, da und dort in Anthologien und auf anderen Websites veröffentlicht, ist mein »Reigen«. Ich habe ihn kürzlich in einer ruhigen Stunde eingelesen und so können Sie mich nun akkustisch durch den Jahreskreis begleiten >>>

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Mein Zyklus »Expressio«, der in dieser Fassung lediglich zwei expressionistische Gedichte versucht, muss nicht weiter erklärt werden und bedarf höchstens der Ergänzung, das zu ihm auch die »Regenszenerie« zählt. Aber Sie als Käufer meines eBooks wissen das ja >>>

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Unveröffentlicht waren bislang jene sieben Gedichte, die ich zum Zyklus »Schatten« zusammengefügt habe. Lyrik früher Zeiten, teils 13 Jahre alt und in Stil und Form noch älter wirkend. Es sind die Anfänge meiner ernsthaften Dichtkunst. Entstanden unter dem Eindruck der Poesie von Hesse, Eichendorff, Novalis und dem Einfluss ehrlich empfundener Romantik >>>

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So dunkel die Schatten, so sauer die Zitrone. Frau Zitrone hat es sogar schon einmal ins Radio geschafft. Ich verweigere allerdings die Auskunft darüber, bei welchem Sender, es ist mir noch immer etwas unangenehm. Frau Z., die im Zyklus ihrer vier Gedichte allerhand durchgemacht hat, würde es verstehen >>>

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10/05/2012

Author: Matthias Schumacher | Date: 9. Mai 2012 | Kommentare deaktiviert

Bundesarchiv B 145 Bild-F032319-0028 Flughafen K Ln-Bonn Reise In Die UdSSR-2 in Exklusiv! Brandtneue Kampagne für Flughafen BBI/BER vorgestellt!
Fakten zur Kampagne: Es werden monatlich 15 Millionen Euro investiert.
Wowereit und Platzeck nehmen weiterhin keinen Spaten in die Hand.
Willy Brandt ist tot.

09/05/2012
Author: Matthias Schumacher | Date: 6. Mai 2012 | No Comments »

Damals waren die Stars noch ferner und wirkten größer. Es gab keine Geräte, um mit Idolen in ständigem Kontakt zu stehen. Unnahbar waren sie, die wir aus der überschaubaren Medienwelt kannten. Publikumslieblinge waren nicht beliebig austauschbar. Man gierte nach ihnen, weil nur Häppchen gereicht und wir nicht so abgefüllt wurden.

Damals gab es noch Sternenstaub auf den Pralinen, heute Konfetti auf Knallbonbons. Damals Marlene und die Knef, heute Harald Glööööö-usw.-kler und die Katzenberger. Auch Guido und Klaus wirken entrückt und unnahbar, aber der Rest ist doch nur Westerwelle und Wowereit. Politiker können keine Diven sein, Politikern verzeiht man nicht. Diven verzeiht man irgendwann alles – sogar, das Richtige getan zu haben.

06/05/2012

Author: Matthias Schumacher | Date: 2. Mai 2012 | No Comments »

SAT.1, ARD, SAT.1, Sky. Danach bleibt ihm nur noch das Internet.
Matthias Schumacher rät Harald Schmidt ab und sagt dem deutschen Fernsehen die Zukunft voraus.

Harald-Schmidt in Der unaufhaltsame Harald S.

Dass kaum jemand zusieht, heißt nicht, dass etwas im Fernsehen schlecht ist. Manchmal ist es nur schlecht platziert wie ein Blumenkohl im Supermarktregal neben den Damenbinden. Manchmal weiß man etwas nicht zu schätzen oder versteht es nicht, weil es einem zu hoch ist. So erklären sich arte und 3sat. Manchmal kann man es aber einfach nicht mehr sehen. Darum geht Harald Schmidt nun zum Premiere-Nachfolgesender Sky und wird verschlüsselt. Wer nicht zahlt, kann Schmidt fortan nicht mehr zusehen bei dem, was er seit 1995, unterbrochen von kleineren und größeren Kreativpausen, mal dort, mal da gezeigt hat.

