Author: Matthias Schumacher | Date: 15. Dezember 2014 | Kommentare deaktiviert

Matthias Schumacher_Weihnachten 2014

… frohe Feste!

 

 

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Author: Matthias Schumacher | Date: 16. Dezember 2014 | Kommentare deaktiviert

the three stooges

Jeder Dritte befürchtet Islamisierung Deutschlands. Wer ist dieser Dritte? Aussagekräftige Fakten – natürlich in der 3. Person zusammengetragen:

Jeder dritte Deutsche ist psychisch krank und fordert ein Verkaufsverbot von Lebkuchen im September, er hat Ärger mit den Nachbarn, mag nebenan keine Sinti und Roma und leidet dauerhaft unter Stress. Er ist zu dickAllergiker, kauft seine Mode im Internet und Weihnachtsgeschenke im Geschäft.
Jeder dritte Deutsche mag kein Bargeld mehr, findet Schwarzarbeit ok und streamt illegal Filme und Serien. Er ist Singlelebt derzeit seine große Liebe und hatte schon Sex auf der WeihnachtsfeierZum Zahnarzt geht er nichtEr würde ein Elektroauto kaufen und ist für die PKW-Maut.
Jeder Dritte glaubt an Engel, an Außerirdische, an ein Leben nach dem Tod

 

Foto: Insomnia Cured Here 
(flickr, CC)

 

Author: Matthias Schumacher | Date: 28. Oktober 2014 | Kommentare deaktiviert

Seit dem 27. Januar 1919 ist alles gesagt.
An jenem Montag stellte Ignaz Wrobel, besser bekannt als Kurt Tucholsky, in der Abendausgabe des Berliner Tageblatts seine berühmteste Frage und beantwortete sie selbst mit „Alles.“

was darf die satire_original_ignaz wrobel_kurt tucholsky_berliner tageblatt_1919

Zuvor hatte er seine Zeilen durch den zwei Zentimeter hohen Schnee getragen. Sieben Kilometer zu Fuß bei Minus 3 Grad von seiner Wohnung an der Kaiserallee bis ins Zeitungsviertel. Wahrscheinlicher wurde er im warmen Wagen vorgefahren. So oder so. Er hätte sich den Weg sparen können.

Denn wir fragen noch immer, was Satire darf. Der Comedian Dieter Nuhr kritisiert satirisch den Islam, verurteilt barbarischen Islamismus und bekommt einen strafrechtlichen Hieb vom Osnabrücker Salafisten Erhat Toka, weil dieser sich und seinen Glauben angepufft sah. „Hassprediger“ Nuhr schüre Islamfeindlichkeit usw. (Selten sagte ein „usw.“ mehr als hier.) „Das ist kein rechter Mann und kein rechter Stand, der nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann“, urteilt Tucholsky über die Verspotteten, womit er den Spötter zugleich in Schutz nimmt.

Nun kommt der mit dem ollen Tucholsky, denken Sie, mit einem langbekannten Zeitungsfetzen und fragen, ob es nicht einen Tick aktueller ginge? Einerseits haben Sie ja recht. Seit letzten Freitag beschäftigt sich die gesamte Presselandschaft mit der Causa Nuhr und so langsam ebbt die Welle wieder ab. Andererseits sollte man die Gezeiten nicht außer Acht lassen. Es kam in den vergangenen Jahrzehnten zu etlichen Sturmfluten religiöser Empfindlichkeiten, die das Land regelrecht durchwühlten.

Was ist das für ein ungefestigtes Land, das immer wieder von der Frage „Was darf die Satire?“ überrollt wird? Und warum sind es regelmäßig Anhänger monotheistischer Buchreligionen, die Probleme mit Satire haben? Erst in diesem Mai hatte das Kolpingwerk ARD und ZDF kritisiert, weil man in Comedy-Sendungen zunehmend den Katholizismus der Lächerkeit preisgeben würde. 2012 erwirkte der Vatikan eine Einstweilige Verfügung gegen das Satire-Magazin „Titanic“. 1987 ließ Rudi Carrell in seiner „Tagesshow“ dem Ajatollah in einer Filmmontage BHs zuwerfen, was zu höchsten diplomatischen Verwicklungen führte. Frischer ist das Video „Dunk den Herrn!“ der Komikerin Carolin Kebekus. 2013 wurden fast 100 Strafanzeigen gegen sie gestellt. Der Vorwurf: Beschimpfung von Bekenntnissen nach § 166 StGB. Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren. Wer jemanden „unreligiös“ beleidigt, muss übrigens nur 2 Jahre Gefängnis fürchten. Das religöse Gefühl steht erhaben über allen anderen. Szenen aus Deutschland. In den USA erhielten die Macher der Zeichentrickserie „South Park“ Morddrohungen, in Frankreich wurde auf die Redaktionsräume des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ein Brandanschlag verübt wurde – und wieder: usw.

Man muss trotz zeitweiliger Humorresistenz die Christen loben, sie empören sich zwar, zünden aber nichts und niemanden mehr an. Sie klagen, schreiben Wut-Mails oder Bücher, die sie dann wacker in Talkshowkameras halten. Für den Glauben, den guten Zweck, für sich. Kämpferisch, als hätte Gott befohlen: „Gehet in Gesprächsrunden und mehret Euer Kapital!“ Gottlob, die Kirchensteuer wird am Einkommen bemessen!

Dass Radikale, die die Anweisungen in ihren Schriften höher bewerten als den Rechtsstaat, sich immer dann auf unsere Gesetze berufen, wenn es ihnen gerade passt, ist eine altbekannte Posse. Allein das Lachen fällt schwer. Man muss dafür fast dankbar sein, denn ihre „Gesetze“ führen allzuoft zum sprichwörtlichen „kurzen Prozess“.

Doch was tun, wenn einen die Satire trifft? „Er mag sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, er mag widerschlagen – aber er wende nicht verletzt, empört, gekränkt das Haupt. Es wehte bei uns im öffentlichen Leben ein reinerer Wind, wenn nicht alle übel nähmen“, schreibt Tucholsky. Würde er heute durch den Herbstwind stapfen, wäre sein jüngster Artikel vielleicht mit der Frage „Was darf die Religion?“ überschrieben. Hat sie unsere Gesellschaft nicht längst beantwortet?

 

Verfasst am 27./28.X.2014 in Berlin
© Matthias Schumacher