Wenn wir bisher fragten »Hast du gestern Abend Schmidt gesehen?« und das Gegenüber «Nein« antworte, so wird es künftig wohl mit »Nein« antworten. Der feine Unterschied zwischen Nicht-sehen-wollen-aber-können und Nicht-sehen-können-und-nicht-wollen spielt keine Rolle. Die verschwindend geringe Zahl derer, die Schmidt sehen wollen und nun nicht mehr können, entspricht exakt jener Zahl, bei der sich für Fernsehschaffende der Boden auftut. Man fällt, manchmal bleibt man irgendwo hängen. Wie Harald Schmidt hängenblieb. An der ARD, dann aber zu SAT.1 zurückgespielt wurde und nun weiterfällt zu Sky. Danach bleibt ihm nur noch das Internet. Vielleicht wird er eines Tages selbsterstellte Videos bei YouTube hochladen und bloggen, wie so viele Profilneurotiker, die sonst nichts geschossen kriegen oder ihre Sachen für Geld nicht loswerden.

Nüchtern betrachtet ist der Wechsel zu Sky nichts weiter als das: ein Wechsel. Einer der allein interessant wird durch die Person Schmidt. Die Bedeutung von Schmidt erkennt man besonders gut daran, dass zwar nur noch 500.000 Menschen seine Show verfolgten, aber seit Bekanntgabe des vorzeitigen Endes bei SAT.1 gefühlt 500.001 Journalisten dazu etwas zu schreiben wissen. Es scheint, als habe Schmidt in den vergangenen Jahren nur noch für die Presse und Verlagshäuser gesendet und gespielt. Detailliert wird über Vergangenes berichtet. Und warum die Show, die den Bayerischen Fernsehpreis, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Romy und zweimal den Grimme-Preis bekommen hat, nicht mehr sehenswert ist, weiß niemand so recht. Sie habe sich überlebt, lautet der Grundtenor derer, die Schmidt weg haben wollen. Besseres ist kaum jemandem eingefallen. Mag was was dran sein. Die Fürsprecher haben nicht wirklich bessere Argumente, dennoch wollen sie ihn behalten. Weil er anders ist. Das ist die Verehrerfraktion, die zwar auch selten reinschaltet, ihn aber vergöttert.

Das Bekenntnis zu Schmidt ist ein religiöses. Ja oder nein. Man glaubt nicht wirklich mehr an ihn, aber es bestehen Zweifel, dass es in Zukunft ohne ihn gehen wird. Schmidt schuf die wochentägliche Late Night Show für Deutschland und man sah ihr manchmal an, dass er sich statt sieben Arbeitsstunden keine sieben Sekunden darüber Gedanken gemacht hat, wie sie aussehen könnte. Heute Meisterwerk, morgen solides Handwerk, übermorgen Bergwerk, das unterirdischer kaum sein konnte. Der Gastgeber war in alldem immer erkennbar, die Harald Schmidt Show immer schmidtsch.

Er war einer mit dem rechnen konnte und er war nie so ganz durch wie manch anderer der Branche. Er hat’s gebracht und wenn das Ende nahte, brachte er es besonders gut. So war es bei SAT.1, so ist es nun wieder bei SAT.1 gewesen. Er war oben, unten und auf dem Traumschiff, einem Ort jenseits von gut und böse. Aber erfolgreich. Er hat mit Herbert Feuerstein die Schallmauer durchbrochen, mit Manuel Andrack die Reiseflughöhe erreicht und mit Pocher eine Bruchlandung hingelegt. Und ist davon weitgehend unbeeindruckt einfach weitergeflogen. Unaufhaltsam. Im Aufstieg wie im Sturz.

Vorzuwerfen ist ihm am Ende seiner Zeit im Öffentlichen allenfalls, dass er in den 90ern »Verstehen Sie Spaß?« nicht tief genug versenkte und dass er geht, aber Spaßvogelscheuche Guido Cantz durch Schmidt weiterhin sein Unwesen treiben kann. Irgendwann aber wird es ein großes Aufräumen geben und dann wird man sehen, dass Schmidt nicht weg-, sondern nur vorgegangen ist. Gottschalk folgt ihm schon bald, weil man gesehen hat, wie wenig Moderator noch 20 Jahren »Wetten dass..?« von ihm geblieben ist. Andy Borg wird es treffen, eines Tages schließt jeder Musikantenstadl. Bei den Privaten wird künftig noch schneller abgesägt, denn eine Erfahrung wie mit Schmidt wird nicht zu größerer Experimentierfreude und Geduld führen. Mit Schmidt sind alle Dämme gebrochen. Niemand ist mehr zu halten. Rette sich, wer kann!

Es wird ein munteres Personalkarussell rotieren. Senderwechsel, die heute noch spektakulär scheinen, werden Tagesgeschäft und nur noch Randnotiz sein, weil es große Namen, die über 16 Jahre ein Format tragen, die uns vertraut sind, nicht mehr geben wird, geben kann. Die Zeiten sind andere als 1995. Sie sind heute schon anders als gestern. Dieser Allgemeinplatz bestimmt künftig den Sendeplatz. Sich rasant verändernde Sehgewohnheiten bestimmen, was läuft und wie lange. Doch die Sehgewohnheiten sind wie die meisten Gewohnheiten antrainiert, anerzogen. Und es sind nicht immer die besten Gewohnheiten. Schlechter Geschmack gehört dazu. Die Frage, ob gute Qualität noch vom Zuschauer erkannt wird, muss gestellt werden. Und sie kann gleich wieder vergessen werden. Denn Fernsehen macht man nicht mehr fürs Publikum. (Außer das Traumschiff.) Das spürt der Zuschauer und kämpft sich durch den Brei, der ihm da ins Wohnzimmer geschleudert wird. Mit etwas Glück bleiben dann 4 Millionen Menschen zur Primetime gleichzeitig irgendwo kleben, etwa bei DSDS. Was schon als Erfolg gefeiert wird. Ist es nicht eher ein Mangel an Alternativen?

Die Branche ist heute schon hektisch, wenn etwas nicht so richtig läuft. Morgen wird es nicht besser sein. Man kann sich wünschen, dass wieder Mut und Kreativität ins Fernsehen einziehen, aber damit wird es wohl nichts, weil keiner gern die Handbremse zieht, wenn alle rennen. Da rennt man lieber mit. Die Letzten werden die Letzten sein. Lieber für eine Staffellänge Sülze-TV Erster! Abgreifen, nächstes Format. Ob etwas gut ist, entscheidet die Quote. Derzeit wird verstärkt auf »Erfolgsserien aus den Vereinigten Staaten« gesetzt, womit sich ganze Senderfamilien über Wasser halten und wer sich wundert, warum mancher beim Anblick von Schwulen und Transsexuellen die Nase rümpft, findet einen Teil der Antwort bei Detectiv Stabler, der mit seinen engagierten Kollegen zur New Yorker Sondereinheit für Sexualverbrechen gehört. »Law & Order: Special Victims Unit«.

Wir werden vom amerikanischen Fernsehen geprägt. Mehr als uns lieb sein sollte. In Moralvorstellungen und Gerechtigkeitsgefühl. Nicht dass uns amerikanisches Fernsehen näher wäre als britisches, italienisches, nicht weil es besser ist als das osteuropäische, indische, asiatische, russische, es hat lediglich bei uns Tradition, gilt als schicker als Produktionen aus Österreich und wird den Sendern offenbar günstig im Paket angeboten. Dass unsere Lebenswirklichkeit kaum etwas mit der dort dargestellter Charaktere zu tun hat, stört niemanden. Und so identifizieren sich Karlsruher Hauptschüler mit kalifornischen Highschool- oder Collegeabsolventen und Detmolder Hausfrauen mit den »Desperate Housewives«. Es ist erstaunlich, dass US-Serien funktionieren, Late Night hingegen, ein uramerikanisches Format eher weniger. Und Commercial Breaks mögen wir auch nicht. Sind wir nun anders als die oder nicht? Wir werden es nie erfahren, wenn wir uns weiterhin mit dem begnügen, wozu hierzulande Produzenten der Mut fehlte oder die klugen Köpfe. Es gab einmal große deutsche Vorabendserien und die sogenannten Weihnachtsserien, von denen viele noch heute schwärmen. Inzwischen ist der Vorabend tot.

Mit Eigenproduktionen, Ideen, Idealen und gutem Geschmack könnte man einiges… bei Geschmack fällt den Sendern heute nur eines ein: Kochshow. Dazu Promis, Hunde, Pseudo-Dokus, die größten Dings, die dicksten Bums.

All das hat Harald Schmidt geboten. Formate im Format. Skizzenhaft. Angespielt und totgeritten. Von den »Weisheiten des Konfuzius« bis hin zu den »Klassikern des Herrenwitzes«. Vieles was irgendwo versendet wurde, nahm er aufs Korn und unter die Lupe, nichts war ihm heilig. Und wenn alles so kommt, wie es sich andeutet, bekäme er künftig noch allerlei Futter.

Warum dieser Nachrufton? Er geht nur zu Sky! Und dann?

Diese Geschichte mit dem Internet sollte sich Schmidt, so er sie erwägt, weil er fest davon überzeugt ist, dass die Welt ihn braucht, noch einmal gründlich überlegen. Im Internet gibt es schon alles. Im Internet kann man nix verdienen. Im Fernsehen schon und im ZDF war er noch nicht. Vielleicht läuft »Wetten dass..?« mit Lanz so gut, dass der seine tägliche Talkshow einstampft und dann könnte…

»Himmel auf Erden«, wie Harald Schmidt, der Katholik, seinen neuen Arbeitgeber nennt – vielleicht ein Ort der Auferstehung.
Wir werden es sehen, wenn wir bezahlen

02/05/2012
mit Updates 

Author: Matthias Schumacher | Date: 20. April 2012 | No Comments »

Matthias Schumacher schaut ins Flachland der deutschen Kultur- und Medienlandschaft und stößt sich am Horizont des Publikums und am fehlenden Mut, darüber hinauszugehen. Eine weit ausgeholte sanfte Watsche im großen Bogen über BILD, Tipitipitipso und Hossa – mit © und Grips. Ein Essay.

5107661272 06ba5d3922 in Deutsches Publikum: Die Angstmacher - ODER: Künstler sein dagegen sehr

Keine BILD-Zeitung mit einer Reichweite von 12 Mio. Lesern ohne 12 Millionen BILD-Leser, keine SPIEGEL-Bestsellerdauerplatzierung von Eckhart von Hirschhausens »Glück kommt selten allein«, kein vorprogrammierter Charteinstieg des nächsten RTL-Superstars ohne das bereitwillige seichte deutsche Publikum. Wer als Kreativer überleben will, gibt ihm, wonach es lechzt.

Das BILDblog nimmt seit acht Jahren vor allem das Treiben des Springer-Riesen auseinander, korrigiert, kritisiert, klärt auf. Der Literaturkritiker Dennis Scheck ließ Hirschhausen bereits vor zwei Jahren in »Druckfrisch« die Rampe runterrollen. Aktuell belegt der Dr. mit seinem Beglückungsbuch beim SPIEGEL Platz 7. Und es wird schwer, einen Journalisten zu finden, der sich nicht in irgendeiner Weise an DSDS abgearbeitet hat. Die Quote sinkt in der neunten Staffel. Ein natürlicher Prozess. Sonst blieb das Publikum von Kritikerstimmen weitgehend unbeeindruckt und die Applaussammler machen weiter wie gehabt.

Deutschland hat ein mutloses Fernsehen, eine Radiolandschaft mit den jeweils größten Hits der letzten 30 Jahre, eine eingefahrene Zeitungslandschaft, Verlage, die Bücher rausschleudern wie Bananen Fred seine Früchte auf dem Hamburger Fischmarkt. Pseudorebellische Autoren, Musiker, die liefern müssen, was sie immer lieferten, Schauspieler, die festgelegt sind, Blogger, die sich im Kreis drehen… weil es das Publikum so zu wollen scheint. Es ist nicht dumm, es ist bequem und darum verdummungsanfällig.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Viele Künstler wissen um den beschränkten Horizont des deutschen Publikums und liefern brav ab, was man von ihnen verlangt, auch wenn es sie quält. Da war Roy Black, der rocken wollte und sich gezwungen sah, Weichgespültes runterzusingen, da war Romy Schneider, in der viele Deutsche bis heute die Sissi und nicht das sehen, was sie war – eine Schauspielerin von Weltrang.

Da waren jene, die sich arrangierten, etwa Peter Alexander, der Entertainer, der Jazzer, der den Schwiegermutterliebling gab, da war auch eine Caterina Valente, die wie jüngst in der ARD noch einmal gesehen, ein Star mit einem festen Standbein im amerikanischen Showbusiness war und sich zwischen New York und Las Vegas den Wolf sang und steppte, doch wenn sie nach Deutschland kam zum braven Schlagerlamm mutierte. So liebte Deutschland die Valente: Tipitipitipso! Und nun stellen Sie sich ein Klassikkonzert mit Tony Marshall vor, dem ausgebildeten Opernsänger, Klassik ohne »Schöne Maid«. Fluch oder Segen?

Gefangen im Markenzeichen. Zu versuchen, etwas gegen den Geschmack des Publikums durchzusetzen, scheint hierzulande unmöglich. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass man dann einen großen Teil des Publikums verliert. Wer kann so etwas wollen? Doch gegen das Publikum muss es ja gar nicht sein. Versuche, das Publikum auf Neuland mitzunehmen, scheitern allerdings an der Bockigkeit und den Gewohnheiten der Masse. Nur von der Masse kann man aber leben. Oder von wenigen, die bereit sind, viel zu zahlen. Häufiger scheitern derlei Experimente aber wohl doch an der Mutlosigkeit der Macher. Es gilt: Experimente vielleicht, aber bloß keinen verschrecken! Nummer sicher. Vielleicht ein neues Studio, ein Loft in Berlin, Internet einbinden, ein teuer eingekaufter blondgelockter Moderator…

Natürlich will der Künstler leben, von dem was er tut, doch vielen geht es auch um die Anerkennung und ganz simple um das Gefühl, geliebt, ernst genommen und anerkannt zu werden. UND: Darum etwas zu sagen. Dazu bedarf es offener Ohren und der Bereitschaft des Publikums, sich einzulassen. Mancher Künstler ist in seinen Fähigkeiten so beschränkt, dass er froh ist, das unters Volk bringen zu können, was es von ihm will. Doch mancher ist sturzunglücklich, wenn das Publikum zum zehntausendsten Mal »Hossa« fordert. Wer nicht »Hossa« gibt, dem rennen die Leute davon. Und andere, die »Hossa« nie mochten, hören beim neuen Tra-la-la schon gar nicht hin. Denn das ist ja der mit dem »Hossa«, war der mit dem »Hossa«. Ein Dilemma. Die Psyche des Künstlers und der Irrsinn des Publikumsgeschmacks wird auch in der gerade mal wieder hochgeschaukelten Urheberrechtsdebatte außen vor gelassen.

Der Künstler heute kuscht oft und bedient die Massen. So ist der Massengeschmack zum Non plus ultra geworden, zum Maß der Dinge, zum Mittelmaß. Hin und wieder reißt einer nach oben aus, aber der wird schnell wieder geerdet, wenn die Einnahmen zurückgehen und die Existenz bedroht ist, was bei Künstlern oft einer Seelenverbrennung gleich kommt.

Das Künstlerwesen
Künstler werden ist nicht schwer, Künstler sein… 

Im Augenblick wird also wieder manches über Urheberrechte geschrieben und ein gewisser Zirkel interessiert sich auch dafür. Doch das Wesen des Künstlers, das individuelle Wesen bleibt außer Acht. Zwänge, Nöte, Ängste, der innere Drang und welch ein Frevel es wäre, wenn ein weiteres Talent verkümmert, spielt keine Rolle. Auch dreht es sich allzu oft um klassische Autorenrechte, um Honorare oder Tantiemen. Musikrechte. Nutzerrechte. Gelegentlich dreht es sich um wissenschaftliche Arbeiten. Von Fotografen, Videokünstlern, Malern, Drehbuch- oder Bühnenautoren oder Verfasser anderer Gattungen, von Regisseuren usw. wird kaum geredet. Die Lage von Künstlern, die ich vor Jahren schon ansprach, hat sich kein Stück verbessert. Das Gagendumping bei der Nachwuchsförderung und Debütfilmen anzuprangern, überlassen wir weitgehend Vereinen. Der Komplex ist gewaltig, es geht um Freiberufler wie Angestellte, um Ideale und Marktwirtschaft. Autoren haben es am leichtesten, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. In Print- und Onlinemedien wird nun über Geld geschrieben. Vornehmlich übers Geld von Autoren. Künstlersolidarität scheint es kaum zu geben. Jeder kämpft für seinen Bereich. Urmenschlich und doch am Ende zu kurz gedacht.

Zum Gelde drängt alles

Es sollte es ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sein, jene, die uns unterhalten, aufrühren, berühren, die uns inspirieren bis schockieren vernünftig zu entlohnen. Wer aber nach dem Staat schreit, schreit ins Leere. Die Kassen sind leer und gefördert werden seit Jahren fast ausschließlich große Namen, die ganz laut schreien und genügend mediale Aufmerksamkeit erzielen können.

Wir müssen auch über Eintrittspreise reden, darüber, ob wir bereit wären, ein oder zwei Euro mehr auszugeben, auch um Stücke oder Filme mitzufinanzieren, die vielleicht nicht den Mainstream bedienen, aber doch künsterisch wertvoll sind. Die Geiz-ist-geil-Kultur hat fatale Auswirkungen auf unser kulterelles Erbe. Denn es kann nicht in unserem interesse liegen, nur noch Massentaugliches zu schreiben, aufzuführen, zu senden. Auch hier endet bei vielen Kulturkonsumenten der Horizont.

Nun wird ja viel ungefragt veröffentlicht und es wäre leicht, die Hoffnung, damit etwas zu verdienen, mit den Worten abzutun: »Selbst schuld, soll er es doch lassen!« Dann wären die Inhalte dieser Website ungeschrieben. Und wenn jene, die kaum etwas mit ihrer Kreativität verdienen, auch nur einen Tag streiken würden, wäre es sehr sehr still im Netz, auf den Bühnen, im Wort- und Darstellungsbetrieb.

Es wird konsumiert, aber kaum gezahlt, Werbung, die Internetangebote finanzieren soll, wird rigoros ausgeblendet, Bezahlbuttons wenig geklickt. Und am Ende geht der Autor, der Künstler den Weg des geringsten Widerstandes, weil er weiß, dass er von seiner Kunst nicht leben könnte, und produziert Gefälliges, was massenhaft gelesen und eingeschaltet wird, für das die Menschen zu zahlen bereit sind. Möchten Sie in einer solchen Welt leben?
Nur noch Hirschhausen, DSDS und BILD?

Mehr Grips – Bis hinterm Horizont

Wie wäre es mit Grips? Berlins weltberühmtes Theater kann sich Aufführungen für Kinder und Jugendliche nicht mehr leisten»Trotz anhaltender künstlerischer Erfolge, umjubelter Premieren, hoher Auslastungszahlen, extremer Sparmaßnahmen und permanenter selbstverfügter Haushaltssperre ist eine Insolvenz des überschuldeten GRIPS Theaters unvermeidlich…« Wir haben noch gar nicht über Strukturen geredet. Wir haben das Problem noch gar nicht als Ganzes erfasst. Die meisten kochen an ihrem eigenen Süppchen.

Es steht zu befürchten, dass die neue Welle der Urheberrechtsdebatte das bleibt, was sie schon immer war: Ein Aufbäumen und baldiges Abebben.
Wir reden über Rechte. Wir müssen auch über Qualität reden, reden über kulturelles Verständnis, Selbstverständnis und über das, was etwas wert ist, auch wenn es nicht jeden anspricht. Reden wir über Engagement. Über Mut. Reden wir mal über Bereitschaft und über unsere Horizonte hinaus!

20/04/2012

NEU: Der Autor auf FacebookTwitter und Google+

Author: Matthias Schumacher | Date: 15. April 2012 | No Comments »

Was dir einmal alles war,
Alles, was uns geblieben:
Vier Hefte, die du Jahr um Jahr
Mit Versen vollgeschrieben.

Handschrift Alfred Lichtenstein Gebet An Die Menschen Kuno Kohn Foto By Matthias Schumacher in (Bei Alfred Lichtensteins Nachlass) KUNOS TRÄNEN

Und was vor mir geschrieben steht,
Ist Zeugnis seiner Zeit:
10.II.13, Kunos „Gebet
an die Menschen.“ Zerrissenheit -

Bald 100 Jahre nicht verklungen,
Und niemals ganz geheilt,
Das Lied, das jeder gesungen,
Das jeder mit jedem teilt.

Das alte Lied vom Hassen,
Das alte Lied vom Sehnen,
Die sich nur einen lassen
Bei Nacht in heißen Tränen.

Man schläft darüber ein,
Wird trocken und verklebt,
Schreibts tags ins Heft hinein
Und fühlt sich überlebt.

An Frida Alfred Lichtenstein Foto By Matthias Schumacher in (Bei Alfred Lichtensteins Nachlass) KUNOS TRÄNEN

Matthias Schumacher verfasste dieses Gedicht am 06. März 2012
in der Staatsbibliothek Berlin bei der Recherche
zu seinem aktuellen Romanprojekt

Mit Dank an Dr. Jutta Weber

Author: Matthias Schumacher | Date: 13. April 2012 | No Comments »

Foto-by-daskerst- -Bearbeitung-by-Matthias-Schumacher in Die Geschichte des Outings in drei Akten

Früher hieß es »Sag’s keinem!«
Heute fordert man »Sag’s jedem!«
Wir arbeiten auf »Sag’s bloß nicht schon wieder!« hinaus.

13/04/2012